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Das entscheidende Spiel : Gemeinsames Zittern um den HSV

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Im Tresen Total am Großflecken kamen die eingefleischten Fans zum Relegationsspiel gegen Karlsruhe zusammen. Alle lagen sich in den Armen.

shz.de von
erstellt am 03.Jun.2015 | 06:00 Uhr

Neumünster | Mit feuchten Händen saß Dirk (Ossi) Ossenbrüggen am Montagabend neben seiner Freundin Linda Neumann am Tresen, den Blick starr auf einen der vier Bildschirme gerichtet. In der Szenekneipe Tresen Total am Großflecken war zu dieser Zeit kein Platz mehr frei; einige Gäste standen sogar noch auf der Straße. Kein Wunder, denn es lief das alles entscheidende Relegationsrückspiel Karlsruhe gegen den Hamburger SV. Für den Bundesliga-Dino aus Norddeutschland ging es um alles. Würde der HSV in der 1. Bundesliga bleiben?

Neumünsteraner HSV-Fans sind ihrem Verein treu: „Die schaffen das!“, da war sich auch Ossi sicher. Um ihn herum machte sich vor dem Anpfiff vorsichtiger Optimismus breit. „Der HSV kann gar nicht absteigen“, da waren sich viele Fans sicher. Nur vereinzelt wurden kritische Stimmen laut: „Wenn die mal absteigen, wird anschließend wenigstens mal Ordnung in dem Verein gemacht“, merkte einer vorsichtig an. Ganz cool und präzise blieb Jolanda Puzzini, eine Italienerin im HSV-Trikot und eigentlich absoluter Bayern-Fan: „2:1 für den HSV“, tippte sie zuversichtlich.

Und dann wurde es hart für alle Zuschauer. 77 quälend lange Minuten passierte auf den Bildschirmen erst einmal fast gar nichts – zumindest nichts Zählbares. Hier und da wurde eine Schiedsrichterentscheidung kommentiert, mal wurde über einen verpatzten Spielzug geflucht. Dann wieder hallten erschrockene Rufe durch die Kneipe, wenn es vor dem eigenen Tor gefährlich wurde.

Dann der Schock: In der 78. Minute ein Tor für Karlsruhe! Hamburg war nun rechnerisch in der 2. Liga, und im Tresen Total herrschte erst einmal Totenstille. Leichenblass saß Ossi auf seinem Stuhl, sein Blutdruck lag irgendwo bei 180. Neben ihm sanken ein paar Fans erschüttert zusammen. Niemand sprach ein Wort.

Dann geschah aber doch noch das Wunder: Marcelo Diaz zauberte den Ball in der Nachspielzeit ins Karlsruher Tor 1:1! Sofort brach ein Freudentaumel los. „Noch lebt der Dino!“, schrien einige ältere Herren. Ossi war sogar noch optimistischer: „Der HSV ist Relegationsmeister“, rief er und tobte durch die Kneipe.

Jetzt die Verlängerung, eine Entscheidung musste fallen. Ab sofort wurde in Neumünster schon jeder Eckstoß für den HSV beklatscht. Dann die Erlösung: Nicolai Müller machte sich unsterblich, erzielte das Siegtor für den HSV! Der Dino bleibt in der 1. Liga!

In der Kneipe brach ein Freudentaumel los, einige tanzten durch das Lokal, fielen sich in die Arme, schrien ihre Erleichterung einfach heraus. Noch war das große Zittern nicht zu Ende, aber selbst ein Elfmeter für Karlsruhe brachte nicht mehr die Wende. Mit dem Schlusspfiff gab es im Tresen Total kein Halten mehr. „Niemals 2. Liga, niemals“, sangen Ossi und die anderen Fans. Jolanda Puzzini lächelte: „2:1 für Hamburg – hab ich doch gleich gesagt.“

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