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Holsteinischer Courier

13. Dezember 2017 | 05:11 Uhr

Brügge : Geschichten kann man nicht wegnehmen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ab heute werden in der Brügger Kirche arabische und deutsche Märchen gespielt. Sechs Flüchtlinge engagieren sich als Schauspieler.

shz.de von
erstellt am 03.Dez.2015 | 17:14 Uhr

Brügge | „Abendland, Morgenland – Fakten und Märchen“: Unter diesem Titel wird in den kommenden drei Tagen in der Brügger Kirche sowohl auf Deutsch als auch in arabischer Sprache Theater gespielt. Denn zum 30-köpfigen Ensemble gehören erstmals auch sechs Asylbewerber, die in Brügge ihre erste Heimstatt in Deutschland gefunden haben.

Die Idee zu diesem interkulturellen Projekt hatten der Brügger Pastor Henry Koop und die Schauspielerin Birgit Bockmann, die auch die Regie für die Aufführungen übernahm. „Wir wollten etwas machen, das das Unterhaltsame mit dem Informativen verknüpft. Auf die Märchen sind wir gekommen, weil diese auf der ganzen Welt erzählt werden. Sie sind tief verwurzelte Kulturträger. Und vor allen Dingen gehören Geschichten zu den Dingen, die man auch einem Menschen, der ansonsten ohne Hab und Gut aus der Heimat flüchten muss, nicht nehmen kann“, erklärte
Koop.

„Und vor dem aktuellen Hintergrund bekommen solche bekannten Sätze wie ‚Etwas Besseres als den Tod findest du überall‘ aus den Bremer Stadtmusikanten natürlich eine ganz andere Bedeutung“, führte er weiter aus. Aufgeführt werden, neben dem Grimmschen Märchen von der Flucht von Esel, Hund, Katze und Hahn, „Kalif Storch“ sowie die arabischen Märchen „Prinzessin Sharifa“ und „Der Sumur-Anka“. Dazu entwickelte Birgit Bockmann eine amüsant-satirische Rahmenhandlung, bei der ein Kulturverein einen Kennenlern-Abend organisiert, in dessen Verlauf zahlreiche Fakten, unter anderem über die Reisewege und den Unterhalt der Flüchtlinge vermittelt werden. Zu Wort werden jedoch auch die Asylbewerber selbst kommen.

„Man muss sich einmal vorstellen, wie weit es von Eritrea bis nach Brügge ist. Das sind mehr als 6000 Kilometer, die die Flüchtlinge größtenteils zu Fuß zurücklegt, haben“, gab Heiner Volkers dazu als Beispiel. Volkers, der als ehemaliger Lehrer im Bordesholmer Freundeskreis für Flüchtlingshilfe Deutschkurse gibt, hatte die Gruppe der „Schüler“ für das Theaterspielen begeistert. „Das war nicht schwer. Denn sie sind sehr interessiert an Kontakten hier vor Ort“, berichtete er.

Seit Oktober wurde fleißig geprobt. Dabei geht es unter den Mitwirkenden munter zwischen Deutsch, Englisch und Arabisch hin und her. „Es ist total spannend. Man bekommt einen ganz anderen Zugang, weil sich innerhalb der Proben natürlich viele Gespräche ergeben und wir großen Spaß miteinander haben“, erklärte die Regisseurin.

„Damit die Akteure in ihrer Person sichtbar bleiben, haben wir bewusst auf eine große Kostümierung verzichtet. Einige Requisiten werden jedoch dazu beitragen, die Rollen verständlich zu machen. Außerdem wird ein Sprecher die arabischen Märchen für das Publikum auf Deutsch zusammenfassen“, erläuterte Bockmann.

Ihre Freude daran, etwas von ihrer Kultur zu zeigen, war Waleed Al-Kaladi (33), Ibrahim Mohammed (20), Ahmed Mokhtar (39) sowie der jungen Mutter Tarfah Al-Fadhli (29) und ihren sechsjährigen Sohn Achmed, die aus dem Jemen, stammen sowie Ivan Farag (23) und Jamil Aldachi (31) aus dem Irak ganz offensichtlich anzusehen. „Es ist so vieles neu für uns. Deshalb ist es ein gutes Gefühl, einmal etwas uns Vertrautes erzählen zu können und den Menschen damit zu zeigen, wer wir sind“, hieß es aus ihrem Kreis.

Die Aufführungen finden heute um 19 Uhr („Die Bremer Stadtmusikanten“ und „Prinzessin Sharifa“) sowie am Sonnabend, 5. Dezember, um 17 Uhr („Der Sumur-Anka“ und „Prinzessin Sharifa“) und am Sonntag, 6. Dezember, ebenfalls ab 17 Uhr („Kalif Storch“ und „Prinzessin Sharifa“) statt. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

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