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Theater in der Stadthalle : Frohes Fest für Vollidioten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Mehr als 500 Besucher sahen am Mittwochabend das Stück mit Kristian Bader und Michael Ehnert.

Neumünster | Sie sind gern gesehene Gäste in Neumünster: Kristian Bader und Michael Ehnert, die zwei vom „Bader-Ehnert-Kommando“, kurz BEK. Ihre vielen Talente zeigten sie bereits als Solisten, als Duo mit wechselnden Partnern und in „echten“ Theaterstücken, in denen sie „Schillers und Goethes sämtlich Werke, leicht gekürzt“ präsentierten. Sie hatten immer volle Häuser – so auch am Mittwochabend im Theater in der Stadthalle mit über 500 Zuschauern.

„Der Weihnachtshasser oder Frohes Fest für Vollidioten“ (ein Programm, das sie nach einigen Jahren Pause, komplett aktualisiert haben) ließ nichts Besinnliches erwarten, also keine Einstimmung auf Weihnachten, sondern eher die Bestätigung, dass es dabei um „den Orgasmus des Einzelhandels“ geht.

Mit dem Satz „Marley war tot – kein Zweifel kann darüber bestehen“ beginnt die Erzählung „A Christmas Choral“ (Weihnachtslied), die Charles Dickens 1843 schrieb. Es geht darin um den skrupellosen Geschäftsmann und Menschenfeind Ebenezor Scrooge, der durch geisterhaft-wundersame Begebenheiten vom Saulus zum Paulus wird. Mit „Marley war tot“ begann auch „Der Weihnachtshasser“ von Michael Ehnert, im Untertitel: Ein Comedy-Schauspiel sehr frei nach Charles Dickens.

Kristian Bader war der hartherzige Scrooge, aber auch sein Neffe Alfred, der arme kleine Tim und Marcel Reich-Ranicki. Ehnert war Scrooges ehemaliger Kompagnon Marley und der dröge Schreiber, er war eine ganze Horde von Weihnachtszwergen und alle Frauen: Mutter, Schwester, Verlobte und immer wieder Angela Merkel, denn das BEK ist überzeugt, dass sie Merkel überhaupt erst populär gemacht haben.

Ehnert stellte auch auch alle Geister dar, die der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Weihnachten; er war Horst, der Schlachter, und der wuselige Chinese. Das amüsierbereite Publikum erlebte zwei Komödianten, die sich an der Dickens-Geschichte entlang hangelten. Sie peppten sie mit geistreichen Pointen und mit kritischen, witzigen und klamaukigen Extempores zu allen Spielarten der Politik auf.

Ihre bevorzugten Satirefelder waren Globalisierung, Kapitalismuswahn, Ausbeutung der Ärmsten der Armen, Kriege und AfD, Pharmaversuche und Nahrungsmittelskandale. Zwei Stunden lang trafen die Komödianten so manchen Nagel mitten auf den Kopf und zeigten überzeugend, was man an ihren Programmen so schätzt: ihre Verwandlungskünste in Sprache, Mimik und Körperhaltung. In Sekundenschnelle können sie neue Situationen herstellen, sind pantomimisch ganz hervorragend, fallen immer wieder „aus der Rolle“ und improvisieren (z.  B. wenn das Mikrofon versagt) souverän. Sie kommen mit zwei Koffern – oder sind es vielleicht doch Fahrstühle? – in denen sich alle Requisiten befinden. Wie in der griechischen Tragödie findet zum Schluss die innere Läuterung statt. Scrooge beschließt, ein besserer Mensch zu werden, und der Dichter kann am Ende sagen: „Scrooge war außer sich vor Freude.“ Na denn: Fröhliche Weihnachten!

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