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Schulpolitik : Gemischtes Echo auf den „Schul-Tüv“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Viele Schulen fürchten den bürokratischen Aufwand für den Leistungscheck / Klaus-Groth-Schule kann sich die Teilnahme „gut vorstellen“

von
erstellt am 14.Jan.2016 | 08:00 Uhr

Neumünster | Bekommen Neumünsters Schulen bald wieder Noten? – Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) unternimmt einen neuen Anlauf, den vor sechs Jahren abgeschafften „Schul-Tüv“ für Schleswig-Holsteins Schulen wieder einzuführen. Von den rund 800 Schulen im Lande wollen sich im ersten Durchgang landesweit sieben Schulen an dem – zunächst – freiwilligen „Schulfeedback“ der Ministerin beteiligen (der Courier berichtete). An Neumünsters Schulen stößt der Leistungstest für die Schularbeit auf ein gemischtes Echo. Viele Schulen befürchten erhöhten bürokratischen Aufwand und zögern daher, sich für den Test anzumelden.

Selbstverständlich müssen Schulen ihr eigenes Handeln immer wieder hinterfragen und sich veränderten gesellschaftlichen Bedingungen anpassen, stellt Doris Weege, Leiterin der Alexander-von-Humboldt-Schule, klar. Allerdings gebe es an ihrer Schule bereits ein ausgefeiltes System, Defizite aufzuspüren und den Schulbetrieb nachzujustieren. So schaue die Schule etwa sehr genau hin, wie viele Schüler in den fünften Klassen aufgenommen und dann auch tatsächlich durchs Abitur gebracht werden. Eine Beteiligung an dem Schultest lehnt Weege zum derzeitigen Zeitpunkt aber ab, und verweist dabei auf Erfahrungen früherer Jahre: Das Verfahren sei doch sehr aufwändig gewesen. „Wir würden daher gern abwarten, welcher praktische Nutzen sich aus dem jetzt angestrebten Feedback ableiten lässt“, sagt Weege.

Ähnlich kritisch reagiert Thorsten Petersen auf die Kieler Ankündigung. Der Leiter der Hans-Böckler-Schule war früher selbst Mitglied der Kommissionen, die den Unterricht an Schulen beobachteten und bewerteten. Das Verfahren sei mit großem Arbeitsaufwand etwa für Dokumentation und Auswertung verbunden gewesen. Zwar habe manche Schule mit Verweis auf den Abschlussbericht vielleicht leichter Gehör für Raum- oder Fortbildungswünsche gefunden, unter dem Strich stelle sich aber die Frage, ob der Nutzen den Aufwand rechtfertige, zieht Petersen heute eine eher ernüchternde Bilanz.

Silke Rohwer, Leiterin der Gemeinschaftsschule Brachenfeld, stößt sich in der Debatte vor allem an dem „verfälschenden Begriff“ Schul-Tüv: Die Schulen bekämen ja keine Plakette wie „unterrichtstauglich“ sie seien, sagt die Schulleiterin. Vielmehr gehe es um eine Supervision, also den Blick von außen, der helfe, nicht mehr zeitgemäße Betriebsroutinen oder Defizite aufzudecken und abzustellen. Das „Schulfeedback“ könne dazu einen Beitrag leisten. Voraussetzung sei allerdings, dass dabei – wie geplant – auf die freiwillige Teilnahme der Schulen gesetzt und auf ein öffentliches Ranking der Schulen verzichtet werde, so Rohwer. Ob sich die Gemeinschaftsschule Brachenfeld am „Schulfeedback“ beteiligen werde, sei in der Schule allerdings noch nicht ausdiskutiert, unterstreicht die Schulleiterin.

Am meisten Sympathie findet der Vorstoß des Bildungsministeriums an der Klaus-Groth-Schule: Schulleiter Jörg Jesper kann sich eine Teilnahme an der geplanten Qualitätskontrolle „gut vorstellen“. Eine Überprüfung durch Profis, die von außen draufschauen, könne jeder Schule nur nützen, ist Jesper überzeugt. Er geht davon aus, dass Kiel aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat. Das Verfahren sei deutlich verschlankt worden und konzentriere sich jetzt auf wichtige Basisthemen wie Unterrichtsqualität, Klima in der Schule oder die Kommunikation zwischen Lehrern, Eltern und Schülern.

Ob sich unter den sieben Schulen, die sich an der ersten Runde des „Schulfeedbacks“ beteiligen, auch eine Schule aus Neumünster befindet, wollte das Bildungsministerium gestern nicht verraten: Die Evaluation solle lediglich schulöffentlich erfolgen, sagt eine Sprecherin.

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