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Wankendorf : Grandiose Stimmakrobaten sangen mit angezogener Handbremse

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der harmonische Gleichklang der einzelnen Stimmen fehlte im Konzert.

Wankendorf | „The Gregorian Voices“ gaben am Montagabend vor rund 110 Besuchern in der Kirche ein umjubeltes Konzert. Das männliche A-cappella-Septett präsentierte in schlichten Mönchskutten gekleidet gregorianische Gesänge, Lieder der Renaissance sowie Evergreens der Popmusik. Die sieben Künstler beeindruckten mit ihren professionell geschulten Stimmen in sphärischen Höhen und tiefen Bässen.

Insbesondere das auf Altslawisch vorgetragene Basssolo von Galin Dobrov veranlasste die ansonsten andächtig lauschenden Besucher auf ihren Bänken zum Tuscheln. Und trotzdem fehlte dem Konzert etwas. Das war zum einen der harmonische Gleichklang der einzelnen Stimmen. Nur in seltenen Momenten stellte sich ein raumfüllender Klang ein, der alle Stimmen vereinigte und eine Ahnung gab, welches Chorpotenzial da schlummerte. Es gab Stellen, da vibrierte die Luft, wenn die Solisten zu ihrem Gesang anhoben, doch leider vermittelten sie überwiegend das Gefühl, mit angezogener Handbremse zu fahren. Die Frage stellte sich, wie eingespielt der Chor in dieser Besetzung ist, denn laut Aussage des Tourmanagers besteht das Ensemble aus einem Pool von etwa 25 Sängern, die unterschiedlich zusammengesetzt werden. Neben diesem Chor tourt parallel ein gleichnamiger durch Frankreich, besetzt mit Künstlern aus Russland. Leider erfährt man auch im käuflich zu erwerbenden Programmheft nicht die Namen der einzelnen Künstler, lediglich Bulgarien wird als gemeinsame Herkunft genannt.

Ganz eindeutig lag die Stärke des Konzerts im ersten Teil, in dem die sieben Männer ohne Gestik in der Tradition der puristischen Gregorianik lateinische Kirchenlieder sangen. „Bombastisch! Ich höre zum ersten Mal so eine Art von Musik und bin gerade darüber begeistert, dass die Sänger ohne musikalische Begleitung so berührend singen“, meinte Gertrud Giesen aus Bornhöved, die der Einladung ihrer Tochter Svenja Giesen gefolgt ist. „Die Sänger sind toll, da ist noch viel Luft nach oben“, ergänzte Verena Lehmann aus Wankendorf. Und auch Silke Herzberg aus Wankendorf war in der Pause ganz angetan: „Ich mag das Mystische. Solche Musik höre ich auch zuhause. Besonders beeindruckend finde ich den Bass.“

Stotternder verlief leider Teil zwei, in dem mit Popmusik-Klassikern geködert wurde. Weder „Imagine“ der Beatles oder „Sound of Silence“ von Simon and Garfunkel hat der Chor überzeugend rübergebracht, und auch „Knockin’ on heaven’s door“ haben Bob Dylan und Axl Rose stilsicherer präsentiert. Lediglich das großartige „Hallelujah“ von Leonard Cohen gelang berührend. Dennoch gefiel es den meisten Besuchern, sie bedankten sich klatschend und mit Pfiffen und bekamen mehrere Zugaben.

 

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erstellt am 05.Aug.2015 | 17:00 Uhr

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