Neumünster : Fröhliches Fest zum Abschied

Inbrünstig sangen die Kinder beim Abschiedsfest ihre Lieder – nicht nur die ukrainische Nationalhymne, sondern auch Songs verschiedener Nationalitäten. Fotos: Seelig
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Inbrünstig sangen die Kinder beim Abschiedsfest ihre Lieder – nicht nur die ukrainische Nationalhymne, sondern auch Songs verschiedener Nationalitäten. Fotos: Seelig

Fast alle kleinen Patienten aus der Ukraine haben sich gut erholt. Zwei Sorgenkinder gab es in der letzten Woche.

shz.de von
07. August 2018, 11:18 Uhr

Neumünster | Sie sangen inbrünstig ihre fröhliche Botschaft: „Wir sind in Deutschland und in Neumünster , die Fröbelschule ist der Ort, wohin wir wollen!“ Die Zeit ist wie im Nu verflogen, schon sind vier Wochen vorbei: Die krebskranken Kinder aus der Ukraine und ihre Betreuer bedankten sich traditionell mit einem selbstgestaltetem Abschiedsfest in der Turnhalle der Fröbelschule bei ihren Gastgebern und Unterstützern.

„Wenn ich sehe, wie sie springen und hüpfen, dann weiß ich, dass es ihnen besser geht“, sagt Eberhardine Seelig von der Teestube David. Die 77-Jährige organisierte zum 27. Mal die Reha-Kur für die Tschernobyl-Kinder aus der Ukraine – immer noch erkranken Menschen dort als Spätfolge der Reaktorkatastrophe von 1986 an Krebs. Mit Liedern und Tänzen erzählten sie die Geschichte eines Kindes, das überall auf der Welt nach einem schönen Ort sucht und ihn dann in Neumünster findet – ein Dankeschön an die Betreuer.

„Es ist schon ein kleines Wunder und etwas Besonderes, dass man über so viele Jahre immer wieder Helfer findet. Dieses Jahr sprang zum Beispiel eine Busfahrerin spontan als Helferin in der Küche ein, nachdem sie die Kinder kennengelernt hatte“, sagt Eberhardine Seelig. Gerade in der Küche ist viel zu tun – vitaminreiche Salate frisch zubereiten, das „Spezialgetränk“ aus Früchtetee und Fruchtsaft ausschenken oder das Obst am Nachmittag reichen. Daneben sorgten schöne Erlebnisse wie Ausflüge in den Tierpark, Kutschfahrten beim Bauern Voigt in Tasdorf, das „Landleben“ auf dem Erlebnisbauernhof Appen oder auf dem Augustenhof für unbeschwerte Momente, in denen die kleinen Patienten Abstand von wochen- und monatelanger Therapie, Klinikaufenthalten oder der Isolation zu Hause gewannen.

„Alle Blutwerte sind okay, und die Kinder haben an Selbstbewusstsein gewonnen. Zwei Mädchen versteckten ihre kurzen Haare unter einer Perücke und einem Kopftuch – trauten sich nicht, diese abzunehmen. Ich habe ihnen gesagt, dass sie auch so schön sind“, erzählt die Organisatorin.

Nur zwei Sorgenkinder gab es in der letzten Woche – ein Zehnjähriger, der im Alter von sieben Jahren erkrankte und mit neun Jahren einen Rückfall hatte, bekam Nasenbluten und Bluthochdruck. Noch abends wurde ein Arzt aus dem FEK hinzugezogen, dann ein Hals-Nasen-Ohren-Facharzt aufgesucht und noch Rat bei der Fachklinik Oexen in Bad Oeynhausen eingeholt – letztendlich konnte nach bangen Stunden Entwarnung gegeben werden. Doch da der Junge aufgrund von Knochenkrebs sehr dünne Blutgefäße hat, musste er sich ab sofort schonen, durfte nicht beim Abschiedsfest mittanzen – ebenso wie das Mädchen, dessen Prothese sich gelockert hatte und das Fieber und Schmerzen hatte.

Heute geht es zurück – und alle drücken die Daumen, dass die Kinder gesund und munter bleiben.

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