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Integration : Fröbelschüler gehören zur Gemeinde

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Behinderte Kinder wurden in der Kirche der Wicherngemeinde konfirmiert. „Eine tolle Erfahrung“ für die Jugendlichen

shz.de von
erstellt am 23.Jun.2015 | 08:00 Uhr

Neumünster | „Heute ist ein ganz besonderer Tag“ begrüßte Pastor Christian Andersen am Sonntagmorgen die Gemeindeglieder und Gäste in der vollbesetzten Kirche der Wicherngemeinde in der Ehndorfer Straße. Entlang der stehenden Gemeinde waren zuvor 9 Kinder der benachbarten Fröbelschule für mehrfachbehinderte Kinder in froher Erwartung ihrer bevorstehenden Konfirmation über den Mittelgang in die Kirche eingezogen.

Aufgeregt nahmen sie in der ersten Reihe Platz. Für Pastor Christian Andersen ist der Gottesdienst „ein besonderes Highlight“. „Ich finde diese Menschen wunderbar“, sagte er. „Ich freue mich über das Vertrauen, dass sie uns schenken“, so Andersen. „In ihrem Leben haben diese Kinder schon viele Hürden nehmen müssen. Heute sollen sie spüren, wie wichtig sie sind. Sie erleben hier, dass andere Menschen für sie aufstehen“, sagte der Pastor.

Um die Besonderheit des Tages zu unterstreichen, hatte Christian Andersen allerlei maritimes Zubehör mit in die Kirche gebracht. „Unser Lebensboot kann manchmal ziemlich wacklig sein“, wandte er sich an die Gemeinde. „Wenn es oben stürmt, braucht man unten Tiefgang“, meinte er und hielt zur Verdeutlichung eine Finne in die Luft. Einem Schlauchboot fehle diese Stabilisierung, außerdem müsse man sich mit einem Paddel abmühen, um vorwärts zu kommen, erklärte Andersen, nun mit Paddel in der Hand. „Wie wäre es...“, fragte er und verschwand im Nebenraum, um gleich darauf mit einem großen Segel zurückzukommen, „wenn man ein Segel setzen würde? Wow! Da kommt eine frische Brise“, sagte Pastor Andersen. Die wünsche er den Konfirmanden von ganzem Herzen. „Durch Gott wird mein Lebensboot angetrieben. Ich muss mich nicht immer abmühen“, schloss er seine Predigt.

Gebannt und sehr aufmerksam lauschten die Kinder der Geschichte. „Diese plastische Erzählweise kommt bei unseren Schülern sehr gut an“, sagte Burga Koch. Als ehemalige Diakonin und ausgebildete Sonderschullehrin betreut Koch den Konfirmationsunterricht im Förderzentrum mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung. „Unser Unterricht ist von praktischen Dingen geprägt“, erzählte die Lehrerin. „Wie vor 2000 Jahren backen wir gemeinsam Brot, setzen uns zum Essen auf den Boden und stellen Wohnräume aus der Zeit um Jesu Geburt dar“, erläuterte Burga Koch ihren Unterricht. Im theoretischen Unterricht gehe es zum Beispiel um das weite Feld der Vergebung. „Die Schüler sammeln Erfahrungen zu den Themen Recht und Unrecht, überprüfen die Bedeutung von Entschuldigungen und setzen sich konkret mit der Bibel auseinander. Seinen jeweiligen Konfirmationsspruch hat sich jeder Schüler selbst gewählt“, erzählte Koch. Für die Kinder sei die Konfirmation, die seit 1977 durch den Förderverein der Fröbelschule unterstützt wird, sehr wichtig. „An diesem Tag spielen sie keine Außenseiterrolle. Wie alle anderen auch feiern sie ihre Konfirmation in der Kirche, die Gemeinde nimmt sie wunderbar auf, kurz: sie gehören dazu. Das ist eine tolle Erfahrung für die Kinder.“




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