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Prozess : Gericht reduzierte die Strafe erheblich

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ein Taxifahrer kämpft nach einem Unfall um seinen Führerschein. Seine Berufung wurde gestern verworfen.

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erstellt am 28.Feb.2014 | 08:00 Uhr

Den begehrten Freispruch bekam der Taxifahrer (63) gestern vor dem Landgericht Kiel nicht. Dennoch hat sich für den Neumünsteraner der Gang vor das Kieler Landgericht gelohnt. Zwar verwarf die Kammer gestern seine Berufung, doch gleichzeitig reduzierte sie die Strafe, die das Amtsgericht Neumünster im Oktober ausgeurteilt hatte, erheblich. Statt 500 Euro muss der Mann jetzt nur 300 Euro zahlen. Und den Führerschein bekommt er nicht erst in sechs, sondern schon in drei Monaten zurück. Vorgeworfen wurde dem Familienvater, der vor mehr als 20 Jahren aus dem Kosovo nach Neumünster kam, ein unerlaubtes Entfernen vom Unfallort.

Es geschah zur Holstenköste. Am 7. Juni 2013 gegen 5.30 Uhr schickte die Taxizentrale ihren langjährigen Fahrer zur Rendsburger Straße, Höhe Gasstraße. Dort wollte ein Fahrgast, der offenbar zuvor reichlich gefeiert hatte, abgeholt und nach Gadeland gebracht werden. Zur gleichen Zeit wurde ein Polizist von seiner Frau zum Bahnhof gefahren. Er war auf dem Weg zu seiner Dienststelle in Hamburg. Das Ehepaar wartete an der Bahnunterführung hinter dem Taxi. Beide Autos wollten nach links in die Friedrichstraße einbiegen. Allerdings kam ihnen auf der Rendsburger Straße ein junger Elektroinstallateur (29) auf seinem Motorrad entgegen – auf dem Weg zur Arbeit. Das Zweirad hatte Vorfahrt. Doch das bemerkte der Taxifahrer offenbar nicht. „Das Taxi bog einfach ab. Ich bremste scharf. Das Motorrad brach aus. Ich stürzte, rutschte direkt hinter dem Taxi über die Straße. Das war haarscharf. Das Motorrad lag nachher am anderen Ende der Unterführung. Ich rappelte mich auf. Als ich mich umdrehte, stand das Taxi am Anfang der Friedrichstraße. Dann fuhr es plötzlich davon“, schilderte der Motorradfahrer.

Der Polizist und seine Frau hatten alles beobachtet. Und sie sahen auch, dass sich ein anderer Passant um den gestürzten Zweiradfahrer kümmerte. Als die Eheleute dann das Taxi davonfahren sahen, nahmen sie sofort die Verfolgung auf und riefen die Neumünsteraner Ermittler. An der Ecke Ring/Boostedter Straße konnte der Polizist an einer roten Ampel den Angeklagten schließlich stoppen.

Den Unfall als solchen bestritt der Taxifahrer vor Gericht nicht. Er beteuerte aber in einer schriftlichen Erklärung, den Sturz gar nicht bemerkt zu haben. Er sei an der Ecke lediglich angehalten, um den stark angetrunkenen Fahrgast (50), der sich abschnallen und im Auto rauchen wollte, zur Vernunft zu bringen. Der einstige Beifahrer konnte gestern zur Aufklärung wenig beitragen. „Ich war zu betrunken und bin im Auto gleich eingeschlafen“, meinte er.

Die reduzierte Strafe begründete die Kammer damit, dass der Angeklagte sich bisher noch nie etwas zu Schulden kommen ließ. Der Taxifahrer möchte eigentlich nur seinen Führerschein wiederhaben und arbeiten. „Ich will doch kein Hartz IV mehr“, sagte er.

 

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