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Boostedt : Für Oberstabsfeldwebel Rousseau ist es ein endgültiger Abschied

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Für Oberstabsfeldwebel Holger Rousseau bedeutet die offizielle Auflösung des Logistikbataillons 162 zum 30. Juni auch den persönlichen Abschied aus der Bundeswehr.

shz.de von
erstellt am 15.Apr.2015 | 05:45 Uhr

Boostedt | Für Oberstabsfeldwebel Holger Rousseau bedeutet die offizielle Auflösung des Logistikbataillons 162 zum 30. Juni auch den persönlichen Abschied aus der Bundeswehr. 32 Jahre hat der zurzeit als „Personalmanager“ des Verbandes verpflichtete Unteroffizier gedient. Jetzt scheidet der 51-Jährige wegen der Auflösung vorzeitig aus der Bundeswehr aus und bricht auf zu neuen Ufern. „Ich werde hier Ende Juni einfach so rausspazieren. Es ist dann ja niemand mehr da zum Abschiednehmen. Das ist schon ein komisches Gefühl“, gibt er zu.

Begonnen hat Rousseau seine Laufbahn nach der Grundausbildung in Bad Segeberg 1983 in der Neumünsteraner Sick-Kaserne an der Goebenstraße. Es folgten Dienstjahre in der Hindenburg-Kaserne sowie in Kiel und Kellinghusen (Kreis Steinburg). Zwei Jahre arbeitete er außerdem als Sachbearbeiter im Verteidigungsministerium in Bonn. Anschließend war er in Lütjenburg (Kreis Plön) eingesetzt. Und seit 2008 ist der Neumünsteraner in der Rantzau-Kaserne stationiert.

„Alle Kasernen, in denen ich stationiert war, sind mittlerweile geschlossen. Doch ich habe viele schöne Erinnerungen an diese Jahre“, resümiert er. In besonders guter Erinnerung sind dem Heeressoldaten die Wochen geblieben, die er auf dem Truppenübungsplatz in Shilo in Kanada verbracht hat. 27 Jahre lang, bis zum Jahr 2000, war die Bundeswehr hier ständiger Gast der kanadischen Armee. „So etwas erlebt man nicht oft. Das war eine aufregende, schöne Zeit“, erklärt Rousseau.

Nicht als schöne, aber als außergewöhnliche Erfahrung mit starken Erinnerungen empfindet der Oberstabsfeldwebel außerdem seinen Einsatz im Kosovo 2004. „In drei Tagen haben wir 600 Soldaten auf den Weg gebracht. Das war eine logistisch mehr als reife Leistung. Und natürlich vergisst man nicht, dass aus den geplanten 30 Tagen dort letztlich fast 110 Tage wurden, in denen man nur selten Kontakt mit der Familie hatte“, erinnert er sich.

Überhaupt sei die Trennung von der Familie immer eine Herausforderung für ihn gewesen. „Ich war ja nie wirklich weit weg stationiert, aber ich war ständig für Wochen unterwegs. Da bekommt man einiges, was zu Hause vorgeht, nicht mit. Auch meinen Geburtstag im September habe ich meistens bei Manöverübungen gefeiert“, berichtet der Vater von zwei mittlerweile erwachsenen Kindern.

Als Personalfeldwebel hat Holger Rousseau auch die Verteilung der rund 1000 Soldaten begleitet, die bis vor kurzem in Boostedt stationiert waren. Bislang wurden schon 620 Soldaten an 114 Standorte versetzt. „Wir haben eigentlich für fast alle Soldaten das bekommen, was sie sich gewünscht haben“, erklärt er dazu nicht ohne Stolz.

Überhaupt ist ihm der Umgang mit Menschen wichtig. Die Ausbildung, aber auch die Sorgen und Nöte der Soldaten interessieren Rousseau wirklich. „Personalbearbeitung muss man mit Herz machen. Die Soldaten müssen sich darauf verlassen können, dass wir hier das Beste für sie rausholen. Wir haben uns frühzeitig und intensiv gekümmert. Deshalb sind wir jetzt so gut davor und werden es schaffen, alle Bundeswehrangehörigen zum 1. Juli an anderen Standorten unterzubringen“, erklärt er abschließend.

Was Holger Rousseau allerdings persönlich nach seinem Ausscheiden aus der Bundeswehr machen wird, will er nicht verraten. „Für ein gemütliches Pensionärsdasein bin ich jedenfalls viel zu jung. Und ich bin fit für die freie Wirtschaft. Ich werde also auf keinen Fall nur spazieren gehen und Kaffee trinken“, gibt er dann doch noch schmunzelnd einen kleinen Tipp.

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