Ehndorf : Fünf Stunden und 30 Dosen Farbe für die Wald-Idylle

Mit hoher Konzentration, aber mit lockerer Hand arbeitete sich der Künstler Benjamin Braune (33) Stück für Stück in das neue Wald-Idyll am Trafohäuschen vor.
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Mit hoher Konzentration, aber mit lockerer Hand arbeitete sich der Künstler Benjamin Braune (33) Stück für Stück in das neue Wald-Idyll am Trafohäuschen vor.

Trafo-Häuschen wurde neu gestaltet.

shz.de von
23. Juli 2015, 07:00 Uhr

Ehndorf | Ein Wald-Idyll statt Sprayer-Müll: Am Dienstag besprühten Künstler der Agentur art-efx aus Potsdam die unansehnliche Ortsnetzstation an der Straße Hinter dem Aalbek in Ehndorf mit einer farbenfrohen Waldszene.

Das vormals mit Graffiti-Tags (Kürzeln) besprühte graugrüne Häuschen ziert jetzt eine Lichtung, auf der sich Rehe und Wildschweine tummeln und sich auch das Ortswappen wiederfindet. Für dieses Motiv hatte sich Bürgermeister Hauke Göttsch (CDU) entschieden, nachdem er Kontakt mit der Schleswig-Holstein Netz AG (Eigentümerin der Station) aufgenommen und die Zusage der Neugestaltung erhalten hatte. „Ich hab das mal irgendwo gesehen und wollte so etwas für Ehndorf auch unbedingt haben“, erzählte er. „Und da man an dieser Stelle in die Natur fährt, kam für mich nur ein Waldmotiv infrage“, erklärte er.

„Seit 2009 haben wir in ganz Schleswig-Holstein mehr als 300 Ortsnetzstationen mit einem neuen Anstrich versehen lassen. Die Gestaltung mit Motiven ist dabei an die örtlichen Gegebenheiten angepasst und wird im Vorfeld mit den Gemeinden abgestimmt“, berichtete Marcus Grot, zuständiger Kommunalbetreuer der Schleswig-Holstein Netz AG, beim Ortstermin. Sinn der Aktion sei dabei zum einen die Verschönerung, aber die professionellen Motive schützen in der Regel die Einrichtungen auch vor unerwünschten Graffiti, erläuterte Grot weiter.

„‚Dürfen Sie das?‘ ist eigentlich immer die erste Frage, die kommt, wenn uns jemand sozusagen bei der Arbeit erwischt“, erzählte der Künstler und Fassadengestalter Mario Schuster (31) schmunzelnd. Gemeinsam mit seinem Kollegen Benjamin Braune (33) arbeitet er seit zehn Jahren im öffentlichen Raum und hat dabei vom kleinsten Fleck bis hin zum elfstöckigen Wolkenkratzer schon alles besprüht.
„Auch wenn es allgemein so genannt wird, verwehren wir uns gegen den Begriff Graffiti. Denn dies würde den „richtigen“ Sprayern nicht gerecht werden. Und wir arbeiten ja auch nicht mit Tags, sondern gestalten die Flächen mit gegenständlichen Szenen. Das ist ein ganz anderes Genre“, erklärte Schuster. Mittlerweile seien für die Agentur vier Teams in ganz Europa unterwegs. Voraussetzung für das Arbeiten mit der Sprühdose sei dabei vor allen Dingen ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen und ein „lockeres“ Händchen. „Und man muss sich natürlich konzentrieren, damit zum Beispiel das Reh nicht plötzlich schielt“, meinte der Künstler lachend.
Für die Gestaltung des Gemäldes in Ehndorf brauchten die Könner schließlich rund fünf Stunden und rund 30 Dosen Farbe. Und das Ergebnis konnte sich am Ende wirklich sehen lassen.

„Ein paar Striche und schon steht ein Wildschwein da. Ich bin total begeistert und nun auf die Reaktionen aus dem Dorf gespannt“, freute sich jedenfalls Hauke Göttsch nach der Fertigstellung.  


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