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Brandstiftung in Neumünster : Fünf Männer auf der Anklagebank

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Sieben Brandherde waren verdächtig: Landgericht verhandelt das Feuer an der Bahnhofstraße 40.

von
erstellt am 29.Aug.2014 | 05:45 Uhr

Den Ermittlern kam es schnell merkwürdig vor: Gleich sieben Brandherde zählten sie, als im September in dem Mehrfamilienhaus Bahnhofstraße 40 ein Feuer ausgebrochen war (der Courier berichtete). Seit gestern müssen sich fünf Männer vor dem Kieler Landgericht wegen besonders schwerer Brandstiftung verantworten, unter ihnen der Besitzer der Immobilie (32).

Die Männer, von denen vier aus Neumünster oder der näheren Umgebung und einer aus Hamburg kommen, wurden alle aus verschiedenen Haftanstalten des Landes nach Kiel gebracht – sie sollten ihre Aussagen nicht absprechen können. Zum Prozessauftakt wurde vor 15 Zuschauern aber nur die Anklage verlesen. Laut Oberstaatsanwalt Axel Bieler soll der Hausbesitzer, der vor Gericht seinen Beruf mit „Fabrikarbeiter“ angab, irgendwann im September 2013 „aufgrund seiner desolaten finanziellen Lage“ beschlossen haben, das Haus in Brand zu stecken. Demnach wollte er die Versicherungssumme von 500.000 Euro kassieren. Er weihte laut Anklage zwei Bekannte ein, einen Kaufmann (38) und einen Gastwirt (70). Beide sollen ihre Hilfe zugesagt haben – und der Ältere sollte „Experten aus Hamburg“ organisieren. 5000 Euro sollte es dafür geben sowie 20 Prozent der Versicherungssumme.

Der richtige Mann war schnell gefunden. Nach Auffassung der Ermittler sollte ein Arbeiter (37) aus Neumünster 10 000 Euro für die Brandstiftung erhalten. Laut Anklage traf man sich mehrmals zur Vorbereitung. Schließlich wurde die Nacht zum 15. September festgelegt. Der Plan: Alle Türen sollten offen und die Mieter nicht zu Hause sein. Offenbar konnte der „Experte“ seinen Halbbruder (31) aus Hamburg als Compagnon für die Sache gewinnen. Drei Kanister Benzin wurden an einer Tankstelle in Kiel gekauft. Gegen 0.30 Uhr schlichen sich die Brüder dann laut Staatsanwaltschaft ins Haus schräg gegenüber der katholischen Kirche. Sie gossen das Benzin aus und steckten es an. „Sie wussten, dass sich in den angrenzenden Häusern Menschen aufhielten. Nur durch einen glücklichen Zufall wurde das Feuer schnell entdeckt“, so der Ankläger. Gäste einer nahe gelegenen Party hatten damals eine Verpuffung gehört und Alarm geschlagen. So konnten die Flammen rasch gelöscht werden.

Im November machte der Hausbesitzer schließlich die Schadensmeldung bei seiner Versicherung geltend. Doch die schätzte den Schaden weitaus geringer ein als erhofft: Nur 150 000 Euro sollte es geben. Daraufhin wählte der Eigentümer eine Zivilklage. Gezahlt wurde nicht. Die Ermittlungen machten einen Strich durch die Rechnung.

Um Details, weder zur Person der Angeklagten noch zu den Vorwürfen, ging es gestern noch nicht. Schweigend hörten sich die Männer die Vorwürfe an.

In dem Haus an der Bahnhofstraße ist zurzeit wenig Leben. Eine Plane flattert vor einem Fenster, das bei dem Feuer zerborstenen war. In den Erdgeschossfenstern leuchten allerdings immer wieder rote Lampen – zum Unwillen vieler Nachbarn. Sie vermuten dort nach wie vor ein Bordell (der Courier berichtete).

Der Prozess wird fortgesetzt.

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