Türkei-Wahl : Geteilte Meinungen nach AKP-Sieg in der Türkei

Schlagzeilen pro und contra Erdogan: Tufan Kirolgu, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde, zeigt die Hürriyet (links), die mit „1. November-Überraschung“ titelt, und die TC Sözcü mit dem vierzeiligen Titel „Terror steigt, Devisenkurse steigen, die Wahlstimmen steigen, der Sultan ist weiter“. Kiroglu selbst zweifelt, ob die Wahlen demokratisch waren.
Schlagzeilen pro und contra Erdogan: Tufan Kirolgu, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde, zeigt die Hürriyet (links), die mit „1. November-Überraschung“ titelt, und die TC Sözcü mit dem vierzeiligen Titel „Terror steigt, Devisenkurse steigen, die Wahlstimmen steigen, der Sultan ist weiter“. Kiroglu selbst zweifelt, ob die Wahlen demokratisch waren.

Die Parlamentswahlen in der Türkei werden auch in Neumünster heiß diskutiert / Während die einen von Manipulationsprechen, begrüßen andere die „stabilen Verhältnisse“

shz.de von
03. November 2015, 08:45 Uhr

Es ist das Gesprächsthema und wird in der türkisch-islamischen Gemeinschaft heftig diskutiert: Der Sieg der Regierungspartei AKP des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan wird von türkischstämmigen Neumünsteranern verschieden bewertet. Manche zweifeln an der Rechtmäßigkeit der Wahlen, andere sehen die Türkei politisch stabilisiert.

„Wenn die Wahlen demokratisch waren, müssen wir das Ergebnis akzeptieren, ob es uns gefällt oder nicht“, sagt Tufan Kiroglu, Vorsitzender der türkischen Gemeinde Neumünster. Doch er habe Zweifel, ob das demokratisch ist: „Erdogans Partei wird keinen Gegner haben, das macht uns Sorgen. Es werden Menschenrechte mit Füßen getreten. Die Zeitungen müssen frei berichten können, das können sie nicht“, spielt er auf die Zwangsenteignung des regierungskritischen Medienkonzern Koza Ipek an.

Fazli Tuncer, Vorsitzender des Vereins der Fatih-Moschee an der Friedrichstraße, betont: „Ich freue mich, dass die Wahl im Großen und Ganzen friedlich über die Bühne gegangen ist.“ Sein Eindruck: „Das Klima ist in der Türkei toleranter als früher, das Land ist auf einem guten Weg. Wichtig ist, dass sich Erdogan an die Verfassung hält.“

„Mit Koalitionen hat es in der Türkei bisher immer schlecht geklappt. Dass jetzt die AKP regiert, stabilisiert das Land, ausländische Investoren haben jetzt mehr Sicherheit“, sagt Mehmet Adalya, Vorsitzender des Ulu-Ditib-Moscheevereins. Wichtig sei, dass Minderheiten im Parlament vertreten seien, sagt Ibrahim Ortacer vom Forum der Vielfalt. Er ist zufrieden mit der Wahlbeteiligung.

Bei der Alevitischen Gemeinde herrscht zwar Freude darüber, dass die als pro-kurdisch eingestufte Partei HDP die Zehn-Prozent-Hürde geschafft hat. Aber Erdal Öztürk (47) vom Vorstand und sein Sohn Özgür (22) sprechen von Wahlmanipulation, schätzen die Wahlbeteiligung von 87 Prozent als unrealistisch ein. Sie sprechen von TV-Sendern, bei denen die Polizei einmarschiert ist: „Die Demokratie kann man vergessen“, sagt Öztürk. Hassan Horata vom alevitischen Landesverband berichtet von der Beschlagnahme einer Druckerei durch die AKP, bei der manuipulierte Ja-Stimmzettel säckeweise untergeschoben worden sein sollen und zitiert die „Welt“-Schlagzeile: „Man kann Erdogan nicht gratulieren. Ein schwarzer Tag für die Türkei.“

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