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Kita-Betreuung : Gleiches Recht für alle Kinder

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Vier Einrichtungen nehmen an einem landesweiten Modellversuch teil. Auch Kinder mit Behinderungen sollen in jede Kita gehen können.

Neumünster | Behinderte oder benachteiligte Jungen und Mädchen sollen in den Kindertagesstätten der Stadt besser gefördert und betreut werden. Neben Flensburg und den Kreisen Dithmarschen und Pinneberg nimmt Neumünster an einem neuen zweijährigen Modellprojekt zur Weiterentwicklung von Inklusion in Kindertageseinrichtungen (siehe Infokasten) teil.

„Ziel ist es, dass jedes Kind in jede Einrichtung gehen kann und dabei die gleichen Qualitätsstandards vorfindet“, sagt Jörg Asmussen, Fachdienstleiter Frühkindliche Bildung bei der Stadt. Zusätzliches Geld gibt es dafür nicht; die Stadt darf das vorhandene Geld aus verschiedenen Töpfen des Allgemeinen Sozialen Dienstes, der Krankenkassen oder der Behindertenhilfe aber flexibler nutzen. „Bisher wird fallbezogen gefördert. Wir wollen statt der individuellen aber eine Budgetfinanzierung, von der nicht nur ein Kind profitiert“, sagt Asmussen. Er wirbt für ein Kompetenzzentrum mit einem Pool von Fachkräften, die auf Anfrage auch mehrere Kitas betreuen. „Das kann einmalig sein, wenn es etwa um die richtige Einrichtung in der Kita geht. Es kann aber auch dauerhaft sein, wenn mit Kindern direkt gearbeitet wird. Aber die einzelnen Häuser brauchen keine festen Kräfte mehr einzustellen“, sagt Fachdienstleiter Asmussen.

Vorbild in der Stadt ist die Hauke-Haien-Kita. Die Einrichtung an der Ehndorfer Straße setzt bereits um, was in den anderen Kitas Alltag werden soll. In dem Team aus 18 Mitarbeitern arbeiten seit Jahren neben Erzieherinnen und sozialpädagogischen Assistentinnen auch mehrere Heilpädagogen und zwei Teilhabe-Assistenten. Willkommen sind sowohl nicht-behinderte als auch behinderte Kinder von zwei Monaten bis zu sechs Jahren, unabhängig von Nationalität, Religion und sozialer Situation.

Jennifer Schliewe aus Faldera ist froh, dass ihr Sohn Derek (5) hier die richtige Unterstützung bekommt. „Er ist verhaltensauffällig und hyperaktiv. In einer anderen Kita fand er keinen Anschluss, aber hier ist er in seiner Gruppe integriert“, erzählt die junge Mutter. Ähnlich geht es Devi Pulow aus Faldera, die nach der Elternzeit gerne wieder arbeiten möchte. Weil ihr Sohn Jonah (21 Monate alt) wegen eines Wasserkopfes besondere Anforderungen stellt, fand sie in anderen Kitas keinen Platz. „Jonah hat sich hier gut entwickelt“, sagt sie. Einen Anspruch auf einen U3-Platz hatte sie wegen der Behinderung ihres Sohnes nicht. Auch hier will Jörg Asmussen ansetzen: „Wir sollten in Neumünster dahin kommen, dass auch diese Kinder in jeder Kita unterkommen können.“

Das Modellprojekt, an dem auch die Kitas Faldera, Bollerwagen und Zwergenland beteiligt sind, wird heute um 18 Uhr auch bei der öffentlichen Sitzung des Jugendhilfeausschusses im Projekthaus an der Wasbeker Straße 87 vorgestellt.

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erstellt am 28.Okt.2014 | 08:00 Uhr

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