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Vortrag über Walter Erben : Geschichten ohne Worte

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Monika Krebs präsentierte „Neumünster in Schwarz-Weiß“ mit Fotos von Walter Erben.

shz.de von
erstellt am 26.Nov.2015 | 18:24 Uhr

Neumünster | „Wir leben in einer digitalen Bilderflut“, konstatierte Monika Krebs zu Beginn ihres Vortrags. Am Mittwoch präsentierte die Journalistin einen Querschnitt der Schwarz-Weiß-Fotografien von Walter Erben vor 60 Besuchern im Museum Tuch + Technik.

„Walter Erben hat seine Motive zeitlebens auf ein Minimum reduziert“, erläuterte Monika Krebs anhand eines Fotos. Darauf abgelichtet: der Ausschnitt eines Herrenmantels, in dessen oberer Tasche die erste Ausgabe des Couriers nach dem Krieg steckte, gut erkennbar am Datum. „Dieses Foto hat bis heute nichts von seiner Intensität eingebüßt“, sagte Monika Krebs. An einer derart klaren Aussage würden heute ganze Teams von Werbeleuten arbeiten, sagte Monika Krebs.

„Walter Erben besaß das große Talent, seine Umgebung sensibel wahrzunehmen und im richtigen Moment abzudrücken“, beschrieb Monika Krebs. „Er konnte sehr gut mit Menschen umgehen. Für die Stimmung eines Fotos ist das von großer Bedeutung“, sagte sie und zeigte Beispiele. Unbeeindruckt spielen Jungs auf einem Trümmerfeld, Frauen lassen sich beim Kaffeeklatsch nicht stören, und Schauspieler Heinz Reincke lässt Erben sogar in die elterliche Küche.

Das Ergebnis: Bilder, prall gefüllt mit Leben und mit Geschichten in den Köpfen der Betrachter. „Walter Erben liebte ungewöhnliche Perspektiven. Der Bildaufbau war dabei nie zufällig“, erklärte Monika Krebs anhand von Panoramafotos über Neumünster. Im Mittelpunkt befindet sich „das Herz der Stadt“, das Bahngelände, im Hintergrund Kirchtürme und rauchende Schornsteine. „Mit einem einzigen Foto hat Walter Erben das eingefangen, was Neumünster ausmachte: Verkehr und Industrie“, sagte sie.

Die Besucher waren zu diesem Zeitpunkt längst gefesselt. Wiedererkanntes wurde mit dem Nachbarn ausgetauscht, Sportfotos fachmännisch kommentiert, und bei den „Misswahl-Fotos“ erinnerte man sich an die guten, alten Zeiten. Zwei Stunden dauerte der Vortrag, die Gäste konnten nicht genug bekommen. Als der Beamer erlosch, scharrten sie sich um die Referentin. „Diese Fotos schaffen Identität“, sagte Thorsten Kehl vom Veranstalter, der Volkshochschule. Es sei, als entdecke man seine Stadt ganz neu.

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