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Holsteinischer Courier

19. November 2017 | 11:30 Uhr

Lesung : Geohrfeigt, bespuckt und verhöhnt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Im KDW am Waschpohl wurde die politische Situation unter die Lupe genommen.

Neumünster | Ulrike Göking eröffnete am Dienstagabend im KDW die neue Lesereihe der Neumünsteraner Gruppe der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI). Sie stellt verfolgte Schriftsteller und Schriftstellerinnen vor. Göking hatte sich die syrische Autorin Samar Yasbek (45) und ihre „Sicht aus dem Inneren der Revolution“ ausgesucht.

Yasbek wurde mit Kurzgeschichten, Drehbüchern und Dokumentarfilmen bekannt. Nur 15 Gäste wollten diese „innere Sicht“ miterleben. „Schrei nach Freiheit“ lautet der Titel des Buches, zu dem der syrisch-deutsche Schriftsteller Rafik Schami ein Vorwort schrieb. Schami schildert darin die politische Situation in Syrien, besonders unter den Intellektuellen, rund um den Ausbruch der Revolution im März 2011. „Wenn Intellektuelle in politische Aktion treten, wird es für das Regime gefährlich“, schrieb Schami.

Die Auszüge, die Göking las, waren von einer schnörkellosen und wortgewaltigen Sprache geprägt, die in ihrer Konzentration das mafiöse Netz der Assad-Sippe und den Terror gegen das eigene Volk bloßlegt. „Ich bin fremd im Leben, mir bleibt nur die Freiheit meiner eigenen Existenz“, schrieb Yasbek. Und zu dieser Existenz gehöre die „Angst wie das Atmen“, ihre Landsleute „atmen den Tod“.

Sie schrieb aber auch, wie die persönlichen Repressalien gegen sie und ihre alevitische Religion sie politisch entschlossener machte. In Verhören geohrfeigt, bespuckt und verhöhnt „wollte ich ihnen in meiner Wut nicht meine Tränen zeigen“, so die syrische Autorin. Ihre Schilderungen der Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten, Sicherheitsdiensten und Prügelkommandos lassen erahnen, was den Menschen in diesem Land angetan wurde und wird.

Mit ihrer Ausreise nach Frankreich, wo sie gegenwärtig lebt, „wollte ich meine Tochter retten der Welt sagen, was in Syrien passiert.“ Aber die Trennung von ihrem Heimatland sei wie die Trennung eines Säuglings von seiner Mutter. Eigentlich war nach der Lesung eine Diskussion angekündigt. Doch dieses persönliche Dokument einer mutigen Frau, als Tagebuch über 100 Tage geschrieben, ließ keine Bewertung von Außenstehenden zu.

Am 29. September liest Reinhard Wallmann Arnold Zweig. Wer weitere verfolgte Literaten vorstellen und/oder vorlesen möchte, kann sich unter Tel. 0179  /  4  337  441 bei Tilmann Zschach melden.

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