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Holsteinischer Courier

22. Oktober 2017 | 05:45 Uhr

Gericht : Gartenbauer muss hinter Gitter

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Schöffengericht ahndet 27-fachen Betrug mit Gefängnisstrafe

von
erstellt am 28.Feb.2015 | 06:45 Uhr

Neumünster | Am Ende führte doch kein Weg am Gefängnis vorbei: Wegen gewerbsmäßigen Betrugs hat das Schöffengericht einen 48-jährigen Gartenbauer zu zwei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt – ohne Bewährung. Das Gericht sah es nach gut dreistündiger Verhandlung als erwiesen an, dass der Angeklagte in 27 Fällen seine Geschäftspartner übers Ohr gehauen hatte, um mit dem erschlichenen Geld seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Laut Anklage entstand dabei ein Schaden von mindestens 23 000 Euro.

Dennoch machten es sich Richter und Staatsanwalt nicht einfach: Wiederholt wurde in der Verhandlung offenkundig, dass der gelernte Maurer als selbstständiger Gartenbauer offenbar hoffnungslos überfordert war und zumindest in der Schlussphase aus purer Existenznot zu betrügerischen Manipulationen gegriffen hatte – das allerdings mitunter recht findig. „Der Angeklagte ist sicherlich nicht der typische Kriminelle“, bescheinigte selbst der Staatsanwalt dem geständigen Angeklagten: „Aber Betrug ist es dennoch.“

Der Vorwurf in den 27 aufgelisteten Fällen lautete fast immer ähnlich: Der Gartenbauer nahm einen lukrativen Arbeitsauftrag an, kassierte Abschlagszahlungen und Vorschüsse für Materialkosten, ließ dann aber die Baustelle links liegen, um sich dem nächsten Auftrag zu widmen. Mal sollte er einen Zaun ziehen, mal eine Auffahrt pflastern, mal eine Garage oder ein Carport neu eindecken: Stets rückte er scheinbar tatkräftig an, war aber nach den ersten Abschlagszahlungen verschwunden.

Der Angeklagte räumte die Vorwürfe zwar ein, sah sich letztlich aber selbst als Opfer seines umtriebigen Geschäftsgebarens. „Ich habe einen Auftrag angenommen, aber dann ging mir das Geld fürs Material aus, deshalb hab’ ich den nächsten Auftrag angenommen“, erklärte er dem Gericht. Mit dem neuen Vorschuss versuchte er dann das Finanzloch des vorangegangenen Auftrags zu stopfen. Irgendwann kam er bei diesem selbst angestoßenen Schneeballsystem nicht mehr hinterher: Immer neue Aufträge mussten her, immer seltener wurde tatsächlich gearbeitet. Das sah der Angeklagte auch ein: „Ich hätte das natürlich viel früher stoppen müssen, ich habe Mist gebaut“, erklärte er kleinlaut. Allerdings habe er nie betrügen wollen, beteuerte er vor dem Gericht.

Richter und Staatsanwalt mochten das nicht für jeden Fall glauben: So hatte der Mann etwa wiederholt Kleinlaster auf seinen Namen gemietet, für die fälligen Lastschriften jedoch fremde Konten angegeben – angeblich in Absprache mit seinen Geschäftspartnern.

Neben seinem Geständnis rechnete das Gericht dem Angeklagten zugute, dass er inzwischen zumindest begonnen hat, den Schaden in dem einen oder anderen Fall wieder gutzumachen oder abzuarbeiten. Dagegen wog vor allem die Höhe des Schadens und nicht zuletzt sein umfangreiches Vorstrafenregister. Seit 1994 war der 48-Jährige immer wieder mal wegen Urkundenfälschung und kleinerer Betrugsdelikte verurteilt worden.

Der Staatsanwalt forderte unter dem Strich eine Gesamtstrafe von drei Jahren. Die Verteidigung plädierte auf eine Bewährungsstrafe – unter zwei Jahren.

 

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