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Bornhöved : „Ganz leicht war mein Leben ja nicht“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Vor 150 Jahren wurde Iven Kruse in Ruhwinkel geboren. Volker Griese aus Wankendorf hat über Leben und Werk des Literaten geschrieben

Bornhöved | Als Dichter schrieb Iven Kruse Bücher, Gedichte und die vierte Strophe des Liedes „Dat du min Leevsten büst“. Als Redakteur veröffentlichte er zahllose Zeitungsartikel. Dennoch ist sein Name nur noch wenigen bekannt. Geboren wurde er in Ruhwinkel, gearbeitet hat er auch in Neumünster, begraben ist er in Bornhöved. Der Junge vom Dorf machte eine für damalige Zeiten bemerkenswerte Karriere. Heute jährt sich der Geburtstag von Johannes Christian Kruse zum 150. Mal. Aus diesem Anlass findet heute in Bornhöved eine Gedenkfeier statt.

„Ganz leicht war mein Leben ja nicht und da ich es selbst zu führen hatte, ohne Rat und Berufung, blieben mir mancherlei Um- und Irrwege nicht erspart“, sagte Kruse selbst ein Jahr vor seinem Tod. Er wurde am 11. April 1865 als Sohn eines Schmiedes in Ruhwinkel geboren. Damit war seine Laufbahn vorgezeichnet, er hätte Nachfolger seines Vaters werden sollen. Doch der verträumte Junge zeigte früh Interesse an Büchern.

„Er war ein bisschen weltfremd. Lebte zurückgezogen“, sagt Volker Griese über den Schriftsteller. Der 49-jährige Wankendorfer forscht seit 17 Jahren über das Leben und Werk von Kruse, der sich erst Johann und dann Iven nannte. Wenn man sich mit der Literaturgeschichte um 1900 beschäftige, „trifft man immer wieder auf den Namen“, sagt der Hobby-Forscher. Oft wird Kruse als Briefpartner von Schriftstellern erwähnt. Das habe ihn neugierig gemacht. Griese begab sich in Archiven auf Spurensuche. Das Ergebnis ist unter anderem die detaillierte Biografie „Iven Kruse – Leben und Werk“, die jetzt im Husumer Verlagshaus erschienen ist.

Zwischen den Schuljahren in Bornhöved und dem Tod am 10. September 1926 in Büdelsdorf lag ein bewegtes Leben, das Iven Kruse nach Kiel, München, Hamburg und Neumünster führte. Die Eltern haben kein Geld für eine aufwändige Ausbildung. Es reicht gerade für ein Internat in Barmstedt. Volksschullehrer soll der 15-Jährige werden. Aber mit dem Leben in der Bildungsstätte kommt Kruse nicht zurecht, er flüchtet nach Hause. 1884 kann er in Kiel in einem neu gegründeten Zeitschriftenunternehmen als Helfer anfangen. Der Herausgeber erkennt das Talent des Jungen. Als die Zeitschrift aus finanziellen Gründen schließen muss, empfiehlt er Kruse der „Kieler Zeitung“ , die vom Bankier Wilhelm Ahlmann gegründet worden war. Der junge Mann beginnt als Volontär bei dem seinerzeit führenden Nachrichtenblatt in Schleswig-Holstein, arbeitet im Feuilleton, darf kleine Meldungen schreiben und liest sich durch die große Literatur: „Man glaubt nicht, was in so einen durstigen Kopf alles hineingeht“, erinnert er sich.

Doch „unzweifelhaft ist es die Begegnung mit dem Dichter Delev Freiherr von Liliencron, die Johannes Kruse zu einer Persönlichkeit heranreifen, ihn als Dichter sich entfalten lässt“, schreibt Griese in seinem Buch und sagt im Gespräch: „Als Redakteur, aber auch als Literat konnte er sich sehen lassen.“

Kruse schrieb Novellen und Gedichte in Hochdeutsch und Platt, die meist in seiner holsteinischen Heimat spielten. Diese seien vordergründig idyllisch, sagt Griese, weisen jedoch vielfach einen Hauch Sozialkritik auf. So bezieht Kruse in seinem ersten großen Roman „Der dritte Bismarck“ politisch Position – was ihm Ärger einbringt.

Auch Neumünster gehört zu seinem Lebensweg. Über seinen Besuch in der Stadt als Kind schrieb er: „Das Geheul der Fabriken brandete auf, die Maschinen rasselten und dröhnten. Aus den hohen Fabrikschornsteinen zogen schwarze Rauchschwaden. Wagen polterten unablässig über das Pflaster, rudelweise strebte das kecke Jungvolk zur Schule. An ihnen vorüber trugen Stadträte ihre Würde aufs Rathaus. Fabrikherren protzten mit ihrer Eile, obschon der Amerikanismus noch in den Windeln lag. Rentner wandelten behäbig durch den Straßenlärm, und eine Drehorgel mischte ihre Melancholie in das Rattern und Schreien. Ich hatte einstweilen genug und übergenug von dem Erlebnis Stadt.“

Auch gearbeitet hat er in Neumünster, und zwar von 1923 bis 1925 bei der „Niederdeutschen Rundschau“. Nach einem Zerwürfnis mit Verleger Karl Wachholtz ist Iven Kruse zunächst arbeitslos. Daher nimmt er das Angebot von Johannes Ahlmann an, für die „Carlshütte“ eine Chronik zu verfassen. Ohne seine Familie siedelt er in die Alte Dorfstraße 25 in Büdelsdorf um. „Nur wenig nimmt er in dieser Zeit Anteil am Leben in Büdelsdorf und Rendsburg. Zu modern und laut ist es ihm hier“, schreibt Griese.

Die Chronik – „Ein Jahrhundertbuch der Hollerschen Carlshütte bei Rendsburg insbesondere in Lebensbild des Gründers Markus Hartiwg Holler“ – erscheint 1927 zum 100-jährigen Bestehen des Unternehmens.

 

> Gedenkfeier: Heute, 15 Uhr, in Bornhöved, Lindenstraße 5. > Buch: Volker Griese, „Iven Kruse – Leben und Werk“, 142 Seiten, 7,95 Euro, Verlagsgruppe Husum

> Internet: www.ivenkruse.de

 

 

 

 

 

 

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erstellt am 11.Apr.2015 | 06:00 Uhr

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