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Für mich ist das gefühlte Alter das Wichtigste

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

von
erstellt am 27.Nov.2014 | 12:29 Uhr

Die Schere geht immer weiter auseinander – nicht nur zwischen „Arm und Reich“, sondern auch zwischen gefühltem, tatsächlichem, biologischem und von außen geschätztem Alter.

Ich fange mit dem Unwichtigsten an: Wie man mich von außen einschätzt. Da komme ich immer recht gut weg. Wenn ich jemandem erzähle, dass ich 80 bin, glaubt mir das auf Anhieb niemand. Das liegt wohl an den Genen, die mein Haar noch immer nicht ganz ergrauen lassen, dem relativ glatten Gesicht, der Tatsache, dass ich gerne lache und überhaupt „nach draußen lebe“ und mich selbst ziemlich frei zwischen allen Alterszuständen fühle. Für mich ist das gefühlte Alter das Wichtigste.

Da ich vieles nicht weiß oder vieles unentwickelt geblieben ist, gibt es den kindlichen Aspekt, der mit Interesse und Neugier einhergeht, den, der sich über die komischen Aspekte besonders freut, den erwachsenen, der mit Verantwortung, Alleinsein, Disziplin konfrontiert wird und – ungern! – Entscheidungen trifft. Der Aspekt des Alterns, der sich verändernden Körperlichkeit, Lernfähigkeit, Lebenserfahrung, bringt eher Verwunderung mit sich, was einem so alles passiert und hat im Gefolge, dass ich in einem ständigen Anpassungsprozess lebe: Ach, heute kann ich den Arm nicht heben, also muss der andere ihm zu Hilfe kommen. Meine Güte, ist heute das Gehen schwer! Dass ich etwas erst das zweite Mal verstehe, liegt nicht nur am nachlassenden Gehör, sondern auch an langsamerem Wahrnehmen.

Dann wäre da noch das biologische Alter. Dank meiner alternativen Therapeutin bin ich bestimmt zehn Jahre jünger, kaum krank, schnell wieder gesund und mit bestem „Heilfleisch“ ausgestattet.

Mir ist die Fähigkeit zu jubelnder Freude abhanden gekommen, aber auch die zu großer Trauer, Ärger und Wut. Vielleicht liegt es daran, dass alles nicht mehr so wichtig ist und ich schon auf dem Weg zum Ziel bin, wie auch immer das aussieht.

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