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Unfallgefahr : Gefährliche Fracht auf dem Lkw-Dach

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Zertrümmerte Eisstücke am Fahrbahnrand sind in diesen Tagen auch auf der Autobahn bei Neumünster wahrlich keine Seltenheit.

von
erstellt am 06.Jan.2016 | 18:06 Uhr

Neumünster | Zertrümmerte Eisstücke am Fahrbahnrand sind in diesen Tagen auch auf der Autobahn bei Neumünster wahrlich keine Seltenheit. Immer wieder rutschen auch hier riesige Eisplatten von den Planen großer Laster. Sechs Unfälle mussten die Beamten der Autobahnpolizei Neumünster in ihrem Zuständigkeitsbereich seit dem Kälteeinbruch bereits aufnehmen. Zum Glück blieb es dabei immer bei Glas- oder Blechschäden, wenn die eisigen Trümmer nachfolgende Autos trafen.

Der Unfall in Ahrensburg (Kreis Stormarn) am Dienstag hat jedoch deutlich gezeigt, wie gefährlich die Geschosse werden können. Bei dem Vorfall auf der Autobahn 1 war ein junges Ehepaar aus Hamburg schwer verletzt worden, als mehrere Eisbrocken die Windschutzscheibe durchschlugen (der Courier berichtete). Bis gestern fehlte von dem Verursacher noch jede Spur.

Bei der Autobahnpolizei in Neumünster beobachtet man die fliegenden Eisplatten zurzeit mit großer Sorge. Insbesondere an den Autobahnauffahrten, wo sie sich bei der Kurvenfahrt häufig von den Lastern lösen, sind zurzeit die Trümmer zu finden. Michael Mihlan, Sprecher der Autobahnpolizei, hat gerade gestern selbst zahlreiche Stellen mit Eisbrocken am Fahrbahnrand gesehen. „Zum Teil ist die Strecke gepflastert mit Eisschollen. Da stehen einem die Haare zu Berge“, so der Polizist.

Dass das Problem an der Autobahn 7 bei Neumünster und auf der A 215 nach Kiel zurzeit gehäuft auftaucht, liegt nicht nur an der Kälteperiode im Land, sondern auch am Transitverkehr aus Litauen, Schweden und Norwegen. Manche Lkw bringen die gefährliche Fracht aus verschneiten Regionen auf dem Dach bereits per Fähre über die Ostsee mit, so Michael Mihlan.

Immer wieder entdecken die Beamten der Autobahnpolizei Neumünster zum Beispiel von Autobahnbrücken aus eisbedeckte Laster zwischen Kiel, Rendsburg und Hamburg. „Die holen wir dann auf dem nächsten Parkplatz raus – und dann wird es richtig teuer“, erklärt der Polizeisprecher. Weil die Verkehrssicherheit wesentlich beeinträchtigt ist, werden 80 Euro plus 30 Euro Verwaltungsgebühr fällig. Außerdem gibt es einen Punkt in Flensburg. Verursacht eine Eisplatte einen Unfall, kommen weitere 40 Euro hinzu. Kommen sogar Menschen zu Schaden, wird der Vorfall zur Straftat und von der Polizei als fahrlässige Körperverletzung gewertet.

Sobald Autofahrer bemerken, dass von einem vorausfahrenden Laster Eisbrocken herabfallen, sollten sie gehörigen Abstand halten, am besten die Spur wechseln und überholen. „Das Eis fällt in der Regel nach hinten und nicht zur Seite“, meint Michael Mihlan. Hilfreich sei es auch, wenn sich Autofahrer bei gefährlichen Beobachtungen das Kennzeichen merkten, eine Anzeige erstatteten und sich als Zeuge zur Verfügung stellten. „Wenn wir gerade genug Kapazitäten haben, fahren wir auch gleich raus“, so der Polizeisprecher.

Bei der großen Neumünsteraner Spedition Voigt-Transport im Industriegebiet Süd nimmt man die Gefahr durch die Eisplatten sehr ernst. „Wir haben vor einigen Jahren extra eine Art Gangway gebaut, die mehr als vier Meter hoch ist. So können die Fahrer vor Antritt der Tour von oben ihren Lkw kontrollieren und gegebenenfalls das Eis herunterschieben“, erklärt Geschäftsführer Jörg Braatz.

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