zur Navigation springen
Holsteinischer Courier

23. Oktober 2017 | 01:14 Uhr

Geschäftsmann : Große Liebe zu altem Handwerk

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der gebürtige Neumünsteraner Sandro Dühnforth (34) schneidert in seinem Hamburger Atelier Maßanzüge für Herren.

shz.de von
erstellt am 11.Sep.2013 | 07:00 Uhr

Perfektion ist ihr oberstes Gebot. Jede Naht, jeder Knopf, alles muss genau sitzen. Die Lübeckerin Hanne Wulff und der Neumünsteraner Sandro Dühnforth gehören zu den letzten echten Herrenmaßschneidern in Deutschland. Vor einem Jahr haben sich die beiden einen Traum erfüllt und ihr Atelier „dühnforth&wulff“ im Hamburger Stadtteil St. Georg eröffnet.

„Wir wollen dieses alte Handwerk am Leben halten, weil wir es lieben“, sagt Hanne Wulff. Und aus diesem Grund machen die beiden Schneidermeister auch jeden Handgriff selbst, von der ersten Besprechung und dem Maß nehmen, bis zum Setzen der letzten Naht. Etwa 80 Arbeitsstunden dauert es, bis ein dreiteiliger Anzug aus Hose, Weste und Sakko fertig ist. „Für gewöhnlich kommen die Kunden zu drei Anproben. Sechs bis acht Wochen dauert es, bis die Kunden ihren Anzug mitnehmen können“, erklärt Sandro Dühnforth. Wie genau der Anzug aussehen soll, entscheidet der Kunde. Hanne Wulff betont: „Der Kunde ist der Designer, wir beraten nur.“ Aus 4000 Stoffmustern können die Herren wählen. Der teuerste Stoff kostet 1200 Euro für den laufenden Meter. Die bisher außergewöhnlichsten Anzüge, die sie angefertigt haben? Ganz klar: Ein goldener Seidensmoking und einer in quietsch-türkis. „Das waren die Verrücktesten. Der Großteil ist dunkelblau, schwarz, und wer mutig ist, trägt grau“, sagt Sandro Dühnforth mit einem Schmunzeln.

Der gebürtige Neumünsteraner hat sein Atelier zwar in Hamburg, aber die Geburtsstunde des Unternehmens feierten er und seine Geschäftspartnerin in seiner Heimatstadt. „Wir haben bei einem Notar in Neumünster die Verträge unterschrieben, und danach gab es Torte bei meiner Mutter“, berichtet Sandro Dühnforth. Seine Mutter lebt im Vicelinviertel, der 34-Jährige ist dort aufgewachsen. Er hat die Vicelinschule besucht, später die Freiherr-vom-Stein-Schule. Bei der Firma Sauer-Danfoss, damals noch Sauer-Sundstrand, lernte Sandro Dühnforth Zerspanungsmechaniker mit Fachrichtung Drehtechnik. „Danach wusste ich, dass ich irgendwas im Handwerk machen muss“, erzählt Sandro Dühnforth. Er lebte bis zu seinem 24. Lebensjahr in Neumünster, dann ging er nach Fulda und machte im Franziskaner Kloster seine Ausbildung zum Herrenschneider.

Hanne Wulff lernte er bei seiner Arbeit am Schauspielhaus in Hamburg kennen. Als die beiden sich nach der Meisterschule wieder trafen, fingen sie an zu planen. „Nach einem Jahr Planung hieß es ‘jetzt oder nie’, und wir haben es gewagt“, sagt Hanne Wulff. Und das Wagnis hat sich für die beiden gelohnt. Seit dem ersten Tag haben sie gut zu tun. Und auch wenn die beiden Maßschneider sich mit viel liebevoller Akribie jedem Anzug widmen, so gibt es doch Kunden, für die Sandro Dühnforth besonders gern mal einen Anzug schneidern würde: „Sean Connery, Max Raabe und Til Brönner, ganz klar.“ Schon von Berufs wegen achten Sandro Dühnforth und Hanne Wulff immer auf die Anzüge der Menschen, auch in Filmen. „Manchmal muss ich Szenen zweimal sehen, weil ich beim ersten Mal nur auf die Kleidung geachtet habe“, gesteht Sandro Dühnforth. „Seine“ eigenen Anzüge, so sagt er, erkennt er überall wieder. Als sein Meisterstück, ein grauer Anzug, vor der Tür des Ateliers geklaut wurde, hat Sandro Dühnforth den halben Stadtteil danach abgesucht. „Irgendwann habe ich den Saum des Sakkos unter einer Jacke raus gucken sehen. Ich bin zu dem Typ hin und habe gesagt ,du weißt, warum ich dich anspreche?’“,erzählt Sandro Dühnforth. Seitdem das Geschäft läuft, ist die Zeit knapp, und auch für die Holstenköste hat er seit dem vergangenen Jahr keine Zeit mehr. Doch in Neumünster ist er trotzdem noch regelmäßig zu Besuch, bei seiner Familie und seinen Freunden. Und wer weiß, vielleicht erkennt er ja auch bald bei einer Stippvisite in der Heimatstadt einen seiner Anzüge auf der Straße wieder.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert