Unternehmensverband : Gala für den Anwalt der Wirtschaft

Alles Gute  für den Ruhestand und eine Paris-Reise zum Abschied: Der UVM-Vorsitzende Jens van der Walle (links) und sein Vize Ulf Michel (rechts) bedankten sich im Namen des Unternehmensverbands und der Neumünsteraner Wirtschaft bei Gerd Kühl. Fotos: Ziehm
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Alles Gute für den Ruhestand und eine Paris-Reise zum Abschied: Der UVM-Vorsitzende Jens van der Walle (links) und sein Vize Ulf Michel (rechts) bedankten sich im Namen des Unternehmensverbands und der Neumünsteraner Wirtschaft bei Gerd Kühl. Fotos: Ziehm

Empfang für Gerd Kühl in der Schanze am See. 160 Gäste erwiesen dem scheidenden Geschäftsführer des Unternehmensverbands ihre Reverenz

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16. November 2013, 07:00 Uhr

Die Gästeliste war ein Wer ist Wer der Neumünsteraner Wirtschaft. Und das Gedränge im Restaurant Schanze am See war noch größer als beim Kommunalpolitischen Bierabend. 25 Mal hatte ihn Gerd Kühl organisiert, gestern stand der 67-Jährige selbst im Mittelpunkt: Der Unternehmensverband Mittelholstein verabschiedete seinen Geschäftsführer mit viel Lob und launigen Worten in den Ruhestand.

Noch am letzten Tag seiner 35 Jahre beim UVM hatte Kühl ein neues Mitglied rekrutiert. Tags zuvor stand der Jurist noch für die Arbeitgeberseite vor dem Arbeitsgericht. „Sie haben sich über das Maß des Erwarteten engagiert und sich um den Unternehmensverband und Neumünsters Wirtschaft verdient gemacht“, sagte der UVM-Vorsitzende Jens van der Walle.

Es seien bewegte 35 Jahre gewesen, „in denen sich der Verband in Neumünster zum wichtigsten Sprachrohr des Mittelstandes, zur Lobby der Unternehmen gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit“ entwickelte, so van der Walle. Vor Gericht habe sich Kühl den Ruf erworben, auch schier unlösbare Fälle noch zu einem angemessenen Ergebnis zu führen. „Für viele waren Sie ein ‚harter Hund‘, ja ein ‚Wadenbeißer‘“, sagte van der Walle.

Arbeitsrichterin Dagmar Raasch-Sievert nannte Kühl einen „Partner bei der Rechtsfindung“ und schlug einen launigen „Vergleich“ vor: „Als Abfindung für den Verlust des Arbeitsplatzes erhält Herr Kühl die allerbesten Wünsche für die Zukunft.“ Carsten Ludwig, der Leiter der Agentur für Arbeit, charakterisierte Gerd Kühl mit den Worten „raue Schale, weicher Kern“. Seit 1986 wirkte Kühl im Verwaltungsausschuss der Agentur und wechselte sich dort mit der Gewerkschaftsseite im Vorsitz ab. Ludwig: „Sie waren unser Botschafter der Arbeitsverwaltung in Neumünster“.

Der UVM-Vize Ulf Michel hob besonders Kühls Durchsetzungskraft und Pragmatismus hervor und zitierte dessen Arbeitsmotto: „Unternehmen brauchen keine blutleeren Belehrungen darüber, was verboten ist. Sie wollen praxisrelevante Ratschläge, um weiter arbeiten zu können.“ Die habe Gerd Kühl als „Geburtshelfer“ bei vielen Unternehmensgründungen gern gegeben. Bei Schwierigkeiten sei er auch als „Babysitter“ zur Stelle gewesen und habe als „Feuerwehrmann geholfen, so manchen betrieblichen Brandherd zu löschen“. Michel: „Für mich bist Du vor allem der Anwalt der Neumünsteraner Wirtschaft. Du hast mehr für das wirtschaftliche Wohlergehen und die Arbeitsplätze dieser Stadt getan als alle Wirtschaftsförderprogramme zusammen.“

Mehr Lob geht kaum. Gerd Kühl war gerührt und sah sich gut getroffen: „Ich bin, wie ich bin, und werde mich auch nicht ändern“, sagte er und verriet, nach der Schule eigentlich Theologe werden zu wollen. Der Vater riet zur Jurisprudenz, denn dann könne man auch eine Familie ernähren. „Mein Vater hatte recht“, sagte Gerd Kühl. Er danke für 35 Jahre, „die keine Urlaubsjahre waren und viel Einsatz erforderten. Es hat mir immer Spaß gemacht.“ Sagte es, und gab seiner Frau Sybille einen Kuss. Das Abschiedsgeschenk des Unternehmensverbands ist eine Städtereise nach Paris – in die Stadt der Liebe. Als letzte Amtshandlung zückte Kühl den Büroschlüssel und die Karte für die Alarmanlage. Für sie ist nun sein Nachfolger Dr. Hans-Jürgen Völz verantwortlich.

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