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Behindertenplätze : Gelbe Karte für Parksünder

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Sozialverband stellte bei landesweiter Aktion rücksichtslose Autofahrer zur Rede, die illegal Behindertenparkplätze benutzten

von
erstellt am 29.Aug.2015 | 08:45 Uhr

Neumünster | Frechheit siegt – das dachte sich wohl ein Autofahrer, als er seinen Wagen bei der Post an der Friedrichstraße auf einem der zwei für Behinderte ausgeschilderten Plätze abstellte. Dabei gab es nur wenige Schritte weiter genügend freie Parkplätze. Helga Meisner, ihr Mann Jens und Hans-Georg Stanull vom Sozialverband zeigten ihm dafür die Gelbe Karte mit der Aufschrift: „Sie haben meinen Parkplatz! Wollen Sie auch meine Behinderung?“

Auch am Stadthaus, auf dem Parkplatz bei Nortex, beim A&B-Center, am Designer-Outlet-Center und an der Schützenstraße beteiligten sich die Mitglieder des Sozialverbands an der landesweiten Aktion. Sie fand gestern zum zweiten Mal in ganz Schleswig-Holstein statt. „Oft ist es reine Bequemlichkeit, und Ausreden gibt es genug“, sagte die stellvertretende Ortsverbandsvorsitzende Helga Meisner.

So auch im Fall des angesprochenen Fahrers am Postparkplatz. „Ich will nur kurz etwas einwerfen. Außerdem parke ich nicht, sondern halte nur und habe das Auto im Blick“, sagte der Mann, der vielleicht Anfang 60 war. Doch da lag er falsch. Wer sein Auto verlässt, hält nicht mehr, er parkt. Und das kostet ohne den entsprechenden Parkausweis auf einem Schwerbehinderten-Stellplatz laut Verwarngeldkatalog 35 Euro.

Die Polizei ahndet solche Verstöße aber nur in besonderen Ausnahmefällen, macht Sprecher Sönke Hinrichs klar. Parkvergehen sind Sache der Stadt. „Behindertenparkplätze haben bei der Überwachung des ruhenden Verkehrs erhöhte Priorität“, sagt Holger Schwark, Abteilungsleiter der Ordnungsbehörde.

„Wir wollen mit der Aktion sensibilisieren“, sagt die Ortsverbandsvorsitzende und Kreisgeschäftsführerin des Sozialverbands, Astrid Abandowitz. Schwerbehinderten-Parkplätze seien sehr rar. „Werden die dann auch noch zweckentfremdet, dann werden Behinderte ausgegrenzt“, sagt Astrid Abandowitz.

Sie räumt mit einem verbreiteten Irrtum auf: „Häufig denken Menschen, dass auch ihnen ein Platz zusteht, wenn sie nicht mehr gut laufen können“, so Astrid Abandowitz. Doch das ist mitnichten so. Den Schwerbehinderten-Parkausweis bekommt man nur, wenn man außergewöhnlich gehbehindert (Kennzeichen „aG“) oder blind ist (Kennzeichen „Bl“) – in letzterem Fall für die Begleitperson, die den Wagen fährt.

„Wer einen solchen Behinderten-Parkausweis bekommt, ist auch dringend darauf angewiesen“, sagt Helga Meisner zur sehr restriktiven Vergabe der Ausweise. Sie selbst ist zu 90 Prozent schwerbehindert und benötigt Gehhilfen. Doch das reicht noch nicht für einen Schwerbehinderten-Parkausweis.

Standpunkt: Missbrauch ist noch viel zu günstig

„Ich will nur mal schnell und bin sofort wieder da ...“ – Die Ausreden derjenigen, die unberechtigt auf Schwerbehinderten-Parkplätzen parken, sind so alt  wie schlecht. Oft ist es nicht Gedankenlosigkeit, sondern freche Berechnung. Erst komme ich, dann die anderen.  Das wird im Verwarngeldkatalog noch viel zu wenig sanktioniert. 35 Euro sind doch ein Klacks, wie auch der Vergleich mit dem Ausland zeigt. Schwerbehinderten-Parkplätze sind eine Grundvoraussetzung, damit behinderte Menschen überhaupt gleichberechtigt am Leben in der Gesellschaft teilnehmen können. Sie sind meist unmittelbar an den Türen und Eingängen, an Aufzügen oder Rampen zu finden und ersparen den Betroffenen weite Umwege. Wer auf Behindertenparkplätzen unrechtmäßig parkt, behindert diese Menschen und schränkt sie massiv ein.

 

 

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