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Bundestagswahl : Gleich zwei Abgeordnete für Berlin

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Überraschung über Nacht: Nach Dr. Philipp Murmann (CDU) schafft auch Dr. Birgit Malecha-Nissen (SPD) den Sprung nach Berlin

von
erstellt am 24.Sep.2013 | 06:00 Uhr

Der Wahlkreis Neumünster/Plön wird künftig mit zwei Politikern im Deutschen Bundestag vertreten sein. Die als Direktkandidatin im Wahlkreis unterlegene SPD-Bewerberin Dr. Birgit Malecha-Nissen (55) zieht über die Landesliste ins Berliner Parlament ein.

Das stellte sich in der vergangenen Nacht nach Auszählung aller Landesstimmen heraus. Wegen des überproportional guten Abschneidens der Landes-SPD im Vergleich zu den Erststimmen darf die SPD neben den zwei direkt durchgesetzten Kandidaten Hans-Peter Bartels (Kiel) und Gabriele Hiller-Ohm (Lübeck) sieben weitere Abgeordnete nach Berlin entsenden. Unter ihnen auch die Bewerberin aus dem Wahlkreis 6.

Die SPD-Politikerin aus Passade bei Plön, hatte sich am Sonntag im Duell um das Direktmandat in Neumünster zwar knapp behaupten können, musste sich im Wahlkreis aber dem Mandatsinhaber Dr. Philipp-Murmann (CDU) geschlagen geben.

Von ihrem Mandatsgewinn über die Landesliste wurde Malecha-Nissen gestern Morgen selbst überrascht. Bis in die tiefe Nacht war unklar, ob sie den Sprung über die Landesliste (Platz 8) schaffen würde. „Gegen 1.30 Uhr bin ich schließlich eingeschlafen, gegen 2 Uhr stand wohl das Ergebnis fest“, amüsierte sich die Kandidatin gestern über ihren verschlafenen Wahlsieg. Gegen 6 Uhr morgens habe sie eine SMS aus Berlin erreicht: „Du bist drin!“

Für die neue Abgeordnete ging es nach kurzer Jubelfeier mit der Familie dann gestern ans Kofferpacken. Bereits heute Mittag ist in Berlin erste Fraktionssitzung. Spannende Frage sei jetzt, „wo ich mich einbringen kann“, sagte die studierte Geologin, die bislang vor allem im Plöner Kreistag gewirkt hat. Ihr politischer Schwerpunkt liegt im Bereich Energie und Energiewende. „Ich kann mir aber vorstellen, im Sektor Infrastruktur etwas zu bewegen“, sagte Malecha-Nissen. Sie werde versuchen, den Vertrauensvorschuss den ihr die Neumünsteraner am Sonntag eingeräumt haben, zu rechtfertigen.

Auch der Gewinner des Direktmandats im Wahlkreis 6, Dr. Philipp Murmann, packte gestern die Koffer für Berlin, um auf keinen Fall die erste Fraktionssitzung zu verpassen – trotz langer Wahlnacht. Angesichts seines historischen Wahlsiegs – erstmals war die CDU in Neumünster am Sonntag bei einer Bundestagswahl stärkste Partei geworden – gab sich Murmann gestern eher bescheiden. Der Wahlsieg sei vor allem auf eine langfristig kontinuierliche Arbeit der CDU auf Landes-, Bundes und kommunaler Ebene zurückzuführen, sagte Murnmann. „In der ausgefallenen Höhe vielleicht auch ein wenig auf die Schwäche der FDP“, schob er nach. Auf die Bundes-CDU sieht der Kieler Unternehmer jetzt ein hartes Stück Arbeit zukommen: Die Regierungsbildung wäre mit der FDP am leichtesten gewesen, jetzt stünden der Republik schwierige Verhandlungen bevor.

Seiner unterlegenen SPD-Konkurrentin, die jetzt dennoch in den Bundestag einzieht, bot Murmann eine parteiübergreifende Zusammenarbeit an: Das habe sich auch bisher schon bewährt, wenn es um die Interessen des Wahlkreises gehe, sagte Murmann.

Rückblick: Gleich zwei Abgeordnete aus dem Wahlkreis im Bundestag? Für den Wahlkreis 6 Neumünster/Plön ist das nichts Ungewöhnliches. Im Gegenteil: Bis zu vier Politiker gleichzeitig haben die Interessen der Plöner und Neumünsteraner schon in Berlin vertreten: 1994 rückte erstmals die damalige Grüne Angelika Beer über die Landesliste in den Bundestag ein, zeitgleich mit Jürgen Koppelin  (FDP, Landesliste), Horst Jungmann  (SPD, Landesliste) und Helmut Lamp (CDU), der damals das Direktmandat gewann.  Sechs Jahre später kam es nach zweijähriger Dreier-Konstellation erneut zum Quartett aus  Neumünster/Plön, wenn auch unter anderen Vorzeichen: Dr. Michael Bürsch (SPD) hatte Lamp zwischenzeitlich das Direktmandat abgenommen, und außer ihm saßen Koppelin und Beer im Bundestag. Dann zog Lamp 2000 als Nachrücker für den verstorbenen Gert Willner erneut in den Bundestag ein. Noch zwei weitere Male, von 2003 bis 2005 und 2007 bis 2009, stockte  Lamp die Berliner Präsenz des Wahlkreises 6 als Nachrücker auf drei Mann (mit Dr. Michael Bürsch und  Jürgen Koppelin) auf. Von 2009 bis zum Sonntag war der Wahlkreis allein durch Dr. Philipp Murmann vertreten; jetzt sind mit dem Wahlkreisgewinner und  Dr. Birgit Malecha-Nissen (SPD) wieder zwei Stimmen aus dem Wahlkreis dabei.


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