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Grossflecken in Neumünster : Fünfjähriger erlitt Stromschlag durch offenliegendes Kabel

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ayden Celik kletterte auf einen öffentlich zugänglichen Betonpoller. Jetzt ermittelt die Polizei wegen fahrlässiger Körperverletzung.

shz.de von
erstellt am 07.Nov.2014 | 05:00 Uhr

Neumünster | Diesen Abend werden Drita Celik und ihr Mann Memet (41) so schnell nicht vergessen. Das Paar ging am Dienstabend am Großflecken gegen 17.30 Uhr spazieren. Vor der Alten Post-Passage kletterte ihr Sohn Ayden (5) auf einen Betonsockel, schrie dann auf. Er hatte eine Brandwunde auf der linken Handinnenfläche und einen Stromschlag erlitten, weil ein Kabel aus dem Poller herausragte. Ein Schock für die Eltern: „Es hätte auch noch etwas Schlimmeres passieren können.“ Sie sind stinksauer, dass in so einer öffentlichen Lage jemand seiner Sicherungspflicht nicht nachkam.

Das Paar alarmierte die Polizei, diese rief die Feuerwehr. „Die Feuerwehr war sehr schnell vor Ort, schenkte Ayden einen Teddy“, sagt Vater Memet. Der Fünfjährige wurde sicherheitshalber ins FEK gebracht. „Nach einem Stromschlag kann es noch vier oder fünf Stunden danach zu Herzrhythmusstörungen kommen, sagte die Kinderärztin im FEK“, sagt Vater Memet sehr ernst und wütend zugleich.

Die Berufsfeuerwehr rückte mit dem „Hilfeleistungs-Löschfahrzeug“ an, da alle Rettungswagen im Einsatz waren. „Die Polizei teilte uns mit, dass ein Verdacht auf Stromschlag bestand. Wir überprüften die Vitalfunktionen – Atmung, Puls, Herzschlag, dann kam auch schon der Notarzt. Außerdem riefen wir die Stadtwerke“, sagt Fahrzeugführer Holger Schaaf. Ein Stromschlag gebe es immer mal wieder als Haushaltsunfall, in dieser Form sei das aber ein außergewöhnlicher Einsatz. Der Verdacht bestätigte sich: „Die Stadtwerke-Techniker stellten fest, dass Strom mit einer Spannung bis 230 Volt flossen und dass es sich um einen für Menschen gefährliche Spannung handelt“, sagt Polizei-Pressesprecher Rainer Wetzel.

Der Junge blieb einen Tag zur Überwachung im Krankenhaus, hat sich aber vollständig erholt. Nur ein buntes Pflaster auf der Handoberfläche erinnert an den bösen Moment. Seine Mutter mag sich gar nicht vorstellen, was noch hätte passieren können: „Unsere kleine Tochter Alina ist 15 Monate alt und fängt gerade an zu laufen. Sie macht ihrem Bruder alles nach. Bei ihr hätte das nicht so glimpflich ablaufen können, weil sie noch kleiner ist.“ Vater Memet denkt weiter: „Dort laufen jeden Tag viele Menschen vorbei, auch Kinder. Es wäre nicht auszudenken, was da inzwischen hätte passieren können. Es ist normal, dass Kinder in diesem Alter auf solche Poller klettern.“ Es wäre eher nachvollziehbar, wenn auf einem Schuttgelände so etwas passiere – aber auf dem belebten Großflecken?

Das Paar erstattete Strafanzeige; die Polizei ermittelt jetzt laut Polizeisprecher Sönke Hinrichs wegen des „Verdachts auf gefährliche Körperverletzung“. Darauf kann sowohl eine Geldstrafe als auch Freiheitsentzug stehen, so Hinrichs. Die Gefahr vor Ort ist gebannt: Die Stadtwerke-Techniker haben alles mit Betonmasse gefüllt und damit abgesichert.

Wer für den Betonpoller zuständig ist, wurde noch nicht ermittelt. Vorher stand dort die Skulptur „Glückswächter“, die Künstler Wilhelm Bühse mit Flüchtlingen kreiert hatte, davor eine Litfaß-Säule. „Der Inhaber der Post-Passage hat es uns genehmigen müssen, dass wir die Skulptur aufstellen durften“, sagt Bühse. Am 28. Oktober wurde der „Glückswächter“ entfernt. Bühse ist noch im Nachhinein erschreckt: „Uns hätte auch etwas passieren können.“ Ob der Inhaber der Passage zuständig ist, war gestern nicht zu erfahren. Am Handy lief der Anrufbeantworter.

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