Neumünster : Gewebte Frühlingsgefühle

Textile Blumenwiese: Beate von Harten (rechts) zeigt mit Tochter Cecilia eines ihrer Ausstellungsobjekte.
Textile Blumenwiese: Beate von Harten (rechts) zeigt mit Tochter Cecilia eines ihrer Ausstellungsobjekte.

Textilkünstlerin Beate von Harten eröffnete Ausstellung im Museum Tuch + Technik.

shz.de von
06. September 2018, 19:00 Uhr

Neumünster | Der Geruch der Wolle und das Klappern der Webstühle machte sie schon als Kind neugierig auf die Arbeit in den Webereien. Ein Praktikum in der Tuchfabrik von Julius Bartram weckte ihre Liebe zum Textilen. Heute hat die gebürtige Neumünsteranerin Beate von Harten ein eigenes Atelier in Wien. Gestern eröffnete die Textilkünstlerin ihre Ausstellung „Von Ost nach West und wieder zurück“ im Museum Tuch + Technik. Zu sehen sind vom Frühling inspirierte Teppiche, in denen sich östliche Knüpf- und westliche Tappisserie-Technik vereinen.

Das Herzstück der Ausstellung ist vermutlich „Chosrau’s spring reloaded“– ein Teppich, der wie eine Blumenwiese anmutet. Vom blassgrünen Grund erheben sich zarte Wollpflänzchen, in der Mitte prangt ein rot-grünes Schachbrett mit ebensolchen Spielsteinen. Inspiriert wurde Beate von Harten von der Legende vom persischen Großkönig Chosrau I. aus dem sechsten Jahrhundert. Dieser soll im Winter auf einem 1000 Quadratmeter großen Frühlingsteppich Schach gespielt haben. „In meiner freien künstlerischen Version taucht diese Idee des Teppichs als abgerissenes Fragment schwebend im All auf.“ Nach eigenen Angaben arbeiteten Beate von Harten und ihre Mitarbeiter 1000 Stunden und eine Nacht an dem Teppich.

Weiterhin sind einige Leinenteppiche, deren Farben von warmen Frühlingsgefühlen sind, ausgestellt. Einige davon hat Celina von Harten, die Tochter von Beate von Harten, gewebt. Sie arbeitet seit 2011 im Atelier ihrer Mutter. „Sie hat Struktur und Ordnung hereingebracht“, sagte Beate von Harten. Seitdem ist sie vor allem für das Weben mit Leinen verantwortlich. „Das kann sie besser als ich“, gab die Textilkünstlerin zu, die sichtlich stolz auf ihre Tochter ist.

Ihre Verbindung zu Neumünster hat die Wahl-Wienerin nie verloren. Immer wieder kam sie zurück in die Heimat. Museumsdirektorin Astrid Frevert kennt sie noch von früher. „Nun ist endlich eine Zusammenarbeit zustande gekommen“, so Frevert. Beide vereint ein Ziel: Sie möchten der Textilkunst ein Forum geben. Bis zum 14. Oktober sind die Werke ausgestellt.

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