Saisonrückblick : Frischzellenkur beim TSV trägt Früchte

Kompromisslos im Zweikampf, stark im Spielaufbau: Wankendorfs Abwehrchef Timo Bobzien (li., hier gegen Itzehoes Onur Bektas).
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Kompromisslos im Zweikampf, stark im Spielaufbau: Wankendorfs Abwehrchef Timo Bobzien (li., hier gegen Itzehoes Onur Bektas).

Die Verbandsligafußballer des TSV Wankendorf sind mit ihrem verjüngten Kader als Tabellensiebter über die Ziellinie eingelaufen – und haben damit ihr Saisonziel erreicht.

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27. Juni 2014, 08:00 Uhr

Unsere traditionelle Serie mit den Saisonrückblicken auf die sportlichen Topadressen des Kreisfußballverbandes Neumünster setzt sich fort mit den nur drei verbliebenen Clubs in der Verbandsliga Süd-West. Denn das schwarze Schaf der vier immerhin zweithöchsten Spielklassen im Land zwischen den Meeren erlebte in der Serie 2013/2014 das traurigste Kapitel seit seiner Geburtsstunde im Jahr 2008. Mit dem TuS Krempe, dem TS Einfeld und dem TSV Gadeland zogen gleich drei Vereine ihre vermeintlichen Aushängeschilder vorzeitig aus dem Spielbetrieb zurück und gaben das Klassement der Lächerlichkeit in der regionalen Fußballszene preis. So war die Abstiegsfrage Ende März bereits geklärt. Zumindest der Kampf um den Aufstieg entschädigte für die erlittene Identitätskrise in Schleswig-Holsteins Fußball-Süd-Westen. Am Ende feierte der SV Henstedt-Ulzburg als Zweiter die Rückkehr in die Schleswig-Holstein-Liga, denn der als „FC“ firmierenden Spielgemeinschaft Reher/Puls blieb trotz Meistertitel der Aufstieg verwehrt.

Freizusprechen von allen Vorwürfen war indes der TSV Wankendorf, der sich nicht allein aufgrund einer makellosen Derby-Bilanz mit vier Siegen gegen den MTSV Olympia Neumünster und den TuS Nortorf als „zugereiste“ dritte Kraft mit ständiger Aufenthaltsgenehmigung in der Schwalestadt etablierte und sich um die nahe sportliche Zukunft augenscheinlich keine Sorgen zu machen braucht. Die Gelb-Blauen stehen daher im Fokus unserer heutigen Ausgabe.

Am Jahnplatz freute man sich am letzten Spieltag vor allem über das spektakuläre 4:4 zwischen dem SV Todesfelde II und dem VfR Horst. Denn die Punktverluste der Todesfelder bescherten den spielfreien Wankendorfern Platz sieben (24 Spiele/34 Punkte/54:49 Tore) und damit das Erreichen des eigenen Zielkorridors „zwischen Platz fünf und neun“. Da schmerzte es nur bedingt, dass man ebenso tatenlos zusehen musste, wie Olympias Marc Barck beim nicht minder spektakulären 6:5-Heimsieg gegen den TuS Nortorf satte vier Treffer erzielte und damit im Schlussspurt um die Torjägerkrone mit insgesamt 22 Treffern Wankendorfs Arne Duggen doch noch überholte, der mit 20 Treffern das Nachsehen hatte. Doch eines scheint sicher: Hätte der 24-Jährige nicht unmittelbar nach der Winterpause aufgrund einer schweren Schulterverletzung wochenlang pausieren müssen, wäre dem komplettesten Stürmer der Liga die Trophäe des besten Goalgetters vermutlich nur schwer zu entreißen gewesen. Schließlich standen bis dahin bereits 16 Buden auf seinem Konto.

Überhaupt war die Rückkehr Duggens zu seinem Heimatverein sinnbildlich für die gelungene Transferpolitik des TSV. Angefangen mit dem neuen Partner von Henning Theen auf der Trainerbank, Torsten Block, der sich für seine gute Arbeit mit Nachwuchsspielern längst einen Namen gemacht hat. Unter der Regie des neuen Trainerduos entwickelten sich die aus der A-Jugend Rot-Weiß Saxonias verpflichteten Youngster – wie Trainersohn Finn Block, Tobias Jantzen, oder Pascal Schnoor – prächtig und mit ihnen der Spielstil der gesamten Mannschaft. Prägte noch in jüngerer Vergangenheit ein klassischer Libero namens Christian Nordheim die kompromisslose Defensive, mündend in langen Bällen – im Übrigen ein System, welches den FC Reher/Puls in dieser Saison zur Meisterschaft geführt hat – wird in Wankendorf mittlerweile ansehnliches Offensivspiel angeboten. Angefangen beim neuen Abwehrchef Timo Bobzien, dessen Qualitäten im geordneten Spielaufbau unbestritten sind. Beneidenswert überdies, die akkurat besetzte Kreativzone, um die etablierten Olaf Weick, Bastian Heinrich, Mathias Gerndt und Kapitän Alexander Usbek. Und nicht zuletzt blühte ein bis dato eher unauffälliger Neuzugang namens Philipp Dittkuhn im Zuge der Verletzung Duggens richtig auf. Der pfeilschnelle Ex-Bokhorster schraubte sein Konto dank sieben Treffern in der Frühjahrsserie auf zwölf Saisontore und profitierte wiederholt von den feinen Füßen seiner Mittelfeldachse.

Im Übrigen spiegelte sich die Frischzellenkur des TSV Wankendorf auch in der Fairnesstabelle wieder, denn mit nur einer Roten und einer Gelb-Roten Karte bei 57 Verwarnungen zählte der TSV zu den fünf fairsten Teams der Liga.

Zwar leistete sich die Jahnplatz-Elf zu Saisonbeginn und Saisonende Auszeiten im Leistungsniveau, erlebte die stärkste Phase dafür jahresübergreifend zwischen Ende Oktober und Ende April. In diesen sechs Monaten, unterbrochen von der Winterpause, gestaltete Wankendorf sieben von elf Partien siegreich, teilte sich zwei Mal die Punkte und ging nur in zwei Partien als Verlierer vom Platz – der Grundstein für eine alles in allem gelungene Saison.

Der Philosophie der Nachwuchsförderung scheint der TSV Wankendorf derweil konsequent treu bleiben zu wollen. Denn auch für die kommende Spielzeit wurden bisher ausnahmslos junge Talente verpflichtet. Mit Tunahan Pak (A-Jugend RW Saxonia), Philip Jahnke und Lennard Hopp (beide A-Jugend SV Bönebüttel Husberg), sowie Bennet Sütel (A-Jugend Preetzer TSV) wurden bisher lediglich Jungmannspieler verpflichtet. Schlagen diese Jungs annähernd so ein, wie es Jantzen, Block & Co. getan haben, darf man Fußballobfrau Claudia Hopp sowie der sportlichen „Doppelspitze“ Helge Duggen und Georg Usbek gerne gratulieren – und der Wankendorfer Anhang darf sich weiter auf attraktiven Volkssport nahe der Autobahn 21 freuen.

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