Neues Gesetz : Giftige Styropor-Platten werden zum Problem

Thomas Rowald, Meister für Städtereinigung auf dem Recyclinghof in Wittorferfeld, zeigt ein Stück des belasteten Styropors. Da das Stück sehr klein und somit der Anteil des Giftes gering ist, kann er es ohne Handschuhe anfassen.
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Thomas Rowald, Meister für Städtereinigung auf dem Recyclinghof in Wittorferfeld, zeigt ein Stück des belasteten Styropors. Da das Stück sehr klein und somit der Anteil des Giftes gering ist, kann er es ohne Handschuhe anfassen.

Ein neues Gesetz verbietet dem Recyclinghof im SWN-Wertstoffzentrum in Wittorferfeld die Annahme.

shz.de von
28. September 2016, 08:00 Uhr

Neumünster | Ein neues Gesetz stellt Dachdecker, Zimmereibetriebe und Recyclinghöfe vor ein großes Problem: Ab Freitag, 30. September, werden keine Styropor-Dämmstoffe mehr angenommen, die einen bestimmten Grenzwert von giftigen Flammschutzmitteln überschreiten. Auch der Recyclinghof der Stadtwerke in Wittorferfeld nimmt dann bis auf Weiteres kein Material dieser Art mehr an: „Wir dürfen die belasteten Materialien weder selbst behandeln, noch in größeren Mengen lagern“, sagte Angelika Schiffer, Sprecherin vom SWN-Recyclinghof.

Bestimmten Dämmplatten aus Styropor wurde ein bestimmter Stoff als Flammschutzmittel zugesetzt, um ein schnelles Entzünden bei einem Brand zu verhindern. Dieser Stoff namens Hexabromcyclododecan (HBCD) wurde jetzt ab einer Konzentration von mehr als 0,1 Prozent im Dämmstoff als gefährlich eingestuft. Generell gilt er als hochgiftig, da er sich in der Umwelt nicht abbaut.

Bis vor zwei Jahren noch wurde den Styropor-Dämmplatten der giftige Stoff HBCD in einer Konzentration von 0,7 bis 1,5 Prozent zugesetzt. Der Gesetzgeber schreibt nun aber vor, dass Dämmmaterial, das mehr als 0,1 Prozent des Flammschutzmittels enthält, nur in entsprechend genehmigten Verbrennungsanlagen beseitigt werden darf. Die einzige Anlage in Schleswig-Holstein, die diese kontaminierten Platten noch annehmen kann, ist die Sonderabfall-Verbrennungsanlage in Brunsbüttel.

Nikolaus Schmidt, Pressesprecher der Stadtwerke, appelliert an die Politik: „Der Gesetzgeber hat diese Regelung geschaffen. Das ist eine gute Idee, aber sie ist nicht praktikabel. Es gibt nur eine Annahmestelle in ganz Schleswig-Holstein, das ist viel zu wenig. Jetzt sind die Behörden und die Verwaltung am Zug.“

Die Entsorgung des Dämmmaterials, das zum Beispiel bei Abrissarbeiten oder der Sanierung von Häusern anfällt, beschäftigt auch in Neumünster die Dachdecker. Für viele kommt der Beschluss, dass der Recyclinghof im SWN-Wertstoffzentrum die Styropor-Platten nicht annehmen darf, überraschend: „Für uns alle ist das neu und seltsam. Wir bauen im Moment an zwei großen Projekten und stehen nun vor dem Problem, wohin damit. Ich habe von dem Beschluss auch erst gestern vom Dachdecker-Innungs-Verband erfahren“, erklärte Sönke Wendt, Inhaber der Dachdeckerei Wendt.

Lars Thullesen ist selbstständiger Dachdeckermeister und macht sich Sorgen, wie er künftig den Baustoff entsorgen soll: „Brunsbüttel ist ja nun die einzige Möglichkeit. Im Moment kostet es um die 300 Euro, einen Kubikmeter von dem Dämmmaterial zu entsorgen. Die größte Frage für uns als Betrieb ist nun, für welchen Preis der Stoff zukünftig entsorgt werden kann und ob wir das Dämmmaterial selber lagern dürfen.“ Seinen Kunden rät er, die Styropor-Platten selber zwischenzulagern, bis ein geregeltes Entsorgen möglich ist und größere Bauvorhaben ins Frühjahr zu verschieben.

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