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Holsteinischer Courier

15. Dezember 2017 | 19:05 Uhr

Rathaustürmchen : Gerüst steht sechs Monate

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Prüfstatiker prüft weiter die Stabilität der Konstruktion. Bei der Stadt hat man keine Eile.

von
erstellt am 31.Aug.2014 | 12:30 Uhr

Neumünster | Kinder können im Alter von sechs Monaten die ersten Zähnchen bekommen. Das Rathaustürmchen hat sich hingegen seit einem halben Jahr überhaupt nicht verändert. Am Mittwoch, 3. September, ist es genau sechs Monate her, dass das Gerüst aufgebaut wurde. Getan hat sich seitdem nichts.

Der ursprüngliche Plan sah anders aus: Die 114 Jahre alte Dachlaterne braucht eine Schönheitskur, denn Wind und Wetter haben zu Durchfeuchtungsschäden im offenen Türmchen geführt. Schadhafte Holzteile sollen ausgewechselt werden. Doch dazu ist es bislang noch nicht gekommen. Seit dem 26. März steht zwar das Baugerüst (siehe Chronik auf dieser Seite), doch Zimmerleute haben die Baustelle noch nie betreten. Der Prüfstatiker Christian Groth gibt das Gerüst weiter nicht frei.

„Wir können und wollen ihn zu nichts drängen. Sicherheit geht vor“, erklärt nach wie vor der Fachdienstleister Gebäudewirtschaft im Rathaus, Ralf-Joseph Schnittker. In der kommenden Woche könnten Prüfergebnisse vorliegen, hofft er. Dann müssen vermutlich noch einige Punkte handwerklich angepasst werden. Dabei könne es sich um zusätzliche Holzstützen, Bretter oder Netze handeln. „Alles Kleinigkeiten, die aber Großes bewegen können“, sagt Schnittker.

Was viele Neumünsteraner nicht verstehen: Genau diese Kleinigkeiten werden schon seit Mai immer wieder nachgebessert. „Dass immer wieder neue Baustellen auftauchen, liegt daran, dass der von der Gerüstbaufirma beauftragte Statiker und der Prüfstatiker jeder jeweils die eigene Version für richtig halten und sich ihre Pläne erst mit der Zeit aneinander angleichen“, so Schnittker. Es handele sich aber eigentlich nur noch um Berechnungen; handwerklich stehe das Gerüst schließlich. Das sei wie mit den Pyramiden, sagt der Fachdienstleiter: „Die stehen auch, aber eine Baugenehmigung würde man für sie nicht mehr bekommen.“

Bei der Stadt ist man weiter zuversichtlich, dass bald mit der eigentlichen Sanierung begonnen werden kann. „Wir haben vorsorglich dem Zimmermann schon Bescheid gesagt, dass er sich bereit halten soll“, so Schnittker.

Die Chronik des Rathausgerüsts

3. März: Arbeiter der Gerüstbaufirma Ebsen aus Schacht-Audorf errichten ein 24 Meter hohes Fassadengerüst mit Traversen als Arbeitsbühne für die Handwerker. Hochbauleiter Bertold Heitker erklärt: Bis Ende Mai soll die Sanierung abgeschlossen sein.

26. März: Die Gerüstbauarbeiten sind abgeschlossen. Das Material der Zimmerleute von der Firma Steen aus Kühren liegt schon bereit.

17. April: Der Prüfstatiker Christian Groth hat  Einsicht in die Pläne des Statikers, der von der Gerüstbaufirma beauftragt wurde. „Es ist gesetzlich geregelt, dass die Berechnungen des Statikers von einem Prüfstatiker kontrolliert werden“, erklärt Hochbauleiter Heitker.  Bei einer derart komplizierten Sanierung wie im Falle des Rathaustürmchens dauere dieser Vorgang etwas länger als gewöhnlich. Heitker geht davon aus, dass die Handwerker noch vor den Ostertagen beginnen können.

7. Mai:  Ostern ist vorbei. Noch immer arbeiten keine Handwerker am Rathaustürmchen. Christian Groth erklärt gegenüber dem Courier: „Es gab eklatante Mängel bei der Bauausführung.“ Das Gerüst habe nicht sicher gestanden, hätte im schlimmsten Fall einstürzen können. Als Sofortmaßnahme werden deshalb zusätzliche Diagonalverstrebungen auf Höhe der achten Ebene eingebaut.

30. Mai: Eigentlich sollte der Rathausturm in diesen Tagen fertig saniert sein. „Weil das Gerüst – anders als geplant – noch zur Holstenköste (12. bis 15. Juni) stehen wird, muss die Stadt Schutzmaßnahmen ergreifen“, erklärt Groth. Bauzäune werden aufgestellt.

24. Juni: Der Prüfstatiker  hat weitere Unterlagen von der Bauverwaltung erhalten. Er werde sie so schnell wie möglich durcharbeiten. Je nachdem, ob alles vollständig sei,  könne das  noch zwei bis drei Wochen dauern, erklärte der Diplom-Ingenieur.

17. Juli: Ursprünglich wollte der Fachdienstleiter Gebäudewirtschaft, Ralf-Joesph Schnittker,  am 3. Juli im Bauausschuss einen finalen Zeitplan für die Fertigstellung vorstellen. Doch das Ingenieurbüro prüft weiter.

31. Juli: Der Prüfstatiker zweifelt weiter an der Stabilität des vier Tonnen schweren Gerüsts. Es wird weiter nachgebessert.

3. September: Das Baugerüst wird sechs Monate alt, ohne dass die Zimmerleute auch nur mit der Arbeit angefangen hätten.

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