Neumünster : Für Toleranz und Menschlichkeit

Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras und Stadtpräsidentin Anna-Katharina Schättiger legen einen Kranz zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus im Innenhof des Rathauses nieder.
Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras und Stadtpräsidentin Anna-Katharina Schättiger legen einen Kranz zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus im Innenhof des Rathauses nieder.

Die Stadt erinnert an die Opfer des Nationalsozialismus. Rund 80 Neumünsteraner wohnen der Kranzniederlegung am Rathaus bei.

shz.de von
26. Januar 2018, 17:36 Uhr

Rund 80 Neumünsteraner kamen am Sonnabend zum Mahnmal im Rathaus-Innenhof, um der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken. Am 27. Januar 1945 hatte die Rote Armee die letzten Insassen des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau befreit. 2005 machten die Vereinten Nationen diesen Tag zu einem internationalen Holocaust-Gedenktag.

„Das Konzentrationslager steht sinnbildlich für die schrecklichen Taten der Nationalsozialisten, und genau an diese wollen wir uns heute erinnern, um daraus Lehren für das Hier und Jetzt und für unsere Zukunft zu ziehen“, sagte Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras in seiner Rede im Foyer des Rathauses. „Auch mehr als 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges ist es noch immer unvorstellbar, zu welchen Gräueltaten Menschen fähig waren und mit Blick auf die aktuelle Weltgeschichte auch heute noch sind.“

Tauras erinnerte an die Rede von Ex-Bundespräsident Joachim Gauck, der 2015 am Holocaust-Gedenktag dazu aufgerufen hatte, dass die unterschiedlichen Kulturen und Religionen in Deutschland sich respektieren und friedlich miteinander leben sollen. „Die Gemeinschaft, in der wir alle leben wollen, wird nur dort gedeihen, wo die Würde des Einzelnen geachtet wird und wo Solidarität gelebt wird“, hatte Gauck vor drei Jahren gesagt.

Der OB wies darauf hin, dass die Stadt vor der schwierigen Aufgabe stehe, viele Flüchtlinge zu integrieren. Die Kritiker dieser Politik mahnte er, auf die eigene, deutsche Geschichte zu blicken, „wenn allgemeine Werte wie Menschlichkeit oder Nächstenliebe allein nicht reichen, um Menschen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen, hier in Deutschland aufzunehmen und ihnen Sicherheit zu geben“.

Besonders sollte bei dieser Gedenkfeier der Homosexuellen gedacht werden, die von den Nazis verfolgt wurden. Denn in vielen Staaten wird Homosexualität heute noch strafrechtlich verfolgt.

Auch in der anschließenden ökumenischen Andacht in der Vicelinkirche legte Propst Stefan Block den Fokus auf Homosexuelle. In der Andacht berichtete der Ortsvereinvorsitzende der SPD in Tungendorf, Gerrit Köhler, von dem schwulen Bruno Balz. Der Dichter und Liederschreiber war wegen seiner Homosexualität von der Gestapo verhaftet und tagelang gefoltert worden. Während der Haft schrieb er Liedtexte, die heute noch bekannt sind. Darunter waren zum Beispiel „Davon geht die Welt nicht unter“ oder „Es wird einmal ein Wunder gescheh’n“. „Den Menschen kennt heute kaum mehr einer, so wie es die Nazis wollten, doch seine Lieder kennen noch viele“, sagte Köhler.

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