Timmaspe : Geht der Platzhirsch, wird er Rolf getauft

Platzhirsch Tiepa ist eineinhalb Jahre alt und soll es ausgewachsen auf ein Stockmaß von 1,20 Meter bringen
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Platzhirsch Tiepa ist eineinhalb Jahre alt und soll es ausgewachsen auf ein Stockmaß von 1,20 Meter bringen

Seit 31 Jahren züchtet das Timmasper Ehepaar Rolf und Uta Stieper Damwild hinter seinem Haus. Kinder sammeln gerne Futter.

shz.de von
05. Januar 2015, 14:15 Uhr

Timmaspe | Der erfahrene Waidmann Rolf Stieper (71) gehört schon seit 31 Jahren zu den aktuell rund 160 Gatterbesitzern im Land, die sich zu einer Gemeinschaft zusammen geschlossen haben und Wild züchten. Sein Rudel Damwild hinter dem Wohnhaus in Timmaspe besteht aus fünf Tieren, die sich auf einen Hektar Land frei bewegen können. Dazu zählen zwei Muttertiere sowie zwei Kälber. Platzhirsch Tiepa sorgt dafür, das kein Fremder seinem Rudel zu dicht auf die Pelle rückt.

An den 13-jährigen Haushund Dano, einen Deutsch-Drahthaar, hat sich das Damwild gewöhnt. Seinen Besitzern frisst der eineinhalbjährige Tiepa aus der Hand. Vorgänger Hirsch Hinne musste im September vorigen Jahres in die ewigen Jagdgründe wechseln, weil er zu aggressiv wurde, berichtete das Ehepaar Uta und Rolf Stieper.

Die Tiere werden gezüchtet, aber auch die Verwertung gehört dazu. Doch ein Fleischverkauf an Fremde kommt für beide nicht in Frage. „Die Familie mit Freunden und Bekannten ist groß genug“, sagten die Stiepers, während sie emsig mit der Zubereitung von besonderen Leckerbissen für das Wild beschäftigt waren. „Die Tiere haben diese geschnittenen Äpfel im wahrsten Sinne des Wortes zum Fressen gern“, merkte Uta Stieper an. Das kulinarische Verwöhnprogramm des Rudels beginnt allerdings schon im Herbst. Dann schwärmen Dorfkinder, Mädchen und Jungen aus der Kita sowie Grundschule gleich in Gruppenstärke aus, um fleißig Eicheln und Kastanien für die Tiere zu sammeln. Mit der Anlieferung des Futters können die Kinder ihr Taschengeld aufbessern. Jährlich kommen so zwischen fünf und sechs Zentner durch die fleißigen Sammler zusammen.

„Die Kinder haben das Damwild richtig ins Herz geschlossen. Auf dem Weg zur Schule zum Beispiel bleiben sie minutenlang am Zaun stehen und sprechen mit dem Wild. Dabei steht ihnen die Freude ins Gesicht geschrieben, so nah auf Tuchfühlung mit den Tieren kommen zu können“, sagte das Ehepaar erfreut.

Um gar nicht erst die negativen Folgen der Inzucht wie zum Beispiel Unfruchtbarkeit oder Missbildungen beim tierischen Nachwuchs zu riskieren, werden entweder die Muttertiere oder der Hirsch kontinuierlich ausgewechselt. Die beiden Muttertiere werden voraussichtlich im Oktober dieses Jahres an der Reihe sein. Platzhirsch Tiepa steht noch nicht zur Debatte.

Wenn Vererber aber aus der eigenen Zucht den Besitzer wechseln, bekommen sie den Vornamen des Besitzers mit auf den Weg. „Bei uns werden sie also Rolf getauft, bevor getauscht wird. So will es ein internes Abkommen aller Gatterbesitzer“, erklärt Rolf Stieper.
















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