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Gerichtsbericht : Gericht lehnt Termin im Brandhaus ab

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nach zwei Brandexperten sagte jetzt ein Bausachverständiger im Prozess um das Feuer an der Bahnhofstraße 40 aus.

shz.de von
erstellt am 19.Nov.2014 | 17:00 Uhr

Neumünster | Im Prozess um die Brandstiftung an der Bahnhofstraße 40 wird die Reihe der Gutachter immer länger. Gestern machte ein Bausachverständiger vor dem Kieler Landgericht Angaben zum möglichen Wiederaufbau der beschädigten Gebäudeteile und zur Nutzbarkeit der Räume.

Laut Anklage sollen zwei Brüder (31 und 37) im Auftrag des finanziell stark angeschlagenen Hausbesitzers (32) in der Nacht zum 15. September vergangenen Jahres in dem Mehrfamilienhaus an mehreren Stellen Feuer gelegt haben. Zwei Bekannte des Eigentümers, ein Gastwirt (70) und ein Kaufmann (38), sollen die Sache mit geplant haben. Laut Staatsanwaltschaft wollten die Männer an die Versicherungssumme von 500 000 Euro herankommen.

Seit Prozessbeginn Ende August wurden bereits zwei Brandsachverständige vor der 7. Strafkammer zum Ausmaß der Schäden gehört – mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen (der Courier berichtete). Während ein Experte des Landeskriminalamtes (LKA) anhand von Fotos zu belegen versuchte, dass Teile der Holzkonstruktion der Treppe damals in Brand geraten waren, fand ein von der Verteidigung hinzugezogener Gutachter vor Ort „im Treppenbereich nur Oberflächenschäden“. Für das Strafmaß wäre das ein deutlicher Unterschied.

Auch der dritte Gutachter, ein Bauingenieur, der eher den wirtschaftlichen Aspekt beleuchten sollte, ließ gestern Fragen zum Grad der Zerstörung offen. Seiner Einschätzung nach müssten für die Beseitigung der Brandschäden (unter anderem im Treppenhaus, an der Fassade und an Wohnungstüren) 40 000 Euro netto veranschlagt werden. Hinzu kämen noch Planungskosten. Die Arbeiten würden rund acht Wochen dauern. Derzeit hält er die Räume nicht für nutzbar. Allerdings wurde nicht klar, ob und in welchem Ausmaß die Statik der Holztreppe in Mitleidenschaft gezogen wurde. Ein Verteidiger beantragte deshalb einen Ortstermin in dem unbewohnten Mehrfamilienhaus, das seit dem Feuer im Hauptgebäude leer steht. Allerdings stellte der Vorsitzende Richter sofort klar: „Alle Prozessbeteiligten auf der Treppe – das werde ich nicht verantworten können.“ Immerhin gehören zu dem Verfahren zwei Richter, zwei Schöffen, zwei Staatsanwälte, eine Protokollführerin sowie fünf Angeklagte mit ihren Anwälten. Vor Ort wäre wohl außerdem noch mindestens ein Sachverständiger nötig. Der Antrag wurde nach längerer Beratung vom Gericht abgelehnt. Bereits vorher hatte die Kammer angekündigt, dass sie Anschauungsmaterial aus dem Haus in den Gerichtssaal schaffen lassen wolle. Drei Meter Geländer und ein Fenster sollen ausgebaut werden. Der Prozess wird fortgesetzt.

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