Earth Hour : Für eine Stunde gab es weniger Licht

Mit dem großen Teleskop unter der Kuppel der Sternwarte betrachteten die Besucher am Sonnabend die Sonne.
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Mit dem großen Teleskop unter der Kuppel der Sternwarte betrachteten die Besucher am Sonnabend die Sonne.

Auch Neumünsteraner beteiligten sich wieder an dem jährlichen Projekt des WWF / Die Sternwarte hatte zum 15. bundesweiten Astronomietag eingeladen

shz.de von
27. März 2017, 12:00 Uhr

Neumünster | Von 20.30 bis 21.30 Uhr wurde am Sonnabend weltweit die „Earth Hour“ begangen. Für eine Stunde wurde vielerorts auf elektrisches Licht verzichtet, um ein Zeichen für den Klimaschutz zu setzen. Auch Neumünsteraner waren dabei, allerdings ohne größere Öffentlichkeit.

Ein vielseitiges Rahmenprogramm an der Vicelinkirche, wie es in den Vorjahren ausgerichtet wurde, gab es diese Mal nicht. Punkt 20.30 Uhr schaltete Norbert Hinz von den Stadtwerken die Beleuchtung der Vicelinkirche am Kleinflecken ab. „Hier kommen sonst immer ganz viele Leute zusammen, die es sich anschauen, wenn das Licht ausgeht“, sagte er leicht verdutzt, weil nicht eine Menschenseele an der Vicelinkirche war. „Die Stadt hat die ‚Earth Hour‘ in diesem Jahr wegen geänderter Zuständigkeiten abgesagt“, erklärte Silke Leng vom Kirchenkreis Altholstein auf Nachfrage. Das Licht ging dennoch aus: Die Innenstadtkirchen, das SWN-Kundenzentrum und der Wasserturm blieben für eine Stunde unbeleuchtet. Auch die kunstvolle Innenbeleuchtung des Museums wurde abgeschaltet, während nebenan in der Stadthalle bereits Licht- und Musikanlagen für den Schlagermove auf Hochtouren liefen.

Schon am späten Nachmittag öffnete die Sternwarte der Volkshochschule Neumünster ihre Türen. Die hatte sich zugleich am 15. bundesweiten Astronomietag beteiligt. So lange die Sonne noch kräftig herabschien, konnten die Besucher durch das große Teleskop unter der Kuppel einen Blick auf den hellen Stern erhaschen. „Leider ist es leicht bewölkt, sodass die Sonne etwas verschleiert ist. Es sind auch keine Sonnenflecken zu sehen. Das wäre noch interessanter gewesen“, sagte Fachmann Jürgen Kahlhöfer.

Auf der Wiese vor der Sternwarte ließen sich die Besucher Teleskope verschiedener Bauweisen erklären. „Es gibt unterschiedlichste Teleskope. Benannt nach seinem Erfinder kann ein Schmidt-Cassegrain-Teleskop trotz größerer Brennweite deutlich kompakter daherkommen als beispielsweise ein einsteigerfreundlicher Refraktor“, beschrieb Sternkieker Stefan Bruns. Als die Sonne verschwunden war, wurden alle Teleskope gen Nachthimmel ausgerichtet. „Der Mond ist zurzeit tagsüber gut zu sehen. Am Abend stehen Mars und Jupiter günstig sowie die galileischen Monde“, erklärte Meltem Tischmann von der Sternwarte.

Besondere Bilder zeigte Hobby-Astronom Markus Bruhn den Besuchern. Er hat sich auf Astro-Fotografie spezialisiert und eindrucksvolle Bilder von der Mondoberfläche zeigen können, die er in wochenlanger Arbeit aus riesigen Datensätzen zu einem Ganzen gebracht hatte. Höhepunkt war am Abend der unterhaltsame Vortrag von Astronom Dr. Erik Wischnewski. „Er ist wirklich eine Koryphäe auf dem Gebiet der Astronomie“, meinte Marco Ludwig, Leiter der Sternwarte. Wegen des Referenten und nicht zuletzt auch wegen des guten Wetters wurden am Ende 250 Besucher in der Sternwarte gezählt. „Gemeinsam mit den Besuchern haben wir auf den Nachthimmel über Neumünster geachtet. Der ist ab 20.30 Uhr aber nicht dunkler geworden“, stellte Ludwig fest. Durch künstliche Lichtquellen auf der Erde wird der Nachthimmel extrem aufgehellt. Hier ist von Lichtverschmutzung die Rede. Auch der soll während der „Earth Hour“ entgegengewirkt werden. Die „Stunde für die Erde“
wurde vor elf Jahren vom „World Wide Fund for Nature“ (WWF) ins Leben gerufen, um ein Zeichen für den Klimaschutz zu setzen. 


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