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Holsteinischer Courier

23. Oktober 2017 | 10:47 Uhr

Fünf Millionen für die Asylunterkunft

vom

Ehemalige Scholtz-Kaserne soll energetisch saniert werden / Letzte große Instandhaltung liegt schon 14 Jahre zurück

shz.de von
erstellt am 02.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Neumünster | Das Fundament des Wirtschaftsgebäudes im Landesamt für Ausländerangelegenheiten am Haart ist wegen des darunter liegenden Bunkers sogar atombombensicher. An vielen Stellen ist der Sanierungsstau aber mit Händen zu greifen - in einer Treppeneinfassung klafft ein tiefes Loch. Wegen der großen Front und fehlender Isolierverglasung wird das Geld buchstäblich zum Fenster hinaus verheizt.

Schleswig-Holsteins Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) machte sich gestern in Neumünster ein Bild vom maroden Zustand der Liegenschaft. Wie dort sieht es an vielen landeseigenen Gebäuden aus. "Wir haben von der Substanz gelebt. In die öffentliche Infrastruktur wurde zu wenig investiert", sagte sie. An der in der Landesverfassung verankerten Schuldenbremse will die Ministerin aber nicht rütteln. Eine gewisse Kursänderung sei aber nötig. Monika Heinold: "Wir wollen sowohl konsolidieren als auch investieren."

Den Investitionsbedarf bis 2020 für den Erhalt und die Sanierung aller Landes-Liegenschaften hat das Ministerium auf 1,25 Milliarden Euro berechnet. Im Haushalt stehen dafür dieses Jahr 72 Millionen Euro bereit. "Schon daran kann man sehen, wie groß die Lücke ist", sagte Monika Heinold. Das Anfang 2013 aufgelegte Sonderprogramm zu Verbesserung der Energieeffizienz öffentlicher Gebäude darf da getrost als Tropfen auf den heißen Stein gelten - ebenso die Hoffnung auf ein 50-Millionen-Euro-Programm aus Zensus-Mehreinnahmen.

Die Ministerin hatte aber auch eine gute Botschaft: In die zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber am Haart wird investiert. Etwa fünf Millionen Euro sind von 2014 bis 2017 für die Instandhaltung vorgesehen. Die energetische Sanierung von Fenstern und Gebäuden soll helfen, die Betriebskosten zu senken.

Das ist auch dringend nötig. Die ältesten Blocks der ehemaligen Scholtz-Kaserne stammen aus dem Jahr 1936, und das Wirtschaftsgebäude wurde 1967 gebaut. 1997 war die Bundeswehr aus der Scholtz-Kaserne ausgezogen. "Die letzte größere Renovierung gab es 1998/99 für den Einzug des Landesamts", machte dessen Leiter Ulf Döhring deutlich.

Die fünf Millionen Euro sollen nicht nur in die sanitären Anlagen und mehr Energieeffizienz investiert werden, sondern auch in Freizeit- und Rückzugsmöglichkeiten für die Bewohner. Es gibt bis zu 160 Kinder in der Aufnahmestelle, und in den Kinderspielstuben sieht es traurig aus. Für Ministerin Heinold sind "faire Lebensbedingungen" auch Zeichen einer "Willkommenskultur". Weitere Investitionen in mehr Bildung der Asylbewerber und Barrierefreiheit der Gebäude würden geprüft.

Seit 2009 und der Schließung einer weiteren Einrichtung in Lübeck ist Neumünster die einzige Erstaufnahmestelle für Asylbewerber im Land. Von hier aus werden sie dann nach festen Schlüsseln auf die anderen kreisfreien Städte und Kreise verteilt. Neumünster selbst werden wegen des Landesamts am Haart keine Asylbewerber extra zugewiesen.

Die Aufnahmezahlen am Haart sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Allein im ersten Halbjahr gab es gegenüber 2012 eine Verdopplung. "Wir rechnen mit rund 3000 Asylbewerbern bis Jahresende", sagte Döhring. Bei einer durchschnittlichen Belegung mit 375 Menschen ist es laut Döhring "noch auskömmlich". Ab 400 werde es eng.

"Das ist ein guter Tag für das Landesamt. Die Maßnahmen sind notwendig, die Finanzierung steht, es kann losgehen", sagte Monika Heinold. Die Landtagsabgeordnete Kirsten Eickhoff-Weber (SPD) freute sich über das positive Signal: "Neumünsters Einrichtungen werden in Kiel gesehen, anerkannt und unterstützt."

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