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Hunde-Verordnung : Gekippte Rasseliste: Vereine fordern Nachbesserung des Gesetzes

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Gleichbehandlung der Rassen wird begrüßt / Hundeführerschein für alle Hundehalter optimal

shz.de von
erstellt am 28.Okt.2015 | 13:00 Uhr

Neumünster | Die so genannte Rasseliste, die bestimmte Hunderassen als gefährlich einstuft, wird zum Jahreswechsel in Schleswig-Holstein gekippt. Statt dessen tritt eine neue Verordnung in Kraft. Nach ihr müssen Hundebesitzer einen Hundeführerschein machen, wenn ihr Hund – egal, welcher Rasse – andere Hunde oder Menschen beißt. Die Hundevereine der Stadt begrüßen das neue Gesetz, fordern aber Nachbesserungen.

„Die Rasseliste ist Gott sei Dank gefallen. Denn ein Dackel kann genauso beißen wie ein Rottweiler“, sagt Michael Ratcliff vom Polizeihundeverein (PHV). Der 64-Jährige verhandelte 2013 als Vorstandsmitglied des Landesverbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH) die Feinheiten des Gesetzes. „Unser oberstes Ziel war, Hundehalter mehr in die Verantwortung zu bringen – das bedeutet: Hundeführerschein für alle Hundehalter, Chip- und Versicherungspflicht.“ Das sieht er nur teilweise erfüllt, denn der Führerschein wird nur bei Beißvorfällen Pflicht. Weitere Lücken sieht er in der Kontrolle der vorgeschriebenen Haftpflicht: „Auf dem Chip werden nur hundebezogene Daten, nicht aber Besitzer, Adresse oder Versicherung gespeichert.“

Auch Ausbildungswart Kai Dießner vom Gebrauchshundesportverein Tungendorf nennt die neue Verordnung praxisorientiert: „Jeder Hund ist das Produkt seiner Umwelt, der Aufzucht, Haltung und Führung.“ Eine artgerechte Haltung ist die zweite Forderung der Vereine. Beide weisen auf Mängel beim Hundeführerschein hin: Je nach Trainerqualifikation schwankt die Qualität. Nur der VDH habe eine national einheitliche Prüfung. Dießner plädiert für eine Begleithundeprüfung über den Deutschen Gebrauchshundesportverein, ebenfalls bundesweit einheitlich. Dießner: „Das geht über einen Hundeführerschein hinaus.“

Die dritte wichtige Forderung: ein Steuernachlass für Hundehalter mit Führerschein. Das aber liegt im Ermessen der Kommune. In Neumünster prüfe die Verwaltung, ob die Satzung angepasst wird, so Thorben Pries, Büroleiter des Oberbürgermeisters. Es gibt 4060 Hunde in Neumünster, davon 3691 Ersthunde (120 Euro/Jahr), 315 Zweithunde (138 Euro) und 54 Dritt-oder-mehr-Hunde (165 Euro).

www.vdh.de/hundefuehrerschein

Kommentar

von Gabriele Vaquette

Das andere Ende der Leine

Kampfhunde werden nicht geboren, sondern gemacht. Dem trägt die neue Verordnung Rechnung. Doch  schon vorher richtig zu handeln, ist nötig:  Vor dem Kauf eines Hundes sollte jeder Halter eine Schulung mitmachen. Doch leider herrscht noch an zu vielen Enden der Leine  Gedanken- oder Verantwortungslosigkeit.

 

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