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Sozialausschuss : Gesundheitsamt seit Jahren unterbesetzt

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Abteilung für Amtsärztliche Leistungen und Infektionsschutz ist personell seit Jahren unterbesetzt. Neue Stellen sollen Abhilfe schaffen

Neumünster | Das Gesundheitsamt am Meßtorffweg ist nicht nur eines der kleinsten in der Republik. Es ist offenbar so klein und unterbesetzt, dass gesetzliche Pflichtaufgaben wie der umweltbezogene Gesundheitsschutz oder der Infektionsschutz nur eingeschränkt geleistet werden können. Das brachte am Mittwoch die Große Anfrage des Bündnisses für Bürger im Sozial- und Gesundheitsausschuss an den Tag.

„Die Abteilung Amtsärztliche Leistungen, Infektionsschutz und Umweltbezogener Gesundheitsschutz ... ist – verstärkt seit 2015 – personell immer wieder unterbesetzt“, heißt es in der Antwort der Verwaltung. Stellen seien teilweise über einen längeren Zeitraum unbesetzt geblieben.

Als Gründe werden eine „hohe Personalfluktuation“ und „längere krankheitsbedingte Ausfälle“ genannt. Wegen der angespannten Situation am Arbeitsmarkt hätten „Planstellen teilweise nur mit großen Verzögerungen wieder besetzt werden“ können.

Obwohl Ressourcen gebündelt und Abläufe gestrafft wurden, seien die kontinuierlich zunehmenden Aufgaben „seit etwa 2007 nicht mehr aufzufangen“, heißt es. Nach einer Risikoabwägung habe der Fachdienst Gesundheit Aufgabenbereiche ausgewählt, die „nicht mehr oder in vollem Umfang bearbeitet werden“. Genannt werden die umweltmedizinische Beratung, auch die zum Immissionsschutz, wo an geeignete Beratungsstellen verwiesen werde. Regel- und Grippeschutzimpfungen würden von niedergelassenen Kinder- und Hausärzten wahrgenommen. Die Überwachung von frei verkäuflichen Arzneimitteln und Chemikalien erfolge lediglich anlassbezogen. Krankenhäuser, Pflegeeinrichtunegn und Arztpraxen mit ambulantem Operieren würden zu 100 Prozent überwacht. Bei Nagel- oder Tattoostudios und dem Frisörhandwerk seien lediglich anlassbezogene Prüfungen möglich.

Die Stadt versucht, mit finanziellen Anreizen, attraktiven Arbeitszeitmodellen wie Telearbeit gegenzusteuern und bildet Hygienekontrolleure inzwischen selbst aus. Für den SPD-Fraktionsvorsitzenden Volker Andresen steht fest: „Es fehlen nicht nur die Bewerber, es fehlen auch Stellen, um die Aufgaben wahrzunehmen.“

Stadtrat Carsten Hillgruber verwies auf eine inzwischen erfolgte Organisations-Untersuchung zur Ermittlung des Personalbedarfs. Das Ergebnis sind zwei Personalstellen, die neu geschaffen werden müssten. Der Personalrat begrüßte gestern auf Nachfrage, dass diese neuen Stellen geschaffen werden sollen. „Die hohe Belastung der Mitarbeiter war nicht zu übersehen“, sagte der stellvertretende Personalratsvorsitzende Georg Müller.

Obwohl das bei einer Anfrage eigentlich nicht zulässig ist, gab es im Sozial- und Gesundheitsausschuss noch ein Votum, das eher ein Stimmungsbild oder eine Empfehlung ist. Mit sechs Ja-Stimmen von SPD, Grünen und BFB und Enthaltung bei CDU und FDP begrüßte der Sozial- und Gesundheitsausschuss die angekündigte Personalaufstockung.

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erstellt am 07.Jul.2017 | 08:10 Uhr

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