Neumünster : Getränkehändler auf dem Trockenen

Tobias Könecke muss aufgrund fehlender Getränkekisten das Leergut irgendwie zwischenlagern.
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Tobias Könecke muss aufgrund fehlender Getränkekisten das Leergut irgendwie zwischenlagern.

Abfüller und Brauereien können Neumünsters Handel zurzeit nicht im üblichen Umfang beliefern. Leergutkisten fehlen und zwingen zum Improvisieren.

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25. Juli 2018, 08:00 Uhr

Neumünster | Sommer und Sonne satt – das kurbelt auch in Neumünster den Verkauf von Getränken an. Hersteller, Abfüller, Logistiker sowie den Groß- und Einzelhandel stellt der gestiegene Verbrauch aber zunehmend vor Probleme und sorgt für Lieferengpässe.

„Es gibt Probleme bei Glaspfandflaschen“, sagt Solveig Hannemann, die Sprecherin der Handelsgesellschaft Bartels-Langness. Der Rücklauf des Leerguts gehe nicht schnell genug, das führe in ganz Norddeutschland zu Engpässen bei den Herstellern. Michael Jepp, der stellvertretende Marktleiter von Famila am Haart, bestätigt das aus seiner täglichen Erfahrung: „Die Logistiker berichten uns, dass sie bei den Abfüllern oder Brauereien bis zu acht Stunden auf die Ware warten.“

Andreas Glies, Regionsleiter Nord beim Getränke-Logistiker Trinks im Industriegebiet Süd, spricht von „hohen Standzeiten“ an den Rampen der Produzenten. Das koste Frachtkapazitäten, die durch den Mangel an Fahrpersonal ohnehin schon länger knapp seien.

Lars Fredrichsdorf ist Mitarbeiter im Famila-Getränkemarkt. Er nennt noch einen anderen Grund: „Es wird nicht mehr auf Vorrat produziert, weil die Lagerkosten zu hoch sind. Wir bekommen zurzeit nicht die Mengen, die wir bestellt haben.“

Die Edeka Handelsgesellschaft Nord an der Gadelander Straße bestätigt auf Anfrage, dass „derzeit aufgrund der aktuellen Wetterlage zeitweise Lieferverzögerungen bei Artikeln im Mehrweg-Sortiment“ zu beobachten seien. Auch beim Edeka-Händler Meyers Lebensmittel ist das Problem akut. Laut Tobias Thevs, stellvertretender Marktleiter an der Goethestraße, „schon seit Monaten“. Tobias Könecke leitet dort den Getränkemarkt und sagt: „Man sieht es. Wir haben nicht genug Leergutkisten und müssen improvisieren.“ Im Edeka-Markt werden die an der Pfandrückgabe einzeln abgelieferten Flaschen daher in allen möglichen Kisten und Behältern erst einmal zwischengelagert.

„So nehmen uns unsere Lieferanten das Leergut nicht ab“, sagt Thevs. Engpässe gebe es vor allem beim Bier und bei Mineralwasser, sagt Könecke. Thevs: „Die Abfüller haben kein Leergut, können deshalb nicht abfüllen und nicht liefern. Ein Teufelskreis.“ Die Kunden kauften auf Vorrat und gäben leere Kisten erst ab, wenn alle verbraucht seien. „Auch das spielt uns nicht in die Karten“, sagt Thevs und appelliert, Leergut am besten in vollständigen Kästen zügig abzugeben. Die Produktion neuer Flaschen sei wohl keine Lösung. Thevs: „Das dauert zu lange, und dann ist das Problem vielleicht schon behoben.“ Heißt: Das Wetter ist wieder durchwachsen, der Konsum normal.

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