Piratin sagt im Rocker-Prozess aus : Gespräche über "Club 88" heimlich aufgezeichnet?

'Ich fühle mich in meinen Persönlichkeitsrechten verletzt', sagt Angelika Beer (Piraten).
"Ich fühle mich in meinen Persönlichkeitsrechten verletzt", sagt Angelika Beer (Piraten).

Angelika Beer (Piraten) sagte im Prozess gegen einen Neonazi und Rocker aus. Der Mann soll illegal Gespräche aufgezeichnet und ins Internet gestellt haben.

shz.de von
15. September 2012, 02:27 Uhr

Neumünster | Es geht um drei Gespräche, die heimlich aufgezeichnet und ins Internet gestellt wurden: Seit Ende August wird in dieser Sache vor dem Amtsgericht verhandelt (der Courier berichtete). Verantworten muss sich dort der Neonazi Alexander H. (32), der auch Mitglied der mittlerweile verbotenen Rockergruppe "Bandidos Neumünster" war.
Eins der Opfer, die sich nach Begegnungen mit dem Mann im Sommer und Herbst vergangenen Jahres plötzlich unter anderem bei Facebook oder Youtube im Internet wiederfanden, ist die Piraten-Politikerin Angelika Beer. Gestern sagte die Landtagsabgeordnete als Zeugin aus. Sie beschrieb, wie sie am 25. Oktober 2011 aus einem Laden an der Holstenstraße trat, als plötzlich ein Mann "mit Baseballmütze und Kutte ohne Aufdruck" aus einem Hauseingang auf sie zukam und ein Gespräch zum Thema des umstrittenen Neonazitreffs "Club 88" suchte.
Anwalt will Mark Zuckerberg als Zeugen
"Im Wahlkampf ist man freundlich", erzählte Angelika Beer, der der Mann damals schnell "nicht koscher" vorkam. Sie wechselte ein paar Sätze mit dem Passanten, den sie vor Gericht als Alexander H. wiedererkannte. Später machten Bekannte sie auf einen Mitschnitt aufmerksam, der im Internet kursierte. Eine erste Version, die mittlerweile aus dem Netz verschwunden zu sein scheint, soll mit einem beleidigenden Vorspann versehen gewesen sein. "Ich habe mich wahnsinnig geärgert und Strafantrag gestellt. Ich fühle mich in meinen Persönlichkeitsrechten verletzt", so Angelika Beer. Ein Aufnahmegerät hatte sie bei der Begegnung nicht gesehen. "Aber er hatte immer die Hände in den Taschen", erinnerte sie sich.
Einem weiteren Zeugen erging es da anders: Der Polizist war bei einem Einsatz vor dem "Club 88" mit einem Camcorder recht offen vom Angeklagten gefilmt worden. Wenig später tauchte die Aufnahme in Internet auf.
Auch am Donnerstag war die Verhandlung geprägt von Wortgefechten zwischen Richterin und Staatsanwalt auf der einen und dem Verteidiger auf der anderen Seite. Immer wieder beanstandete der Anwalt Fragen. Er beantragte unter anderem, den Gründer des sozialen Netzwerks Facebook, Mark Zuckerberg, als Zeugen zu hören. Der Kalifornier könne Details zu Einstellungen bekunden. Der Anwalt argumentiert, dass jemand zu Lasten seines Mandanten eine gefälschte Seite, auch "Fake-Account" genannt, erstellt haben könnte. Das Gericht nahm die Anträge erst einmal zur Kenntnis. Der Prozess wird fortgesetzt.

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