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Gericht : Geschäfte mit falschen Tüv-Plaketten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Fälscherbande versorgte Autofahrer mit nachgemachten Papieren. Geständiger Neumünsteraner belastet auch die Kunden.

Neumünster | Eine Fälscherbande hat Autofahrer aus dem Raum Neumünster und Kiel offenbar über Monate mit gefälschten Tüv-Papieren und Plaketten versorgt. Ein 40-jähriger Neumünsteraner wurde dafür gestern vom Amtsgericht an der Boostedter Straße zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Ein Mitangeklagter war nicht erschienen, er soll jetzt zwangsweise vorgeführt werden. Gegen weitere Beteiligte wird gesondert ermittelt. Auch betroffene Autofahrer, die den „Tüv-Service“ in Anspruch genommen haben, müssen sich jetzt auf unangenehme Fragen gefasst machen.

Für den angeklagten Neumünsteraner ging die Verhandlung dagegen vergleichsweise günstig aus. Er zeigte sich von Beginn an voll geständig. „Alles hat sich so zugetragen“, sagte er, nachdem der Staatsanwalt die lange Anklageliste verlesen hatte. Zwischen Juli und November 2012 hatte er mit wechselnden Mittätern insgesamt in neun Fällen gefälschte Papiere und Prüfplaketten vermittelt, um damit eine bestandene Hauptuntersuchung für das betreffende Auto vorzutäuschen.

Wie im Laufe der Verhandlung klar wurde, war der Neumünsteraner dabei offenbar für die Kunden-Akquise zuständig. Der gelernte Fernmeldehandwerker holte entweder Papiere und Wagen oder auch nur Papiere und Nummernschilder zur „Tüv-Prüfung“ bei den Kunden ab und brachte sie zu einem Kieler Profi-Fälscher, den er „aus früheren Jahren“ kannte, wie er dem Gericht erklärte. Der Kieler gab die Fahrzeug- und Halterdaten in seinem Computer ein und produzierte damit täuschend echt wirkende Papiere. Die dazugehörigen Prüfplaketten schnitt er dem Angeklagten zufolge aus farbiger Folie aus und bedruckte sie anschließend mit den entsprechenden Daten. Pro Auftrag kassierte der Angeklagte bei seinen Kunden 150 Euro „Gebühr“, jeweils 100 Euro gab er an den Fälscher weiter.

Schwachstelle der Fälschereien waren offensichtlich die Folienplaketten. Bei einer Polizeikontrolle eines betroffenen Wagens staunten die Beamten über die starke Verwitterung und das Verbleichen der Plakette am Kennzeichen. Die Polizisten wurden stutzig, die Fälschung flog auf, die Kripo ermittelte.

Neue Kunden für den „Tüv-Service“ zu finden, fiel offenbar nicht schwer. Es habe im Bekanntenkreis immer wieder mal Gespräche über den Tüv und nicht mehr ganz so junge Autos gegeben, sagte der Angeklagte. Dann habe er angedeutet, dass sich da was machen ließe.

Sichtlich bemüht, reinen Tisch zu machen, schonte der Neumünsteraner vor Gericht auch die „Kunden“ nicht: „Egal, ob wir die Wagen oder nur die Kennzeichen zur Prüfung abgeholt haben, die wussten alle Bescheid!“

Trotz zahlreicher einschlägiger Vorstrafen will der Angeklagte jetzt angeblich seinem Leben einen neuen Dreh geben. „Ich hab damit abgeschlossen“, versicherte er dem Gericht und verwies auf einen schweren Unfall, der ihn drei Monate ans Krankenbett fesselte: „Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken.“

Trotz des glaubhaften Sinneswandels und des umfassenden Geständnisses, wollte das Gericht nur bedingt Milde walten lassen. Der Angeklagte sei keineswegs nur ein kleiner Bote gewesen, sondern habe aktiv Kunden für das illegale Treiben geworben, waren sich Richter und Staatsanwalt einig.

Neben der Bewährungsstrafe brummte das Gericht dem arbeitslosen Mann noch eine Zahlung von 1000 Euro auf, die er in monatlichen Raten zu 30 Euro abstottern darf.

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erstellt am 06.Aug.2014 | 06:00 Uhr

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