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Neue Anlaufstelle : Gegen Gewalt, Rechts und „Fake-News“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Verein Kast verlegt sein Büro nach Neumünster und leitet von hier aus zwei landesweite Programme und ein Antigewalt- und Sozialtraining

shz.de von
erstellt am 04.Aug.2017 | 08:44 Uhr

Neumünster | Der 2005 entstandene Verein Kieler Antigewalt- und Sozial-Training (Kast) hat zwei große Bundesprogramme gegen Radikalisierung und für bessere Medienkompetenz an Land gezogen, vor allem für ausländische Jugendliche. Und weil die Projekte in ganz Schleswig-Holstein umgesetzt werden sollen, sind Udo Gerigk und sein Team jetzt aus der Landeshauptstadt ins ehemalige Haus der Arbeiterwohlfahrt  an den Goebenplatz 4 gezogen.

Gerigk ist in Neumünster kein Unbekannter. Von 2013 bis 2015 war der Sozialpädagoge Integrationsbeauftragter der Stadt. Er kündigte damals. „Das Spannungsfeld zwischen Kommunalpolitik und Verwaltung liegt mir nicht so“, begründete er den Schritt. Nun stehen für ihn und vier weitere Mitstreiter von Kast neue große Projekte an. Das erste heißt „Kick off“ und findet in Zusammenarbeit mit der Türkischen Gemeinde statt.

Es soll Rechtsextreme und islamische Radikale sowie Salafisten und Reichsbürger enttarnen, entradikalisieren sowie vor allem vorbeugend wirken. Dafür besuchen die Vereinsmitglieder die Justizvollzugsanstalten und Jugendarreste im Land.  „Wir bilden die Justizmitarbeiter fort, so dass sie Radikalisierte und ihre Zeichen erkennen und bieten eine spezielle Beratung und Gefährdungs-Analysen für Menschen, die aus den Szenen aussteigen wollen. Zudem bieten wir in den Haftanstalten Demokratie-Unterricht  und freiwillige Gesprächskreise an. Denn im Knast haben die Leute Zeit zum Nachdenken und um eine Kosten-Nutzen-Bilanz ihres Handelns zu ziehen“, erklärt Kast-Mitarbeiter Nils Stühmer. Neumünster, so sagt er, sei  eine rechte Hochburg im Land. Hier habe die NPD von rund 1700 Unterschriften aus Schleswig-Holstein, die für die Zulassung zur Bundestagswahl notwendig waren, ganze 700 erhalten.

Das zweite Großprojekt heißt „Weltwege“ und findet in Zusammenarbeit mit der Internationalen Bildungsstätte Jugendhof Scheersberg in Angeln statt. An vier bis fünf Standorten im Land sollen Gruppen mit minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlingen, Migranten und deutschen Jugendlichen gebildet werden, die sich mit religiösem Extremismus im Internet beschäftigen. „Prediger sind charismatisch und fixen Jugendliche auf clevere Weise im Netz an. Wir wollen sie befähigen, mit Medien umzugehen und  Nachrichten zu hinterfragen, ,Fake-News’ zu erkennen. Außerdem sollen die Teilnehmer selbst Clips drehen und Artikel schreiben“, erläutert Udo Gerigk.

Die  Antigewalt- und Sozial-Trainings laufen parallel  weiter. „Unsere Prämisse lautet: Wir arbeiten am Täter für die Opfer. Damit niemand wieder straffällig wird“, sagt Gerigk.

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