zur Navigation springen

Polizeibericht : Gewalt gegen Polizei bleibt ein Problem

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Neumünsters Polizeichef leitet eine landesweite Arbeitsgruppe, die Abhilfe schaffen will.

von
erstellt am 23.Jan.2014 | 04:00 Uhr

Erst in der vergangenen Woche wurde eine Streife nachts zur Vicelinstraße gerufen, weil dort drei betrunkene Männer Autospiegel zertrümmerten. Als die Beamten die Personalien aufnehmen wollten, eskalierte die Situation: Einer der Männer ging mit einer erhobenen Glasflasche auf die Beamten los (der Courier berichtete). Diesmal wurde zwar keiner der Einsatzkräfte verletzt, doch 14 Polizisten aus Neumünster hatten im vergangenen Jahr nicht so viel Glück. Sie erlitten laut Pressesprecher Rainer Wetzel leichte Verletzungen. Im Jahr zuvor waren es sogar 24. Es sind die alltäglichen Einsätze im Streifendienst, die für Polizisten häufig zur Gefahr werden.

Insgesamt zählte die Neumünsteraner Polizei im vergangenen Jahr 85 Fälle, in denen entweder Widerstand geleistet wurde oder es zu Körperverletzungen, Beleidigungen oder Nötigungen den Beamten gegenüber kam. Ein Jahr zuvor waren es sogar noch 96 Taten.

„Der Respekt gegenüber der Polizei geht immer mehr verloren. Und das zieht sich durch alle Schichten“, erklärt Bernd Lohse, Leiter der Polizeidirektion Neumünster. Die Stadt liegt mit dieser traurigen Tendenz im landesweiten Trend. Über den leichten Rückgang der Fallzahlen 2013 in seinem Zuständigkeitsbereich mag sich der Polizeichef deshalb auch nur bedingt freuen. „Das zeigt jetzt nur einen kleinen Ausschnitt und muss über einen längeren Zeitraum betrachtet werden“, so Lohse. Noch 2012 verzeichnete Neumünster in einem bundesweiten Vergleich der Kreise und kreisfreien Städte statistisch gesehen die meisten Anzeigen wegen Widerstands gegen Polizisten.

Weil ihm die Sicherheit der Kollegen am Herzen liegt und er die über Jahrzehnte zunehmende Gewalt gegen die Beamten mit Sorge betrachtet, leitet Bernd Lohse seit April vergangenen Jahres eine landesweite Arbeitsgruppe zu diesem Problem. „Die Arbeitsgruppe ist ein Querschnitt aus Vertretern der Landespolizei und wird wissenschaftlich begleitet. Ziel ist es, die praktische Hilfe vor Ort zu verbessern“, erklärt der Polizeichef. Dabei wird zum Beispiel die Kommunikation im Einsatz ebenso untersucht wie der Umgang mit Alkoholisierten und psychisch Kranken, nennt Bernd Lohse Beispiele. Zum einen geht es der Arbeitsgruppe um die Frage, wie sich jeder Polizist selbst schützen kann. Zum anderen wird thematisiert, was Führungskräfte oder Externe wie Gerichte, Staatsanwaltschaften oder Ordnungsämter tun können, um die Polizisten zu unterstützen.

Bei ihrer Analyse konzentrierte sich die Arbeitsgruppe auf den sogenannten Einzeldienst. Der Grund: Eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen in Hannover hat gezeigt, dass 81 Prozent der Gewalt gegen die Beamten im Einzeldienst, also vor allem auf Streife, stattfinden. Das kann Bernd Lohse für Neumünster nur bestätigen: „Das ist die ganz normale Ruhestörung, bei der unter Alkoholeinfluss dann die Hemmschwelle sinkt“, sagt er als Beispiel.

Die genauen Ergebnisse der Studie werden laut Jürgen Börner vom Landespolizeiamt Anfang Februar vorgestellt.

 

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen