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Flüchtlinge : Gleichstellungsbeauftragte: Schutzstandards für Frauen im ganzen Land

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

45 hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte aus ganz Schleswig-Holstein verabschieden Positionspapier mit vielen Empfehlungen

shz.de von
erstellt am 27.Jan.2016 | 08:00 Uhr

Neumünster | Wenn Mädchen und Frauen aus Syrien, Afghanistan, dem Iran oder anderen Ländern nach Deutschland flüchten, suchen sie Schutz vor Gewalt, Terror und Verfolgung. Sie sind traumatisiert und belastet. Doch die Realität in Erstaufnahmen und Gemeinschaftsunterkünften ist: Auch hier kann Gewalt und Diskriminierung herrschen – auch wenn bislang nur Einzelfälle bekannt sind. Was muss dagegen getan werden? Mit dem Thema „Weibliche Flüchtlinge“ beschäftigte sich gestern die Vollversammlung der Gleichstellungsbeauftragten aus Schleswig-Holstein.

45 Hauptamtliche plus 75 Gäste – Träger von Unterkünften, Polizei, Gewerkschaften, Jobcenter und andere Flüchtlingsarbeiter – diskutierten im Ratssaal über den Status quo und notwendige Schritte für die Zukunft. „Nach dem Meistern der Krise ist es Zeit, Strukturen zu schaffen, und zwar rechtzeitig, bevor Neumünster im Oktober Flüchtlinge fest zugewiesen bekommt“, sagte Heidi Basting, Beauftragte Neumünsters, die mit ihrer Kollegin Michaela Zöllner Gastgeberin war. „Die Stadt kann von anderen Kommunen lernen, die schon länger Flüchtlinge aufnehmen“, sagte Heidi Basting. Denn laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ist ein Drittel aller Flüchtlinge weiblich. Fünf Prozent der Frauen sind schwanger.

Ein spezielles Schutz- und Unterstützungskonzept stellte Mitautorin Kryztina Michalski vom Paritätischen Wohlfahrtsverband (www.paritaet.org) vor. Sowohl in Erstaufnahmen des Landes als auch in kommunalen Gemeinschaftsunterkünften müssten Frauen vor Gewalt geschützt werden, aber auch Hilfsangebote erhalten, die verpflichtend für alle Träger umgesetzt werden müssten, sagte sie.

Ein Praxisbeispiel gab Deborah Azzab-Robinson, Beauftrage aus Pinneberg, die das dortige Gewaltschutzkonzept mit erarbeitet hatte, das zurzeit von der Politik diskutiert wird. „Es muss räumliche Standards geben, Einzeltrakte für Frauen, für Tagesaktivitäten und Beratungen. Es muss auch soziale Standards für Betreuung geben, Schulungen für das hauptamtliche Personal und die Ehrenamtlichen, die für das Thema Gewalt sensibilisiert werden müssen.“

Wie unterschiedlich die Situation im Lande ist, zeigte eine Bestandsaufnahme: Frauen zählten Defizite und Wünsche auf – fehlende Räume nur für Frauen oder die „Hoheit“ der Männer in puncto Handys und Gesprächsführung. Flüchtlingsfrauen müssten lernen, dass sie auch nur für sich etwas fordern dürften. „Beim Gespräch im Rathaus sollten Mitarbeiter auch die Frauen hereinbitten“, gab sie ein Beispiel. Als eine spezielle Gruppe nannte eine Frau minderjährige Mädchen, die in Begleitung von Brüdern oder Onkeln kämen: „Die werden nicht in Obhut genommen, wohnen manchmal Monate in der Gemeinschaftsunterkunft.“

Am Ende verabschiedete die Versammlung ein Papier mit Vorschlägen für Unterbringung, Gewaltschutz, gesundheitliche Versorgung, Beratung und Integration. „Wir hoffen, dass die Landesregierung dies aufgreift. Das vordringliche Ziel muss sein, die besondere Situation weiblicher Flüchtlinge systematisch, strukturiert, sensibel und konsequent anzugehen“, sagte Elke Sasse, Sprecherin des Landesarbeitsgemeinschaft der Gleichstellungsbeauftragten.

Für Neumünster gab sich Heidi Basting zuversichtlich: „In der Erstaufnahme gibt es jetzt ein Haus nur für Frauen. Und wir als Beauftragte können überall politisch gewollt gut mitarbeiten.“

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