Stadtwerke Neumünster : Glasfaserausbau und interne Probleme: Millionen-Loch wuchs und wuchs

Nach einem schweren Jahr: Die SWN-Geschäftsführer Thomas Junker (links) und Timo Schmelzle.
Nach einem schweren Jahr: Die SWN-Geschäftsführer Thomas Junker (links) und Timo Schmelzle.

Die Stadtwerke Neumünster haben 2017 einen Verlust von 5,5 Millionen Euro eingefahren.

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01. Juni 2018, 08:00 Uhr

Neumünster | Die vorläufigen Zahlen für das Jahr 2017 waren alarmierend, am Ende kam es noch schlimmer: Die Stadtwerke Neumünster (SWN) schließen das vergangene Jahr mit einem Minus von 5,5 Millionen Euro ab. Am Mittwoch wurde der Aufsichtsrat, Donnerstag die Öffentlichkeit informiert. Der stadteigene Konzern reagiert mit einem umfassenden Umsteuerungsprozess.

Die Stadtwerke Neumünster sind einer der Vorreiter im Breitbandausbau in SH. Als einer der größten Flächenversorger brachten die SWN schnelles Internet auch in ländliche und unterversorgte Regionen.

Nach der öffentlichen Diskussion über den vorläufigen Wirtschaftsplan, der nach Stand vom September noch von einem Minus von 1,7 Millionen Euro ausging, mussten die beiden Geschäftsführer Thomas Junker und Timo Schmelzle am Donnerstag ein Ergebnis verkünden, das von Quartal zu Quartal düsterer wurde. Hauptproblemfelder sind die Bereiche Energieversorgung und Telekommunikation.

So musste die SWN-Geschäftsführung eingestehen, dass die lange geübte, aber riskante Praxis, Strom kurzfristig einzukaufen, um niedrige Preise nutzen zu können, 2017 nicht funktionierte. Die Preise stiegen und das Unternehmen war gezwungen, auch zu ungünstigen Konditionen Energie zu beziehen. Die Kosten stiegen gegenüber 2016 um 1,2 Millionen Euro. Junker: „Wir haben die Strategie geändert und werden jetzt mittel- bis langfristig einkaufen.“ Der Strombereich blieb insgesamt um 2,1 Millionen Euro hinter den Erwartungen zurück.

Interne Prozesse ließen Probleme im Trüben

Noch gravierender fällt das Defizit im Bereich der Telekommunikation aus. Einerseits trieb der Bauboom die Kosten für den Glasfaser-Ausbau erheblich in die Höhe. Zudem verzögerten sich Vorhaben aufgrund voller Auftragsbücher bei Baufirmen, so dass angepeilte Erlöse ausblieben. Junker bezeichnete dies als einen „Teufelskreis“, der zu einer Abweichung vom Plan in Höhe von 5,1 Millionen Euro führte.

Hätte man die Probleme nicht früher erkennen können? Die Geschäftsführer sagen: Nein. Und sie erklären dies mit erheblichen Defiziten in der internen Steuerung und Kommunikation. Schmelzle: „Unklare Prozesse, eine sparsame Dokumentation, Sonderregelungen, unterschiedliche Auffassungen von Verantwortlichkeiten und ein für heutige Verhältnisse unzureichendes Risikomanagement haben dazu geführt, dass das ganze Ausmaß der Misere nur scheibchenweise ans Licht kam und wir nicht früher gegensteuern konnten.“

Zusätzliche Baukosten von vier Millionen Euro beispielsweise seien im Februar erst bekannt geworden, weil sie in den kaufmännischen Systemen nicht aufgetaucht seien. Zwischenzeitlich wurden die Wirtschaftsprüfer von KPMG auf die Probleme angesetzt, Ergebnis: Die Unternehmenssteuerung wird geändert, ebenso das Controlling. Und: Die kaufmännische Leiterin wurde freigestellt, nachdem schon der Leiter Telekommunikation im Sommer gegangen war.

Neumünsters Oberbürgermeister Olaf Tauras und Aufsichtsratsmitglied Hauke Hahn bescheinigten der Geschäftsführung, sie habe über die Probleme zeitnah und transparent informiert.

Künftig wollen die Stadtwerke zur Umsatzsteigerung etwa neue Geschäftsfelder beackern, bei denen die Digitalisierung und die Dezentralisierung im Vordergrund stehen, und das Kraftwerk energieeffizient modernisieren. Dabei räumte die Geschäftsführung ein, dass der Umsteuerungsprozess einige Jahre in Anspruch nehmen werde.

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