Erster Weltkrieg : „Granaten fliegen in unsere Stellung“

So sehen die Einträge in dem kleinen Tagebuch aus, hier vom 17. September 1914. In dem kleinen roten Büchlein liegen auch mehrere gepresste vierblättrige Glücksklee.
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So sehen die Einträge in dem kleinen Tagebuch aus, hier vom 17. September 1914. In dem kleinen roten Büchlein liegen auch mehrere gepresste vierblättrige Glücksklee.

Tagebuchaufzeichnungen geben Einblicke in das Leben an der Front während des Ersten Weltkrieges.

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27. Juni 2014, 17:00 Uhr

Neumünster | Bei der Durchsicht meines Familien-Archivs fielen mir zwei Tagebücher meines Vaters auf. Es waren kurze, stichwortartige Aufzeichnungen über die Zeit des Ersten Weltkrieges, beginnend mit dem 3. August 1914. An diesem Tag, es war der Tag der Mobilmachung, rückte mein Vater als Reserve-Offizier in einer Kaserne in Stade ein. Die Aufzeichnungen dieser beiden Hefte enden mit der Verwundung meines Vaters an der Westfront in Elsaß-Lothringen am 19. April 1915 und den nachfolgenden Tagen im Lazarett bis zum 3. Mai 1915.

Drei Auszüge aus den Tagebüchern:

17. Dezember 1914: „Schlafe von 1 Uhr nachts bis 7 Uhr morgens. Um diese Zeit fängt die Schießerei seitens der Franzosen wieder an. Granaten und Schrapnells fliegen in unsere Stellung, richten großen Schaden an. Zwei MGs werden zerstört. Von der 5. Kompanie fallen sieben Mann, bei den MGs zwei Mann, von den Pionieren zwei Mann. Außerdem werden eine Reihe von Leuten verwundet. Von einem Toten waren nur Fleischstücke und Kleidungsreste übrig geblieben. Um 11 Uhr vormittags fingen die Minenwerfer an zu schießen. Die Dinger haben eine furchtbare Wirkung. Um 2 Uhr nachmittags ist das Schießen vorbei. Unsere Artillerie schießt famos. Abends ruhig.“

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19. April 1915: „2 Uhr 30 morgens Abmarsch über Sulz zum Hartmannsweilerkopf, Ankunft 4.30 Uhr. Angriff für heute Abend 5 Uhr angesetzt. Gegen halb 5 Uhr geht der Tanz los. Bin vielleicht 10 Minuten draußen, da bekomme ich einen schweren Rückenschuß. Heftiges Infanterie-Feuer. Muß bis nach 8 Uhr abends liegen bleiben, werde gefunden und fortgeschafft. Zunächst per Wagen, eine furchtbare Fahrt, dann per Auto nach Bollenweiler. Dort verbunden und weiter nach Gebwiler.“

20. April 1915: „Hier komme ich nachts gegen 12 Uhr an. Gleich in den Operationssaal. Gereinigt, geschnitten, genäht und verbunden, dann ins Bett gepackt. Viel Schmerzen, Fieber und sehr schwach. Kann mich nicht rühren.“

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 Ob mein Vater weitere Tagebücher geführt hat, lässt sich nicht mehr feststellen. Jedenfalls liegen keine Aufzeichnungen darüber vor. Nach seiner Genesung hat er weiter bis zur Kapitulation 1918 aktiv als Offizier am Krieg teilgenommen. Einer seiner letzten Einsätze war der eines Orts-Kommandanten in einer Kleinstadt in Galizien im Grenzgebiet des heutigen Polen und Russland.

Das gesamte Seniorenmagazin zum Thema Erster Weltkrieg finden Sie im Courier vom 27. Juni.

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