zur Navigation springen
Holsteinischer Courier

22. Oktober 2017 | 08:48 Uhr

Lokführerstreik : Gestrandet in Neumünster

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Vor allem Fernreisende wurden vom Ausstand der GDL-Lokführer überrascht und saßen am Bahnhof fest. Pendler wichen auf Busse oder den eigenen Pkw aus

von
erstellt am 16.Okt.2014 | 05:00 Uhr

Neumünster | „Zug fällt aus +++ Streikauswirkungen +++ Zug fällt aus“. Der bange Blick vieler Bahnreisender galt gestern der Anzeigetafel im Bahnhofstunnel zu den Gleisen. Zwar hatten die GDL-Lokführer ihren bundesweiten Ausstand erst für 14 Uhr angesetzt, doch schon vorher fielen etliche Verbindungen aus.

Die Berufspendler hatten sich zumeist auf den Streik eingestellt. Sie nutzten frühe Verbindungen oder waren gleich auf den eigenen Pkw umgestiegen. Leidtragende waren vor allem Fernreisende. Trotz der Lautsprecherdurchsagen und der Aushänge wurden viele vom Streik überrascht und strandeten in Neumünster.

Um kurz vor 13 Uhr war beispielsweise Schluss für Thomas Dyrhøj. Der 14-jährige Däne wollte aus Flensburg kommend in Neumünster umsteigen, doch der Zug in Richtung Hamburg fuhr schon nicht mehr.

In der Gegenrichtung erwischte es Kristina Bonjet (23) und Lene Sørensen (24). Ihre Odyssee hatte am Morgen um 8.20 Uhr in Berlin begonnen. „Plötzlich war alles annulliert. Wir sind über Hamburg nach Neumünster gefahren. Hier geht jetzt gar nichts mehr“, sagte Kristina Bonjet. Vom Reisezentrum der Bahn aus riefen die beiden jungen Frauen per Handy Hilfe aus Odense auf Fünen: „Mein Stiefvater ist schon unterwegs mit dem Auto, um uns abzuholen“, sagte Kristina Bonjet. Ihre Freundin Lene nahm’s gelassen: „Das ist heute schon ein bisschen chaotisch.“

Edeltraud und Achim von Ahn erwischten den letzten regulären Regionalexpress aus Hamburg. Er hielt um 13.16 Uhr in Neumünster und fuhr zwar noch weiter nach Kiel, doch gen Norden ging es für die beiden Flensburger nicht weiter. „Wir kommen von Mallorca und hatten keine Ahnung, dass gestreikt wird. Sonst hätte ich mich nicht freiwillig in die Bahn gesetzt“, sagte Edeltraud von Ahn.

Im Reisezentrum der Bahn bekam ihr Mann die Auskunft: „Fahren Sie mit dem Bus nach Kiel und warten Sie dort. Eventuell gibt es eine Busverbindung nach Flensburg.“ Doch das war den beiden Flensburgern zu vage. „Wir nehmen ein Taxi“, sagte Achim von Ahn.

„Schon morgens waren die Züge leer. Die Pendler wussten Bescheid, haben sich auf den Streik eingestellt und fuhren mit dem Kilius-Bus, der AKN oder stiegen gleich in Fahrgemeinschaften aufs Auto um“, sagte Gunter Philipp. Der Tungendorfer pendelt täglich zur Arbeit nach Pinneberg und war sauer auf die Lokführer. Die ungeplant frühe Heimfahrt mit der letzten Regionalbahn um 13.04 Uhr geht zu Lasten seines Arbeitszeitkontos.

Glück hatte dagegen Jonah Vollmeier aus Hohenwestedt. „Ich will nach Frankfurt, der ICE 1173 nach Karlsruhe um 17.30 Uhr fährt völlig überraschend planmäßig“, sagte er. Das hatte er im Internet geprüft und konnte daher ganz gelassen bei einem Kaffee in der Bahnhofsmission auf den Zug warten. Für die streikenden Lokführer hat er Verständnis: „Die werden so schlecht von der Bahn bezahlt, dass ein Streik mal nötig ist“, sagte Vollmeier.

Peter Ohlsen und seine Kollegen in der Bahnhofsmission erlebten einen relativ ruhigen Tag. Trotz oder gerade wegen des Streiks blieb es relativ ruhig, denn der Bahnhof war ja die meiste Zeit verwaist. „Wir helfen weiter, es gibt ein heißes Getränk, und bei Bedarf vermitteln wir Reisende auch weiter an Bus oder Taxi“, sagte Ohlsen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen