Vermisste aus Cuxhaven : Große Suche in Aukrug: Wo ist Nancy?

Das Verschwinden von Nancy Köhn aus Hechthausen (Landkreis Cuxhaven) wirft weiter Rätsel aufwirft.
1 von 3
Das Verschwinden von Nancy Köhn aus Hechthausen (Landkreis Cuxhaven) wirft weiter Rätsel aufwirft.

2009 verschwand die 26-jährige Nancy Köhn im Landkreis Cuxhaven. Drei Jahre später führt nun eine Spur zu einem Moorgebiet zwischen Aukrug und Nortorf.

Avatar_shz von
15. Januar 2012, 03:01 Uhr

Aukrug/Cuxhaven | Mitte März 2009 verschwand Nancy Köhn (26) aus Bornberg bei Hechthausen im Landkreis Cuxhaven spurlos. Längst gehen die Ermittler in Niedersachsen von einem Verbrechen aus. Gut zwei Jahre später führt eine Spur nach Aukrug - auf einen einsamen Waldparkplatz an der Landesstraße 121 Richtung Nortorf. Am Mittwochabend war diese neue Entwicklung Thema in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY...ungelöst".
Nancy Köhn, die ursprünglich aus dem 500-Seelen-Dorf Toddin in Mecklenburg-Vorpommern stammt, lebte vor ihrem Verschwinden gemeinsam mit ihrem fünf Jahre älteren Freund am Ortsrand von Hechthausen-Bornberg im eigenen kleinen Haus. Beide arbeiteten im 100 Kilometer entfernten Hamburg - sie als Packerin in einem Versandhandel für Outdoorbekleidung, er bei einer Fisch-Fabrik. Doch im Jahr 2008 verlor Nancy ihren Job. Sorgen um die Raten für das Haus belasteten fortan die Beziehung des Paares. Im März 2009 telefonierte Nancy ein letztes Mal mit ihren Eltern in Toddin, meldete sich für das Osterfeuer an. Doch sie kam nicht. Als sie sich wochenlang nicht mehr meldete und auch auf Nachrichten nicht reagierte, fuhr ihr Bruder Danny nach Niedersachsen. Doch dort traf er nur auf Nancys Lebensgefährten, der angab, man habe sich im Streit getrennt. Nancy habe das gemeinsame Haus verlassen - ohne Kleidung und persönliche Dinge. Sogar ihren geliebten Hund ließ sie zurück. Ende Juli meldete der Bruder sie als vermisst.
Fahrzeug kam in die Schrottpresse - möglicherweise Spuren vernichtet
Jetzt begann eine groß angelegte Suche. Die Kripo in Cuxhaven richtete die Ermittlungsgruppe "Nancy" ein - doch die junge Frau blieb unauffindbar. "Die Ermittler haben buchstäblich alles auf den Kopf gestellt. Unter anderem auch das Grundstück des gemeinsamen Hauses in Hechthausen", erklärte Anke Rieken, Polizeisprecherin aus Cuxhaven. Doch ohne Erfolg. Allerdings erfuhren die Ermittler, dass das Auto der Verschwundenen, ein blauer Ford Mondeo mit dem Kennzeichen CUX-LW 562, bereits am 30. April 2009 in Hamburg Allermöhe an der S-Bahn-Station Mittlerer Landweg gefunden worden war. Zu diesem Zeitpunkt ahnte aber noch keiner, was es mit dem Wagen auf sich hatte. Nancy Köhn galt ja noch nicht einmal als vermisst. Doch die Tüv-Plakette des Fords war abgelaufen. Weil die Halterin auf Schreiben nicht reagierte, kam das Fahrzeug schließlich in die Schrottpresse - und mit ihm möglicherweise wichtige Spuren.
An genau dieses Auto erinnerte sich jedoch gut zwei Jahre später, im Juli 2011, ein Zeuge. "Der Außendienstmitarbeiter einer Vertriebsfirma fand zufällig eine ältere Illustrierte. Im Jahr 2009 war ja umfangreich über den Fall berichtet worden", erklärte Polizeihauptkommissarin Anke Rieken. Und da fiel es dem Zeugen nach eigener Aussage wieder ein: Am 9. April 2009 will er - und da ist er sich absolut sicher - Nancy Köhns Auto auf dem abgelegenen Parkplatz zwischen Aukrug und Nortorf gesehen haben. "Er glaubte, jemand wollte in dem Waldgebiet illegal Abfall beseitigen. Im Wagen waren große blaue Säcke zu sehen. Außerdem beobachtete der Zeuge einen etwa 30 Jahre alten Mann, der aus dem Waldstück kam. Dieser bemerkte offenbar, dass ihn jemand gesehen hat und fuhr davon", schilderte die Pressesprecherin die Zusammenhänge. Kriminalhauptkommissar Robert Kalka, leitender Ermittler im Fall Nancy Köhn, hält die Aussage des Mannes für sehr glaubwürdig. Deshalb wurde am 12. Oktober 2011 eine groß angelegte Suche in dem rund 20 Hektar großen Wald- und Moorgebiet rund um den Parkplatz gestartet. Die Ermittler aus Cuxhaven rückten an. Unterstützt wurden sie von Bereitschaftspolizisten aus Schleswig-Holstein, die auch Leichenspürhunde einsetzten. Doch Nancys Schicksal konnte auch jetzt nicht geklärt werden.
Deshalb setzen die Ermittler jetzt ihre Hoffnungen auf die Bevölkerung. Denn die Beamten halten es für wahrscheinlich, dass der Unbekannte, den der Zeuge in dem Waldstück gesehen hat, seine Pläne damals spontan änderte und wichtige Beweise woanders versteckt hat - wahrscheinlich in der Nähe. Wer das Auto gesehen oder im April 2009 etwas anderes Verdächtiges bemerkt hat, wird deshalb gebeten, sich unter Tel. 04721/573200 bei der Polizei in Cuxhaven oder bei jeder anderen Polizeidienststele zu melden.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen