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Wirtschaftsagentur : Geschäftsführer Schwartze muss gehen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Aufsichtsrat gibt nach Sondersitzung Trennung vom Geschäftsführer Guido Schwartze bekannt. Bernd Michaelis soll bis zur Nachfolgeregelung einspringen

Die Mitteilung des Aufsichtsrats (AR) der Wirtschaftsagentur besteht nur aus drei Sätzen: Das Kontrollgremium hat auf einer außerordentlichen Sitzung am Mittwochabend beschlossen, sich vom Geschäftsführer Guido Schwartze zu trennen. Bis ein Nachfolger gefunden sei, werde Bernd Michaelis die Wirtschaftsagentur leiten. Der ehemalige Stadtwerke-Chef habe seine Arbeit bereits aufgenommen.

„Die Gründe für die Trennung liegen in der kaufmännischen Geschäftsführung“, erklärte Sparkassen-Vorstand Martin Deertz als Aufsichtsratsvorsitzender auf Nachfrage. Nach Courier-Informationen soll Schwartze, dessen Fünf-Jahres-Vertrag bis zum Jahr 2015 datiert ist, die ordentliche Kündigung ausgesprochen worden sein. Er soll freigestellt sein und auch keine Abfindung erhalten. „Kein Kommentar. Ich möchte dazu nichts sagen“, erklärte Schwartze dazu gestern beim Feierabendgespräch des Unternehmensverbands.

Man habe im Aufsichtsrat entschieden, „nicht groß über die Gründe zu reden, sondern in die Zukunft zu schauen“, sagte Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras auf Nachfrage. Zum Schutz aller Beteiligten sei das „das richtige Verfahren“. Wichtig sei jetzt ein Neuanfang. Tauras war selbst von 2002 bis zu seiner Wahl zum Oberbürgermeister 2009 Chef der Wirtschaftsagentur, danach Aufsichtsratsvorsitzender. Der OB gehört erst seit Ende August wieder dem Aufsichtsrat an und nahm auch an der entscheidenden Sitzung teil.

Er sei froh, dass man mit Bernd Michaelis einen sehr erfahrenen Manager als Interims-Geschäftsführer gefunden habe, sagte Tauras. Michaelis war schon im August vom Aufsichtsrat als künftiger zweiter Geschäftsführer für die kaufmännischen Belange der Wirtschaftsagentur benannt worden und wurde am Mittwoch offiziell bestellt. Als Grund nannte Aufsichtsrats-Chef Deertz seinerzeit die „schwierige finanzielle Situation der Wirtschaftsagentur“ (der Courier berichtete).

Das dürfte auch ein Grund für die Trennung von Schwartze sein. Nach Courier-Informationen soll die Bilanz der Wirtschaftsagentur für 2012 ein außerplanmäßiges Defizit im hohen fünfstelligen Bereich haben, das Schwartze nicht zufriedenstellend erklären kann. Auch aus diesem Grund hat der AR den Geschäftsführer auch noch nicht entlastet. Schon vor einem Jahr kam es über das abgelehnte Tourismuskonzept der Wirtschaftsagentur zu einem Zerwürfnis zwischen Schwartze und dem AR-Chef – damals noch OB Tauras. Die Diskussion um die Außenwirkung der Wirtschaftsagentur wurde auch von Vorwürfen um das Anzeigenblatt und die Dachmarke „Vielfach Neumünster“ befeuert. Dabei habe Schwartze rechtlich richtig gehandelt und die Interessen der Stadt und der Wirtschaftsagentur gut vertreten, betonte AR-Chef Deertz damals.

„Dass es ein Spannungsfeld zwischen Schwartze und dem Aufsichtsrat gab, ist allgemein bekannt“, sagte SPD-Fraktionschef Uwe Döring auf Courier-Anfrage. Zu Gerüchten wolle er sich nicht äußern. Döring: „Wenn es zwischen Geschäftsführer und Aufsichtsrat nicht passt, ist es richtig, sich zu trennen.“ Der Vorstoß der SPD, die WA auf den Prüfstand zu stellen, und der Ratsbeschluss dazu kämen „zufälligerweise zum richtigen Zeitpunkt“. Nach Ansicht der CDU-Fraktionsvorsitzenden Babett Schwede-Oldehus hat Schwartze eine „sehr gute Arbeit gemacht und viele positive Akzente gesetzt. Aber der Aufsichtsrat wird die gravierende Entscheidung abgewogen haben.“ Das müsse man akzeptieren.

Historie: Die 2002 gegründete Wirtschaftsagentur (WA) ist ein Gemeinschaftsunternehmen zur Wirtschaftsförderung von Stadt und hiesigen Unternehmen. Die Stadt hält 55 Prozent der Anteile; je 9 Prozent und einen Aufsichtsratssitz haben die IHK, Edeka-Nord, die Stadtwerke, Voigt-Logistik und die Sparkasse Südholstein. Erster Geschäftsführer war Dr. Olaf Tauras, der 2009 zum Oberbürgermeister gewählt wurde und dann in den Aufsichtsrat wechselte. Nachfolger als WA-Geschäftsführer war Dr. Jürgen Albers, der aber nach nur 84 Tagen im März 2010 gefeuert wurde; Hintergrund waren „inhaltliche Differenzen über die Ausrichtung der Wirtschaftsagentur“. Schon damals sprang Stadtwerke-Chef Bernd Michaelis kurz als Geschäftsführer ein. Zum 1. Juli 2010 wurde Diplom-Kaufmann Guido Schwartze berufen, den Tauras damals als „versierten Fachmann und Netzwerker“ lobte.

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erstellt am 27.Sep.2013 | 05:00 Uhr

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