Kitastreik : Gewinner sind nicht in Sicht

Gemeinsam bis ins Rathaus: Viele Eltern und deren Kinder hatten sich dem Demonstrationszug der Erzieher durch die Innenstadt angeschlossen.
Gemeinsam bis ins Rathaus: Viele Eltern und deren Kinder hatten sich dem Demonstrationszug der Erzieher durch die Innenstadt angeschlossen.

400 Erzieher und Eltern gingen auf die Straße, um ihre Forderung nach mehr Wertschätzung der Arbeit zu unterstreichen

shz.de von
28. Mai 2015, 05:00 Uhr

Neumünster | Die Erzieher, Sozialarbeiter und Heilpädagogen in kommunalen Kindergärten wollen weiter unbefristet streiken. Das hatten ihre Delegierten auf der bundesweiten Konferenz vor einer Woche in Fulda entschieden. Auch Neumünsters Kitas bleiben fest in der Streikfront. Sie wollen den Streik so lange fortsetzen, bis ein für sie annehmbares Ergebnis von den öffentlichen Arbeitgebern vorliegt.

Gestern verliehen rund 400 Demonstranten, darunter viele Eltern, ihren Forderungen nach einer baldigen Lösung des Konfliktes auf einer Kundgebung auf dem Großflecken Ausdruck. Trommelnd und pfeifend zogen die Demonstranten am Vormittag vom Kiek In durch die Wittorfer Straße in Richtung Innenstadt. Auf Transparenten untermauerten sie ihre Forderung nach einer höheren Wertschätzung der Bildungsarbeit in den Kitas.

Jasper Lindemann war extra aus Kiel angereist, „um sich vor Ort ein Bild von der Lage“ zu machen. „Als zweifacher Vater weiß ich, was die Erzieher tagtäglich leisten. Ich wertschätze deren Arbeit sehr“, sagte der Kieler. Für ihn und seine Familie sei nach drei Wochen Streik aber auch ein Punkt erreicht, wo er langsam Klarheit brauche. „Es mangelt an Transparenz – und das auf beiden Seiten“, findet Lindemann.

Auf der Internetseite der Gewerkschaft Verdi hatte Lindemann tagelang nur Informationen zum Lokführer-Streik gefunden; deshalb wolle er sich jetzt direkt an die Gewerkschaftsvertreter wenden. „Für mich stellt sich die große Frage: Ist ein unbefristeter Streik das richtige Instrument?“, so der Familienvater nachdenklich. Prinzipiell habe ein Streik viel Potenzial. Das sei dieses Mal aber verschenkt worden, denn aus Elternsicht sei der Streik wie ein Hammer gekommen. „Die Eltern hätten mit ins Boot geholt werden müssen. So fühle ich mich ein bisschen instrumentalisiert. Momentan wird die Frustrationstoleranz von Eltern und Erziehern auf eine harte Probe gestellt. Gewinner sehe ich im Moment noch nicht“, sagte der Kieler.

Das sahen andere Teilnehmer der Demo anders. Für ihre von Kampfgeist geprägten Reden erhielten die Verdi-Fachbereichssekretärinnen Barbara Kammer und Annette Falkenberg von „ihrem“ Publikum große Zustimmung.

Nach der halbstündigen Kundgebung zogen die Menschen vors Rathaus. Hier hofften sie auf ein Gespräch mit Dr. Olaf Tauras in seiner Funktion als Vorsitzender des Kommunalen Arbeitgeberverbandes Schleswig-Holstein. Weil Tauras nicht im Haus war, marschierten die Demonstranten kurzerhand ins Rathaus, versammelten sich noch einmal laut pfeifend im Foyer und gingen dann geschlossen wieder zu ihrem Sammelpunkt ins Kiek In.

Heute gibt es die nächste Kundgebung in Hamburg. Verdi-Vertreter rechnen mit 3000 Streikenden aus ganz Norddeutschland.



zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen