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Abfallsünder : „Gedöns“ ist nicht einfach Sperrmüll

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Hausentrümpelung auf Kosten der Allgemeinheit kann teuer zu stehen kommen. TBZ stößt immer öfter auf dreiste Müllentsorgung

von
erstellt am 21.Mai.2016 | 09:45 Uhr

Neumünster | Mittwochmorgen vor dem Hauseingang eines Mehrfamilienhauses  an der Werderstraße: Auf gut  zehn Metern Länge und  zwei Metern Breite türmt sich, was sich   im Laufe der Jahre im  Keller, dem Dachboden und in Wohnungsverschlägen angesammelt hat: Aus einer alten Wäscheschleuder quellen Videocassetten, alte Landser-Hefte, Bücher  und kaputtes Kinderspielzeug.  Aus einem guten Dutzend Plastiktüten hängen Kindersachen, alte  Slips, Kleider,  Jacken,  Handtücher. In  einem halb aufgerissenen Karton  wartet ein zerlegter  Staubsaugermotor auf seinen letzten Weg, gleich neben Fahrradreifen, Kerzenständer, Blumentopf,  Antennenverstärker,    Gießkanne, Windeln, Dachpfanne, Kaffeemaschine, LP-Ständer, Schuhen, einem Sack Zwiebeln und Gummistiefeln, die irgendjemand an die alte Matratze gebaumelt hat. Die Liste ließe sich  beliebig fortsetzen.

Da hat offensichtlich jemand ganze Arbeit geleistet und gleich den Krempel mehrerer  Jahre vor die Tür gekippt. Dass man auf dem Bürgersteig kaum noch vorbeikommt:  egal, ist ja Sperrmüll,  und die Leute vom TBZ werden’s schon richten – natürlich kostenlos!

Doch diesmal wird die Rechnung nicht aufgehen.   Stephan Waskönig,  beim  TBZ für die  Koordination der Abfallentsorgung zuständig, wirft  nur einen kurzen Blick auf den wüsten Müllhaufen: „Vielleicht zehn Prozent davon  ist Sperrmüll, der Rest gehört in die Restmülltonne“, schätzt der Experte. „So geht das natürlich nicht!“

 Gemeinsam mit  seinem Disponenten Thorsten Biedermann wird er dem Anmelder des Sperrmülls gleich einen unangenehmen Besuch abstatten und ihn vor die Wahl stellen:  Entweder der Nicht-Sperrmüll  wird wieder von der Straße geräumt, oder das TBZ entsorgt den Kram als Restmüll – auf Kosten des Besitzers, versteht sich. Rund 350 Euro  dürften in diesem Fall anfallen, das fällige   Bußgeld von der Ordnungsbehörde nicht eingerechnet.

Die gern benutzte Ausrede, dass  wohl ein  unbekannter Nachbar den unerlaubten Müll danebengestellt haben müsse,  wird in diesem Fall nicht ziehen:  Die beiden Entsorgungsprofis haben in dem Abfallberg gleich  mehrere Hinweise auf den Besitzer gefunden. Was Stephan Waskönig dem Hausbewohner freundlicher erklären wird, macht er auf der Straße um so deutlicher: „Das hier ist keine Sperrmüllabfuhr, sondern  der Versuch, eine Hausentrümpelung auf Kosten der Gebührenzahler durchzuboxen“, ärgert sich Waskönig.

 Eine geschätzte halbe Stunde würden seine Drei-Mann-Teams  benötigen,  um einen Müllberg wie in diesem Fall an der Werderstraße abzuräumen –  bei durchschnittlich 55 Sperrmüll-Terminen pro Tag viel zu lange, wie Waskönig vorrechnet. Die Dummen seien andere Bürger, deren Sperrmülltermin dann nicht eingehalten werden könne und die letztlich den Mehraufwand über ihre Gebühren mitbezahlen müssten.

Dabei ist es nicht immer nur böser Wille, der den Sperrmüll-Planern  das Leben schwer macht: In ihren Bestellschein für  die  kostenlose Sperrmüllabfuhr sollen die Bürger möglichst genau auflisten, was sie an die Straße stellen. Das soll „Kuckucks-Entsorger“ abschrecken, ihren Müll  klammheimlich daneben zu stellen, andererseits den Müllwerkern die Arbeit erleichtern.  Vielen  Anliegern  ist es aber oft zu  mühselig, einzeln aufzulisten, was sie  an die Straße stellen:  „Auf Nachfrage hören wir dann: Schreiben sie einfach Gedöns“, erklärt Biedermann: „Gedöns  ist  aber nicht einfach Sperrmüll.“

 

Sperrmüll  zweimal pro  Jahr  kostenlos

Viele sperrige Abfälle, die in privaten Haushalten anfallen und wegen ihres Umfangs, ihres Gewichts oder ihrer Menge nicht in die graue Restmülltonne passen, sind Sperrmüll. Dazu gehören zum Beispiel Möbel, Teppiche, Fahrräder, Kinderwagen und Metallschrott. Elektrogeräte wie Fernseher, Computer, Trockner, Waschmaschinen und Kühlschränke  werden ebenfalls bei der Sperrmüllsammlung abgefahren.  Pro Jahr sammelt das Technische Betriebszentrum  an der Niebüller Straße (TBZ)  etwa 3600 Tonen Sperrmüll unterschiedlicher Art ein. Für Neumünsteraner ist die Abfuhr – im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen – derzeit noch einmal pro Halbjahr kostenlos. Abholtermine – in der Regel innerhalb von drei  Wochen – können unter  Tel. 942-2900 oder per E-Mail an sperrmuell@neumuenster.de vereinbart werden.

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