Autor aus Neumünster : Grodes Welt der Frauen

Ulrich Grode liest im Stadtteilcafé Schillerstraße.
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Ulrich Grode liest im Stadtteilcafé Schillerstraße.

Der Neumünsteraner Autor Ulrich Grode stellt heute sein neues Buch „Trunkene Schwäne“ vor.

shz.de von
17. Januar 2018, 12:37 Uhr

Auf dem Titel ist die Holstenstraße mit ihren typischen Türmen zu sehen. Doch was macht die Ampel dort? Und Stromleitungen? Das neue Buch „Trunkene Schwäne“ von Ulrich Grode spielt definitiv – wie auch die Trilogie um „Booker“ und den Lehrer Schwalbe – in Neumünster. „Doch etwas ist anders, fremd, das soll neugierig machen“, sagt der 69-jährige ehemalige Immanuel-Kant-Lehrer, dessen Bücher in der Literaturszene der Stadt eine feste Fangruppe haben. Denn seine Geschichten siedelt er mit einer Mischung aus Allzumenschlichem und dem liebevollem Blick fürs Detail in „seiner“ Stadt an, und die Leser reizt es, die Orte wiederzuerkennen.

Mit seinem neuen Buch vollzieht der Autor eine Wende bei seinen Protagonisten. „Frauen blieben bisher Beobachter, die in ihren privaten Sorgen und Nöten gefangen waren, oder sie wurden zu Terroristen. Bisher habe ich mit Männern experimentiert, jetzt stehen Frauen im Mittelpunkt“, sagt Grode. Inspiriert hat ihn dazu ein VHS-Literaturkursus, den er leitete und in dem es um Literatur von Frauen ging.

In den „trunkenen Schwänen“ steht Sara im Mittelpunkt. Sie ist eine typische Endvierzigerin, die ihren Job verliert und sich um ihre Mutter kümmern muss, die des Lebens müde geworden ist und nicht mehr allein zurechtkommt; eine Rolle spielt auch ihre Tochter, die ihr Studium abbricht, und ein Mädchen aus der Nachbarschaft, das bei ihr Hilfe sucht. „Sara denkt, sie hat ihr Leben im Griff, doch sie muss erkennen, dass sich vieles als brüchig erweist und sie etwas ändern muss. Es geht darum, wie diese drei Frauengenerationen miteinander umgehen, was sie verschweigen, voneinander wissen wollen oder wie sie zu- oder weghören“, sagt Grode und nennt das „Alltag in einer kleinen Stadt im Norden“. Interessant sei für ihn auch zu sehen, was passiert, wenn sich Frauen den so rasend schnellen Veränderungen der aktuellen Zeit stellten.

„Im VHS-Kursus tauchte auch die Frage auf, ob Männer eigentlich über Frauen schreiben können“, sagt Grode augenzwinkernd und erzählt, dass seine Schwiegertochter Lektorin war und das Okay gab. Illustrator war Sohn Janko.

Dass die erste Lesung im Stadtteilcafé im Awo-Seniorenheim an der Schillerstraße stattfindet, ist bewusst gewählt. „Ich besuche einen Verwandten, der hier lebt, und das Café spielt im Buch eine Rolle. Es ist die Keimzelle einer Frauenpower-Bewegung, es wird zum Apo-Haus (Apo: außerparlamentarische Opposition), dann wehren sich die Männer und es wird zum Opa-Haus“, deutet Grode schmunzelnd den Fortgang an. Das hier hängende Gemälde „Der arme Poet“ von Carl Spitzweg spielt ebenfalls eine Rolle, auch die sieben Säulen im Saal.

Der skurrile Titel spielt auf den Schwan als Wappentier Neumünsters, vor allem aber auf den Lyriker Friedrich Hölderlin (1770-1843) an, für den Saras Mutter schwärmt. Der Schwan ist in dem Gedicht „Hälfte des Lebens“ Sinnbild für übersprudelnde Schriftsteller, die aber auch immer Inspiration benötigen. Auch das Café „Fräulein Frieda“ in der Innenstadt und eine Busfahrt nach Einfeld sind Grode-typische Anspielungen auf die Schwalestadt.


> Das Buch „Trunkene Schwäne“ kostet 10 Euro im Buchhandel. Die Lesungen finden statt morgen um 18.30 Uhr im Stadtteilcafé, Schillerstraße 3, (Eintritt frei) und am Donnerstag, 8. Februar, um 19 Uhr in der Buchhandlung Krauskopf, Großflecken 32, (Eintritt: 6 Euro).

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