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Jakobskreuzkraut : Gelbes Giftkraut erobert die Stadt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Brachflächen und mildes Klima erleichtern dem Jakobskreuzkraut die Ausbreitung. Die Stadt greift nur im Ausnahmefall zur Gegenwehr.

von
erstellt am 02.Aug.2014 | 07:00 Uhr

Neumünster | Eigentlich sieht sie gut aus mit ihrer goldgelben, gefiederten Blüte – aber Tierhaltern und Imkern ist sie dennoch ein einziger Graus. Denn Senecio jacobaea, besser bekannt als Jakobskreuzkraut (JKK), ist hochgradig giftig. Das Problem: Selbst in der Stadt breitet es sich immer zügiger aus.

„Wir verfolgen die Entwicklung genau“, sagt Dietrich Busch vom Fachdienst Grünflächen, der die Zunahme im Grundsatz bestätigt. Zwar sei JKK in unserer Region schon immer heimisch gewesen, aber mildere Temperaturen und die Zunahme von Brach- oder extensiv genutzten Weideflächen hätten die Ausbreitung der Pflanze in den vergangenen Jahren stark begünstigt.

Das fällt auch dem Laien auf: In Gadeland blüht die hüfthohe Pflanze als Straßenrandgewächs neben dem Acker, in Wittorf wurde sie jetzt von Kennern am Spazierweg an der Stör identifiziert, im Gewerbegebiet Freesenburg lässt sie gleich ein ganzes Feld goldgelb leuchten, und auch an den Autobahnauffahrten fühlt sie sich in großer Gesellschaft wohl.

Tierhalter lässt das nur solange kalt, wie sich die Pflanze nicht an die eigenen Weideflächen heranpirscht: „Wir sind zum Glück wenig betroffen“, sagt Klaus Pohl, Betriebsleiter auf dem Staatshof am Prehnsfelder Weg. „Dort, wo wir das Kraut entdecken, reißen wir es sofort raus“, betont der Pferdehalter.

Für den Betreiber des Reiterhofs ist das allerdings mehr eine Sicherheitsmaßnahme. Denn: „Solange die Pferde genügend sattes Weideland vorfinden, machen sie um die Pflanze einen großen Bogen.“ Das Problem: In der Silage funktioniert dieser natürliche Schutzmechanismus nicht mehr, weil die Pferde (oder auch andere Tiere) das Kraut nicht mehr erschnuppern können.

„Weil bereits 100 Gramm reichen, ein Pferd umzubringen“, achtet auch Norbert Duske vom benachbarten Reiterdomizil Tannenhof am Prehnsfelder Weg peinlich genau auf sauberes Weideland. Einen absoluten Schutz gebe es aber nicht, räumt der Pferdekenner ein. Erst im vergangenen Jahr habe ein Bekannter ein Reitpferd durch das Gift verloren. Wird die Vergiftung erkannt, ist es für das Tier meist zu spät. Ein Heilmittel gibt es bislang nicht.

„Gerade Pferde reagieren auf JKK besonders empfindlich“, bestätigt Neumünsters Amtstierärztin Dr. Bettina Kohnen-Gaupp. Auch andere Weidetiere wie Schafe oder auch Rinder seien grundsätzlich gefährdet. Viele Möglichkeiten der Vorsorge hat die Tierärztin nicht. „Entdecken wir Tiere auf betroffenen Weiden, machen wir die Halter darauf aufmerksam“, sagt die Veterinärin. Die Tiere müssen dann sofort runter, bis das Jakobskreuzkraut komplett entfernt ist.

Die Ausbreitung des tückischen Krauts kann allerdings auch die Stadt nicht verhindern, zumal nur das Ausreißen als sichere Entsorgung gilt. Schon allein aufgrund des enormen Aufwands könne man nicht überall eingreifen, sagt Dietrich Busch. Nur in Ausnahmefällen, wenn zum Beispiel größere JKK-Kolonien auf öffentlicher Fläche unmittelbar an eine Weide grenzen, könne die Stadt aktiv werden, um die Gefahr einzudämmen. Pferdebesitzer Klaus Pohl hat dafür sogar Verständnis: „Eine Patentlösung sehe ich nicht – wir müssen alle noch mehr aufpassen!“

Kommentar: Leben mit der Giftpflanze

Stimmt, das Jakobskreuzkraut  oder auch Jakobs-Greiskraut ist nicht plötzlich vom Himmel gefallen, sondern seit Urzeiten auch in unseren Breiten heimisch. Von daher besteht  kein Grund, gleich  in Panik auszubrechen. Aber Anlass, sich verstärkt Gedanken zu machen, gibt es dagegen schon: Denn  der Klimawandel mit seinen  sonnigen Temperaturen und die  Zunahme sich selbst überlassener Acker- und Weideflächen  haben die hübsche goldgelb-blühende Pflanze  zu einem echten Problemfall heranwachsen lassen, der nicht leichtfertig übergangen werden sollte. Je  explosionsartiger  sich Senecio jacobaea  ausbreitet,  je größer die Flächen , auf denen es ohne Gegengewehr gedeiht, desto größer ist auch die Gefahr, dass es bei aller Vorsicht eben doch den Weg in Heu und Silage oder auch in Honig findet und dann seine tödliche Wirkung entfaltet.  Ein plumper, aussichtloser Vernichtungsfeldzug, wie er teils in Bayern erprobt wird, ist sicherlich keine Lösung – zumal in jeder Giftpflanze auch eine Heilpflanze steckt. Aber das Problem ist da. Intelligente Lösungen sind gefragt.

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